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Piraten-Geschäftsführerin Nocun: „Ich möchte keine Identifikationsfigur sein“

Jung, netzaffin, idealistisch: Katharina Nocun ist ab sofort Geschäftsführerin der Piraten. Doch als neues Aushängeschild ihrer Partei, wie es ihre Vor-Vorgängerin Marina Weisband war, sieht sich die 26-Jährige nicht.

Piraten-Geschäftsführerin Nocun: „Ich werde alles geben.“ Quelle: AFP
Piraten-Geschäftsführerin Nocun: „Ich werde alles geben.“ Quelle: AFP

Die Parallelen liegen auf der Hand: Sie ist 26 Jahre jung, Netzaktivistin und lebt für das Ideal der Piraten, das Internet zu einer Chance für die Demokratie zu machen. Doch als neues Aushängeschild ihrer Partei, wie es ihre Vor-Vorgängerin Marina Weisband war, sieht sich Katharina Nocun nicht. „Ich möchte keine Identifikationsfigur sein“, sagt sie am Freitag kurz nach ihrer Wahl zur neuen politischen Geschäftsführerin. Vor der schwierigen Aufgabe, im Wahlkampf offensiv um Vertrauen für die Piraten zu werben, hat sie aber offenkundig wenig Angst.

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Als Nocun ihre Bewerbungsrede vor etwa 1.000 Piraten auf dem Parteitag in Neumarkt beginnt, erinnert ihr Auftreten zunächst tatsächlich ein wenig an Weisband, die als politische Geschäftsführerin vor zwei Jahren schnell zum Gesicht der jungen Internet-Partei wurde. Im mit schwarzen Spitzen besetzten Langarm-T-Shirt, die langen braunen Haare zusammengebunden, tritt Nocun ans Pult und wirbt mit leicht gerötetem Gesicht für ihre Kandidatur.

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Doch das Jungmädchen-Auftreten täuscht zunächst darüber hinweg, dass Nocun auch laut werden kann und harte Worte nicht scheut: „Mein Versprechen ist, dass ich - verdammt noch mal - alles geben werde“, sagt sie mit Blick auf den Wahlkampf, der für die in den Umfragen abgestürzte Partei mehr als schwierig werden dürfte. Auch die politische Konkurrenz kann sie schon ganz gut aufs Korn nehmen: Bei denen stünden „Mitarbeit und Transparenz doch nur auf dem Etikett“, schimpft sie vor Journalisten mit Blick auf Versuche der etablierten Parteien, Bürger und Parteibasis an ihren Programmen mitschreiben zu lassen.

Nocun, die mit drei Jahren aus Polen nach Deutschland zog, ist nach eigener Auskunft mit Computern aufgewachsen. Ihre Mutter ist Datenbank-Administratorin, der Vater IT-Projektmanager. „Wir hatten immer einen Zugang zu Computern und Internet“, schreibt sie in ihrem Blog. Schon bevor sie im vergangenen Jahr zu den Piraten kam, engagierte sich die Studentin der Politik, Philosophie und Wirtschaftsinformatik für ein unzensiertes Internet und Datenschutz, organisierte Demos gegen Vorratsdatenspeicherung. Sie arbeitet als Online-Redakteurin, der Job muss wegen der Piraten aber derzeit ruhen.

Für die Piraten verteilte Nocun schon bei der Bundestagswahl 2009 Wahlwerbung. Eingetreten ist sie erst im vergangenen März, als sich die Newcomer auf dem Zenit ihres Erfolgs befanden. Eine steile Parteikarriere legte auch Nocun hin: Bei der Niedersachsen-Wahl kandidierte sie für die Piraten – allerdings erfolglos – auf Platz zwei der Liste. Auch für den Bundestag bewirbt sie sich auf einem zweiten Listenplatz für ihr Heimat-Bundesland.

Parteitag der Piraten Bundestag rückt in weite Ferne

Die Piraten präsentieren sich als Partei der Streithansel. Das muss sich ändern. Im Wahlkampf brauchen sie neue Themen und prominente Gesichter, die dafür stehen. Doch die Basis stutzt die Führung regelmäßig zurück.

Eine Politik, die nicht hinter verschlossenen Türen stattfindet, wünscht sich Nocun, die mit ihrer Familie auf einem Bauernhof in Dissen lebt. „Ich bin Idealistin und habe nicht vor, das zu ändern“, beschreibt sie sich selbst. Ihrer von den Führungsstreits der vergangenen Monate zermürbten Partei verspricht sie, auf „mehr Zusammenhalt“ zu achten.

Nocuns unglücklich agierender Vorgänger Johannes Ponader hatte für manche Alleingänge heftige Kritik der Basis aushalten müssen. Seine junge Nachfolgerin hat mit solchen „Shitstorms“ noch keine Erfahrung - und hofft angesichts des zu erwartenden Interviewstresses der kommenden Monate auf ihre Familie: „Die holen mich schon auf den Boden der Tatsachen zurück.“

  • 11.05.2013, 11:06 UhrVicario

    Zum Aufmischen der Altparteien-Jauche wäre der Einzug der Piraten in den Bundestag gar nicht so verkehrt.....trotz Unerfahrenheit......!

  • 11.05.2013, 11:13 UhrAmeise

    besser ist die AfD. Auf dem Piratenparteitag ist sogar ein "alter" Pirat zur AfD übergelaufen. Der wird seine Gründe haben. Die Medien haben darüber natürlich nicht berichtet.

  • 11.05.2013, 11:21 Uhrnetshadow

    Sowas wie eine AfD braucht kein Mensch. Das ist nur die Fortsetzung alter Duftmarken, politische Inzucht mit Pensionsgarantie.

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