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Piraten-Vorstand im Interview: „Kein Bankvorstand kann seine Bilanz erklären“

exklusivDie Piratenpartei schärft ihr Wirtschaftsprofil. Wie, erläutert Vorstandsmitglied Schrade. Der Finanzexperte wirbt für ein Kerneuropa ohne Griechenland, für Steuern auf Derivate und will nicht als U-Boot der FDP gelten.

Matthias Schrade, Mitglied im Bundesvorstand der Piraten-Partei. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Matthias Schrade, Mitglied im Bundesvorstand der Piraten-Partei. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt

Finanzanalyst, Unternehmer und – Pirat. Das ist Matthias Schrade. Der 32-Jährige ist genau das, was man sich wohl nicht unter einem Mitglied der Piratenpartei vorstellt. Geschniegelt und gebügelt, mit Anzug und Krawatte erscheint er zum Interview. Er weiß selbst, dass er „anders“ ist und nicht dem Piraten-Klischee entspricht. „Ich bin ja vom beruflichen Hintergrund her auf den ersten Blick der klassische FDP-Typ, wurde anfangs sogar als U-Boot der Liberalen verdächtigt und musste Aufklärungsarbeit leisten, dass dem nicht so ist.“ Und diese Aufklärungsarbeit könnte die Piraten noch weit bringen.

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Zuletzt lag die Partei in Umfragen bundesweit bei 10 Prozent. Die Wähler fühlen sich von etablierten Parteien nicht mehr vernünftig vertreten. Sie wenden sich ab – viele aus Protest. Schrade könnte die Piraten mit seinem Können noch populärer und vor allem noch wählbarer machen. Er könnte die Partei mit seinem Wirtschaftswissen von ihrem Internetfreak-Image befreien. Ehrenamtlich sitzt Schrade im Bundesvorstand der Piratenpartei, sonst ist er Geschäftsführer der Düsseldorfer GSC Research GmbH und auf die Analyse von Nebenwerten an der Börse spezialisiert. 

Im vergangenen Jahr hat er geholfen, seiner Partei im Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen ein Wirtschaftsprofil zu geben und hat einen Teil des Wirtschaftsprogramms mitgeschrieben. Im Interview spricht er über die Euro-Krise und zeigt Lösungsmöglichkeiten auf. Und er skizziert finanz- und wirtschaftspolitische Positionen, die vielleicht auch irgendwann zur Parteilinie werden. Das müssen dann aber schon auch alle wollen, betont Schrade. Denn, sagt er: „Wir sind basisdemokratisch und keine Diktatur.“

Das Interview:

Handelsblatt Online: Wie erklären Sie sich den großen Zuspruch für die Piratenpartei?

Matthias Schrade: Um den Erfolg der Piraten zu verstehen, müssen Sie verstehen, wie wir auf die Bürger wirken. Den Leuten ist es um Welten lieber, wenn sie jemanden treffen, der sich mit ihnen auf Augenhöhe unterhält. Sie wollen nicht mehr mit verklausulierten und ausgefeilten Ausflüchten der etablierten Parteien abgespeist werden. Die meisten von uns waren vorher noch in keiner anderen Partei. Ich habe immer wieder mit dem Gedanken gespielt, in die FDP einzutreten. Ich habe es aber dann gelassen, weil ich keine Lust hatte, mich erst jahrelang hochzudienen und mich irgendwelchen Seilschaften unterzuordnen, um dann etwas bewegen zu können.

Was haben die Piraten, was die FDP nicht hat?

Jeder, der bei uns mitmachen möchte, kann sofort und völlig unbürokratisch mit dem Bundesvorstand oder gewählten Abgeordneten kommunizieren. Jeder kann politische Inhalte einbringen und dem Bundesparteitag zur Abstimmung vorlegen. Das ist nicht wie bei anderen Parteien an Delegierte gekoppelt, die entsandt werden.  Und es gibt auch keine Sperrfristen. Jeder kann sich zu jeder Zeit einbringen.

  • 22.10.2011, 15:12 Uhrjcs

    Wohltuend unaufgeregt.

  • 21.10.2011, 23:38 Uhrtabascoman

    Die Meinung, daß sich die Piratenpartei aus dem Stimmenpool der FDP ernährt trifft erfreulicherweise nicht zu. Die Stimmen zu dieser Ideen-Partei kommen erfreulicherweise aus viel größeren Quellen. Das zeigen alle Untersuchungen über die Wanderungen von Wählerstimmen:

    einmal alle Unzufriedenen mit den "großen Volksparteien!
    Dann ein erheblicher Stimmenstrom von den Grünen.
    Und -für mich am erfreulichsten- viele Stimmen von bisherigen Nichtwählern!

    Insofern ist ein weiteres Wachstum der Piraten absehbar.

  • 21.10.2011, 23:26 UhrKNH

    2013 wird der große Aufstieg für die Piraten !

    Die Betonkopfpartei (CDU ),die Sozen (SPD ),Chaos-Grünen
    (Grünen),2% Partei (FDP)werden ihr Waterloo erleben .

    Das ist die Rache des Volkes gegen diese Parteien ,die uns in die EURO- Katastrophe gebracht haben .

    Das Volk für unmündig erklären u.diese sollen jetzt
    die Casino Schulden zahlen .

    2013 wird in die Geschichte eingehen u. die Gerechtigkeit
    wird siegen .

    Das kommt so sicher wie das Amen in der Kirche .

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