Pisa-Reaktionen
„Zu viel dümmliches Stammtischgerede über Lehrer“

Während Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) angesicht der neuen Pisa-Ergebnisse meint, Deutschland sei dem Ziel der Bildungsrepublik ein größeres Stück nähergekommen, hagelt es vom Lehrerverband Kritik – an der Politik und an den so genannten Bildungsexperten.
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dne/HB BERLIN/DÜSSELDORF. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Josef Kraus, hat sich mit scharfen Worten gegen die Behauptung des Chefs der Pisa-Studie, Andreas Schleicher, verwahrt, die Auswahl der Lehrer in Deutschland sei verbesserungsbedürftig. „Herr Schleicher hat mal wieder keine Ahnung vom deutschen Schulwesen und seinen wirklich unbewältigten Herausforderungen“, sagte Kraus Handelsblatt Online. „Wir haben nicht in erster Linie ein Problem mit der Auswahl geeigneter Lehrer, sondern zunächst damit, dass in vielen Fachbereichen, etwa naturwissenschaftlichen und technologischen Fächern, zu wenig junge Leute überhaupt Lehrer werden wollen.“

Hier hat nach Kraus' Überzeugung einerseits die Personalplanung der 16 Kultusminister versagt. „Andererseits haben wir in Deutschland zu viel dümmliches, auch von Politikern und sogenannten Bildungsforschern verbreitetes Stammtischgerede über Lehrer“, sagte der Verbandschef. Mit Blick auf den Pisa-Leiter fügte Kraus hinzu: „Die Lehrerbeschimpfungen eines Herrn Schleicher fördern nicht unbedingt die Bereitschaft engagierter junger Leute, Lehrer werden zu wollen. Herr Schleicher sollte außerdem aufhören, Finnland zum gelobten Schulland hochzujubeln.“ Dass dort die Quote arbeitsloser Jugendlicher mehr als doppelt so hoch sei wie in Deutschland, sei nicht unbedingt ein Ausweis eines hervorragenden Bildungssystems.

Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) erklärte indessen, die Qualität des deutschen Bildungssystems sei besser geworden, was vor allem ein Verdienst der Lehrer sei. Es müsse aber noch mehr getan werden. Sie schlug einen Drei-Punkte-Aktionsplan vor. Die Programme zur Leseförderung müssten weiterentwickelt werden. Nötig seien auch Bildungsketten bis zum Berufsabschluss und lokale Bildungsbündnisse um Schulen herum.

Der jüngste Pisa-Test ergab, dass die Lesefähigkeit der 15- jährigen Schüler in Deutschland spürbar besser geworden ist. Seit dem Jahr 2000 sei Deutschland von 484 auf 497 Pisa-Punkte gestiegen. Der Abstand zu den Spitzenländern ist nach Ansicht der Pisa-Macher aber nach wie vor beträchtlich. Bei Mathe gibt es große Fortschritte.

„Wir haben jetzt mehr Gleichheit in unserem Bildungssystem als vor zehn Jahren“, sagte der Sprecher der deutschen PISA-Forscher, Eckhard Klieme. Die Unterschiede sozialer Herkunft hätten sich deutlich verringert. Der Anteil schwacher Leser sei von 22,6 Prozent auf 18,5 Prozent gesunken, die Quote ganz schwacher Leistungen habe sich nahezu halbiert von zehn auf fünf Prozent. Vor allem Schüler mit ausländischen Wurzeln hätten sich beim Lesen verbessert.

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  • ... richtig Frau Steer...

    diese ganze Diskussion ist mehr als überflüssig.. ich kann mich noch an eine Geschichte von vor Jahren erinnern... da wurde fast vier Wochen in der bXXX Zeitung diskutiert, ob Mädchen bauchnabelfrei zur Schule gehen dürfen..

    Tja anscheinend gibt es immer noch keine wichtigeren inhalte bei vielen unserer Schülern...

    Wieder etwas zur Wahrheit in diesem Lande.. Uns fehlen überhaupt keine Fachkräfte, wir müssen es nur mal schaffen, das 50% der "Halbaffen" die heute die Schulbank verlassen alleine Lebens- und Arbeitsfähig sind! Dort liegt das Problem...

    jeder der jetzt anfängt zu schimpfen... ich habe drei Neffen... mit keinem kann man eine ernste Unterhaltung führen...und keiner könnte für mich Arbeiten (zu blöd)

    Was mich Wahnsinnig macht ist dieses Geschwafel mit dem hier die Menschen verdummt werden..

    Wann hört das mal endlich auf???????

  • wir sind ein trauriges erbärmliches Land gerworden, wo dümmliche Pisa-Studien eines Herrn Schleicher, der sich offenbar selbst zum Experten erhoben hat, Maßstab aller Dinge sind.
    Und was soll der Vegleich ständig mit Finnland?
    Finnland hat seinerzeit das DDR-Schulsystem übernommen
    in unseren Schulen muß wieder mehr Ordnung und Disziplin rein, gute Lehrer und vor allem mehr männliche Lehrkräfte und dann klappt es auch wieder.
    Kinder müssen bei allem Fortschritt, Aufklärung und Moderne auch wieder lernen, dass ein Lehrer eine Respektsperson ist.
    Handys haben mal gar nichts im Unterricht zu suchen, da fängt es an, das wäre Sache von Schulleitern. Kapuzen auf dem Kopf ebenfalls nicht.
    Wenn das alles mal wiedr begriffen wird, klappt es auch wieder mit dem lernen.
    Und SAchüler mit 13, 14 Jahren haben auch nicht schon knutschend auf Schulhöfen rum zu stehen.
    Notfalls muß man mal für eine Weile zur Trennung Mädchen-Jugnesn zurück.
    Der Unterricht würde wahrscheinlich ruhiger, besonders in den mittleren Stufen.
    bei uns ist alles ein wenig sehr ausgeartet, weil über viele Jahre linke Kuschelpädagogik und Antiautorität gefahren wurde.
    Und aus den Grundschulen muß endlich ebenfalls die Kuschelpädagogik verschwinden.
    Und das Einordnen der Kinder nach den berufen der Eltern. Manch arme Kind ist um Längen klüger als das verhätschelte Zahnarztsöhnchen.
    Lehrer müssen wieder mehr Pädagogen werden und nicht nur Fachlehrer.
    Und ich möhte in den Schulen wieder mehr Allgemeinwissen.
    Eine gurndlegende humanistische bildung muß wieder her.
    Es ist nicht immer eine Frage des Geldes, die Dinge wieder gerade zu rücken. Es ist eine Sache des Wollens.
    Notfalls muß für den Lehrerberuf auch eine Männerquote her, denn die Verweiblichung der Schulen hat unsren Kindern nicht gut getan und tut ihnen nicht gut.
    Aber solche dämlichen Pisa-Studien, die nur wieder Steuergeld kosten, braucht kein Mensch

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