„Kein Bankvorstand kann seine Bilanz erklären“

Piraten-Vorstand im Interview
„Kein Bankvorstand kann seine Bilanz erklären“

Die Piratenpartei schärft ihr Wirtschaftsprofil. Wie, erläutert Vorstandsmitglied Schrade. Der Finanzexperte wirbt für ein Kerneuropa ohne Griechenland, für Steuern auf Derivate und will nicht als U-Boot der FDP gelten.
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Finanzanalyst, Unternehmer und – Pirat. Das ist Matthias Schrade. Der 32-Jährige ist genau das, was man sich wohl nicht unter einem Mitglied der Piratenpartei vorstellt. Geschniegelt und gebügelt, mit Anzug und Krawatte erscheint er zum Interview. Er weiß selbst, dass er „anders“ ist und nicht dem Piraten-Klischee entspricht. „Ich bin ja vom beruflichen Hintergrund her auf den ersten Blick der klassische FDP-Typ, wurde anfangs sogar als U-Boot der Liberalen verdächtigt und musste Aufklärungsarbeit leisten, dass dem nicht so ist.“ Und diese Aufklärungsarbeit könnte die Piraten noch weit bringen.

Zuletzt lag die Partei in Umfragen bundesweit bei 10 Prozent. Die Wähler fühlen sich von etablierten Parteien nicht mehr vernünftig vertreten. Sie wenden sich ab – viele aus Protest. Schrade könnte die Piraten mit seinem Können noch populärer und vor allem noch wählbarer machen. Er könnte die Partei mit seinem Wirtschaftswissen von ihrem Internetfreak-Image befreien. Ehrenamtlich sitzt Schrade im Bundesvorstand der Piratenpartei, sonst ist er Geschäftsführer der Düsseldorfer GSC Research GmbH und auf die Analyse von Nebenwerten an der Börse spezialisiert. 

Im vergangenen Jahr hat er geholfen, seiner Partei im Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen ein Wirtschaftsprofil zu geben und hat einen Teil des Wirtschaftsprogramms mitgeschrieben. Im Interview spricht er über die Euro-Krise und zeigt Lösungsmöglichkeiten auf. Und er skizziert finanz- und wirtschaftspolitische Positionen, die vielleicht auch irgendwann zur Parteilinie werden. Das müssen dann aber schon auch alle wollen, betont Schrade. Denn, sagt er: „Wir sind basisdemokratisch und keine Diktatur.“

Das Interview:

Handelsblatt Online: Wie erklären Sie sich den großen Zuspruch für die Piratenpartei?

Matthias Schrade: Um den Erfolg der Piraten zu verstehen, müssen Sie verstehen, wie wir auf die Bürger wirken. Den Leuten ist es um Welten lieber, wenn sie jemanden treffen, der sich mit ihnen auf Augenhöhe unterhält. Sie wollen nicht mehr mit verklausulierten und ausgefeilten Ausflüchten der etablierten Parteien abgespeist werden. Die meisten von uns waren vorher noch in keiner anderen Partei. Ich habe immer wieder mit dem Gedanken gespielt, in die FDP einzutreten. Ich habe es aber dann gelassen, weil ich keine Lust hatte, mich erst jahrelang hochzudienen und mich irgendwelchen Seilschaften unterzuordnen, um dann etwas bewegen zu können.

Was haben die Piraten, was die FDP nicht hat?

Jeder, der bei uns mitmachen möchte, kann sofort und völlig unbürokratisch mit dem Bundesvorstand oder gewählten Abgeordneten kommunizieren. Jeder kann politische Inhalte einbringen und dem Bundesparteitag zur Abstimmung vorlegen. Das ist nicht wie bei anderen Parteien an Delegierte gekoppelt, die entsandt werden.  Und es gibt auch keine Sperrfristen. Jeder kann sich zu jeder Zeit einbringen.

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Kommentare zu "„Kein Bankvorstand kann seine Bilanz erklären“"

Alle Kommentare
  • Wohltuend unaufgeregt.

  • Die Meinung, daß sich die Piratenpartei aus dem Stimmenpool der FDP ernährt trifft erfreulicherweise nicht zu. Die Stimmen zu dieser Ideen-Partei kommen erfreulicherweise aus viel größeren Quellen. Das zeigen alle Untersuchungen über die Wanderungen von Wählerstimmen:

    einmal alle Unzufriedenen mit den "großen Volksparteien!
    Dann ein erheblicher Stimmenstrom von den Grünen.
    Und -für mich am erfreulichsten- viele Stimmen von bisherigen Nichtwählern!

    Insofern ist ein weiteres Wachstum der Piraten absehbar.

  • 2013 wird der große Aufstieg für die Piraten !

    Die Betonkopfpartei (CDU ),die Sozen (SPD ),Chaos-Grünen
    (Grünen),2% Partei (FDP)werden ihr Waterloo erleben .

    Das ist die Rache des Volkes gegen diese Parteien ,die uns in die EURO- Katastrophe gebracht haben .

    Das Volk für unmündig erklären u.diese sollen jetzt
    die Casino Schulden zahlen .

    2013 wird in die Geschichte eingehen u. die Gerechtigkeit
    wird siegen .

    Das kommt so sicher wie das Amen in der Kirche .

  • Entscheidend ist, ob sich die Piraten klar gegen den bisherigen grenzen- und tabulosen Eurokurs der etablierten Parteien abgrenzen (werden).
    Dann spiegelt sich die beim Wahlvolk weit verbreitete Euroskepsis in der Demoskopie nieder. Und wenn die Piraten in den Umfragen stärkste Partei sind, kann auch von den Medien nicht mehr geleugnet werden, dass es sich bei den Euroskeptikern eben nicht um eine zu ignorierend Minderheit handelt. Der Euro muss endlich ein kontrovers diskutiertes Wahlkampfthema werden.

  • @ yoshi_d
    Kein Mensch verlangt, dass ein Vorstand jedes Details seines Unternehmens kennen soll. Aber er/sie soll wissen, was "Sache" ist.
    Das wissen oder wußten die Bankvorstände nicht. Sonst hätten sie nie Griechenlandanleihen, die Papiere von Lehmann usw. gekauft. Und dies waren keine Details!!!
    Nebenbei möchte ich bemerken, dass sich die Finanzindustrie weitestgehend von der Realwirtschaft entfernt hat. Das Volumen der Finanzindustrie ist ein vielfaches höher, als das der Realwirtschaft. Mit den klassischen Bankgeschäft hat die jetzige Finanzindustrie nichts mehr zu tuen.

  • Der Satz von Herrn Schrade, dass kein Bankvorstand seine Bilanz "vollständig! erklären kann trifft zu.
    Und nicht nur dies. Kein Vorstand von einem größeren Unternehmen hat nur ansatzweise einen Überblick über die Vorgänge im seinem Unternehmen!!!
    Oder glaubt wirklich einer ernsthaft, das zum Beispiel Roland Koch, Ministerpräsident a.D. irgendeine Fachkompetenz in Baugewerbe oder in den internen Prozessen von Bilfinger & Berger hat. R. Koch ist Vorstandsvorsitzender von dem großen Baukonzern Bilfinger & Berger.
    Jetzt kann man ja nachdenken, was dies für die deutsche Wirtschaft bedeutet.
    PS: Man merkt, dass Herr Schrade im Finanzsektor arbeitet. Entgegen den meisten Kommentaren halte ich ihn für doch für sehr glatt. Zwar noch nicht so "professionell" wie Roland Koch,Frau Merkle & Friends. Aber dennoch......Er ist auf einem guten Weg.

  • yoshi_d: Wenn Sie meinen Ausführungen nicht folgen und deren Aussagewert nicht in der Realität einordnen können, dann antworten Sie besser nicht.

  • Die Piraten setzen sich durch!

    Entsprechend einer höchstrichterlichen Entscheidung muß es ein Hauswirt ertragen, wenn sich ein Mieter die Piratenflagge ins Fenster hängt.
    Wer sich diese Marktlücke zueigen macht, kann mit dem Vertrieb von Piratenflaggen/-gardinen Millionär werden!

  • Genau dieser Blödsinn ist es, den ich vorhin gemeint habe. Jahrelang muss man sich diesen Quatsch anhören und wird belächelt. Im Stillen zweifelt man an der eigenen Kompetenz, weil man einen Teil der Finanzinnovationen bzw. deren Zweck einfach nicht nachvollziehen kann. Machen Sie sich mal Gedanken darüber, was die Börse eigentlich ist und welche Idee mal Grundlage für dessen Gründung war. Nämlich Menschen mit guten Ideen aber wenig Kapital mit Menschen zusammen zu bringen, die keine Ideen haben, dafür aber viel Kapital. Von dieser Grundidee ist heute leider nicht mehr viel übrig.
    @yoshi_d, selber können Sie Bankbilanzen wohl nicht lesen oder? Sonst wüssten Sie sehr wohl, dass die Bilanz der Raiffeisenbank mit 82 Mio. Bilanzsumme auch keine anderen Positionen enthält als die einer großen Privatbank. Der einzige Unterschied dürfte der sein, dass die international tätigen Banken nach IFRS bilanzieren und die Raiba nach HGB. Sooo groß ist der Unterschied aber auch nicht. Als ich vor 4 Jahren die Bilanz der Coba gelesen habe konnte ich nur mit dem Kopf schütteln und habe mich gefragt, wie man dabei als Verantwortlicher noch ruhig schlafen kann, heute weis ich, dass ich nicht hätte ruhig schlafen können. Herr Thiesen hat aber sicherlich trotz Finanzkrise immer einen sehr ruhigen Schlaf gehabt. Ein konservatives Depot-A, keine Derivate, keine strukturierten Anleihen und eine vorsichtige Kreditvergabe machen es möglich!

    MfG,
    der Spielverderber

  • Die Standartparteien schaffen praktisch nichts mehr, nur noch Zeitgewinn, vor allem für die Banken, also die Geldverleiher.Die Piraten haben noch kein klares Konzept, aber besser als keines, was wir zur Zeit in Berlin erleben.Die Idee mit Kerneuropa ist zwar nicht neu, aber besser, als Europa und die Welt durch Deutschland zu retten.Ein Süd- und ein Nord-EURO wäre ein Ansatz dafür.Deutschland führt den Nord-EURO an, Frankreich den Süd-EURO.Wenn der gesamte Balkan, die Türkei und bis zum Kaukasus die EU-Anwärter kommen, dann alle in den Süd-EURO.Keine Transferunion im Nord-EURO.Wenn die Piratenpartei auf diesem Wege wäre,würden sich viele nachdenkliche Deutsche als Wähler anschließen.

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