Pisa-Aufholjagd Lehrermangel gefährdet Schulreform

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Hessen wirbt mit der „Unterrichtsgarantie plus“: 42 Mill. Euro stehen bereit, damit kein Unterricht mehr ausfällt. Mit dem Geld müssen Schulleiter selbst auf die Suche nach Lehrern gehen. Doch die Kritik ist groß: Denn in der Regel sind die Bewerber keine ausgebildeten Pädagogen. Das Prinzip ist landauf, landab dasselbe: Fast überall werden Lücken mit Spätberufenen oder Seiteneinsteigern gestopft.

Auch Heinz-Peter Meidinger hat als Schulleiter im bayerischen Deggendorf schon „Diplombiologen, Übersetzer und einen Förster“ eingestellt. Unterm Strich „leidet natürlich die Qualität des Unterrichts“, mahnt Meidinger. Das gilt jedoch auch für die Anwärter mit vorgeschriebener Laufbahn: „Mittlerweile werden Bewerber bis zur Note 3,5 akzeptiert, bei Nichtbeamten sogar noch schlechter“, berichtet der DPhV-Chef.

Trotz „abgeräumter Bewerberlisten“ könnten die Kultusminister durchaus mehr Altbewerber einstellen, meint Meidinger. „Von 2004 bis 2006 haben sie 16 000 weniger Bewerber aufgenommen, als die Kultusministerkonferenz selbst prognostiziert hatte“, kritisiert GEW-Chef Thöne. Eine Sprecherin der KMK rät generell, „ein Lehramtsstudium aufzunehmen: Die Situation ist günstig – vor allem wegen der kommenden Pensionierungswelle.“

Hauptschule im Zehn-Prozent-Abseits

Auslaufmodell: Im laufenden Schuljahr besuchen 953 000 Schüler eine Hauptschule – das sind nur noch zehn Prozent der Schüler an allgemein bildenden Schulen, darunter im Westen zwölf Prozent. Seit 2001 hat die Hauptschule fast 15 Prozent der Schüler verloren, meldete das Statistische Bundesamt.

Große Unterschiede: Selbst in Bayern, das die Hauptschule stets pflegte, besuchen sie nur noch 18 Prozent der Schüler. In Baden-Württemberg sind es 14 Prozent, im Saarland hingegen weniger als ein Prozent.

Strukturreformen: Schleswig-Holstein und Hamburg haben das Aus der Hauptschule beschlossen, dort soll es neben dem Gymnasium nur noch eine Schulart geben. Begründet wird das mit sinkenden Schülerzahlen und Vorteilen des gemeinsamen Lernens. Vorreiter waren die neuen Länder: Sie führten die Hauptschule gar nicht erst ein oder schafften sie wieder ab.

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