Pisa-Extrastudie
Schlechte Noten für Mathe-Unterricht und Lehrer

Viele Schüler lernen innerhalb eines Jahres in Mathematik und Naturwissenschaften nichts hinzu. Das ist eine der erschreckenden Kernaussagen einer erstmaligen deutschen Pisa-Nachfolgestudie. Dabei wurden die schwächsten Schüler in der Studie noch nicht einmal berücksichtigt.

HB BERLIN. Verantwortlich sind der Studie zufolge schlechter Unterricht und die Fachlehrer. Als Konsequenz müsse die Lehrerbildung sowie die Unterrichtsqualität dringend verbessert werden, sagten Vertreter der Kultusministerkonferenz (KMK) bei der Vorstellung einer deutschen Pisa-Nachfolgestudie am Freitag in Berlin. Danach lernen etwa 40 Prozent der Schüler in der 10. Klasse im Mathe-Unterricht nichts hinzu, in den Naturkundefächern machen mehr als die Hälfte der Jugendlichen keine Fortschritte.

Die Bundesregierung stufte die jetzt aufgezeigten Mängel in den Schulen als „Besorgnis erregend“ ein. Auch die Studie spricht von einem „dramatisches Ergebnis“ mit Handlungsbedarf. Das Problem sei, dass eine relativ große Schülergruppe in ihren Leistungen stagniere oder sogar absinke, betonte der Leiter des deutschen Pisa- Konsortiums, Prof. Manfred Prenzel. Andere Staaten machten einen besseren Unterricht, sagte er zum miserablen Abschneiden Deutschlands im internationalen Pisa-Vergleich.

Die individuelle Förderung aller Schüler müsse verbessert und ein längeres gemeinsames Lernen ermöglicht werden, sagte Wolfgang Meyer-Hesemann für die SPD-regierten Bundesländer. Eine Überprüfung der Stundentafeln und Lehrpläne sei erforderlich, sagte Josef Erhard für die unionsregierten Länder. Die beiden Amtschefs aus den Kultusministerien von Schleswig-Holstein und Bayern äußerten sich enttäuscht und ratlos darüber, dass trotz jahrelanger Reformbemühungen in Mathematik nach der TIMS-Studie 1997 rund 80 Prozent der Lehrer die Debatten unbekannt seien. „Das ist nicht sehr schmeichelhaft für den Berufsstand“, sagte Meyer-Hesemann.

Für die deutsche Sonderstudie wurden 4353 Schüler in 194 Klassen verschiedener Schulformen – ohne die Hauptschule – am Ende des 10. Schuljahres erneut in Mathematik und Naturwissenschaften getestet, die auch schon als Klassenverband am Ende der 9. Klasse an Pisa 2003 teilgenommen hatten. Die Zusatz-Studie sollte über die Lernzuwächse der 15-Jährigen in einem Schuljahr sowie Bedingungen für Lernen informieren. Daher wurden auch Eltern und Lehrer befragt.

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