Piratenfraktion im Landtag
NRW-Piraten - gekommen, um zu ändern

Mitte Mai enterten die Piraten den Düsseldorfer Landtag. Nun, nach 55 Tagen an Bord, ist es Zeit für eine erste Bilanz. Werden sie untergehen? Oder wie vor der Wahl versprochen „alles klar machen zum ändern“?
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DüsseldorfEin guter Pirat, der entert und kentert, der nimmt sich was ihm nicht gehört, der hat einen Papagei auf der Schulter und läuft auf Holz. Ein guter Pirat, der säuft und schimpft und lebt eine Leben abseits der Norm. Ein guter Pirat, der trägt ein Tuch auf dem Kopf, tiefe Schatten unter den Augen und einen wilden Bartwuchs im Gesicht.
Ob Lukas Lamla ein guter Pirat ist? Der stellvertretende Fraktionsvorsitzender der Piratenpartei NRW sitzt seit wenigen Wochen im Düsseldorfer Landtag. Rein äußerlich ist Lamla ein guter Pirat, zumindest trägt er einen Bart und die Erschöpfung der letzten Woche haben ihre Spuren in seinem Gesicht hinterlassen. Doch der Rest stimmt nicht. „Ein guter Pirat geht seinen Weg, ohne seine Mitmenschen aus den Augen zu verlieren“, definiert der 29-Jährige.

Am 13. Mai wurde die Piratenpartei in den Düsseldorfer Landtag gewählt. Am 1. Juni nahmen sie an ihrer ersten Sitzung teil. Stolz waren sie, die Piraten, als das Landtagsschiff von ihnen geentert wurde. Die frisch gebackene Nummer zwei der Fraktion, Lukas Lamla, machte ein Foto von diesem Moment. Am nächsten Tag zierte er das Titelbild der Rheinischen Post. „Ich war stolz, klar. Aber ich war nicht der einzige, der Fotos machte. Doch um das Klischee zu bedienen, war ich der Einzige, der am nächsten Tag mit iPhone auf dem Titel war“.
Plötzlich Politiker
Es begann im September 2006 und es begann in Berlin. Die Piratenpartei Deutschland wurde nach Vorbild der schwedischen „Piratparti“ gegründet. Programm, Name und potenzielle Wähler wurden von der skandinavischen Basis importiert. Kernthemen sind das Urheberrecht in Zeiten des Web 2.0 und der Ruf nach mehr Transparenz in der Politik. Dadurch ergaben sich auch Name und Wählerschaft: Piracy, das ist das englische Wort für Raubkopien. Wählen sollen die, die online sind und mitbestimmen wollen.
Die ersten Jahre waren hart. Über lange Zeit dümpelte die Partei mit einem Ergebnis unter einem Prozent der Stimmen durch die Wahllokale zwischen Eckernförde und Oberammergau. Ihre Themen waren nicht gefragt. Das Internet war für die meisten Deutschen ein netter Zeitvertreib – Shoppingmeile, Dating-Portal und Wissensinformant. Die dunkle Seite des Netzes, die seine Benutzer ausspioniert und Daten verkauft, das Urheberrecht verletzt und Shitstorms auslöst – das war lange Zeit kein politrelevantes Thema.

Kommentare zu " Piratenfraktion im Landtag: NRW-Piraten - gekommen, um zu ändern"

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  • wenn ich solche kommentare wieder lese,
    es gibt doch noch richtig wissensferne menschen in Deutschland, so das uns merkel und Co auf jahre erhalten bleiben und das bundesverfassungsrichter nie arbeitslos werden.
    hip hip hurah

  • Sie haben den Artikel gelesen und verstanden:

    ja [ ]
    nein [x]

  • Die Piraten müssen sich nun beweisen, müssen zeigen, dass sie mehr sind als die oft verhöhnte „Ein-Themen-Partei“.(Zitat)
    Immerhin ein Thema scheinen sie ja zu haben. Aufmerksamkeit erregen sie ansonsten nicht gerade. Wenigstens kam bei den Grünen einer mit Turnschuhen an bis auch der dann eine reine wenn auch nicht grüne weiße Weste dafür anzog.
    Bei den Piraten ist das gleich ganz anders, wenn es heißt : „Ohne sich abgesprochen zu haben, erschienen die Piraten allesamt in Hemd und Sakko im Landtag“.
    Nur die Politik der Piraten ist demnach, es gibt keine. Aber das liegt wohl weniger an der Kleidung.

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