Pisa-Studie Benachteiligte Schüler in Deutschland holen auf

Es schien lange fast wie ein Naturgesetz: Soziale Herkunft ist in Deutschland entscheidend für den Schulerfolg. Jetzt zeigt eine neue PISA-Studie, dass Benachteiligte nicht abgehängt bleiben müssen.
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Pisa-Studie: Benachteiligte Schüler in Deutschland holen auf Quelle: dpa
Neue Pisa-Studie

In Deutschland bieten laut OECD vor allem Ganztagsschulen geeignete Angebote für sozial benachteiligte Schüler über den Unterricht hinaus.

(Foto: dpa)

Berlin Sozial benachteiligte Schüler haben laut einer neuen PISA-Studie in Deutschland deutlich aufgeholt. Nach nur jedem vierten betroffenen Schüler im Jahr 2006 erzielte 2015 fast jeder dritte dieser Schüler (32,3 Prozent) solide Leistungen, wie OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher am Montag in Berlin sagte. Der Anteil der gut abschneidenden Schüler mit schwieriger sozialer, wirtschaftlicher Ausgangslage sei so stark gewachsen wie in kaum einem anderen Land der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Fast 20 Jahre nach dem PISA-Schock 2001 wegen unterdurchschnittlicher Leistungen und sozialer Ungerechtigkeit an Deutschlands Schulen lässt das Ergebnis aufhorchen. Dennoch bleibt Deutschland bei der Chancengleichheit laut Studie noch immer unter dem OECD-Schnitt. „Der soziale Hintergrund ist immer noch eine Barriere“, sagte Schleicher.

An den PISA-Ergebnissen lasse sich klar erkennen, wie mehr Aufstiegsmöglichkeiten für benachteiligte Schüler geschaffen werden könnten. Positiv hätten mehr Ganztagsschulen gewirkt, die Zusammenführung von Haupt- und Realschulen und somit eine bessere soziale Mischung, mehr frühkindliche Bildung an Kitas und eine stärkere Förderung von Schülern mit Migrationshintergrund. „Diesen Weg müssen wir weitergehen“, sagte Schleicher.

„Es ist der letzte abfahrende Zug“, mahnte Schleicher. Die Politik müsse nach dem PISA-Schock eingeleitete, dann abgeflachte Verbesserungen weiterführen. „Die Menschen, die an einer guten Erstausbildung scheitern, haben später kaum noch Chancen.“

Zentral seien ein positives Schulklima mit stabilen Lehrerkollegien ohne viele Wechsel, mit motivierendem Leitungsstil, mit einem Klima des Zusammenhalts, sagte Schleicher. Der OECD-Bildungsdirektor forderte, die Lehrer müssten Zeit bekommen, sich um unterschiedliche Lernbedürfnisse einzelner Schüler und Schülergruppen zu kümmern. Schüler müssten ihre Talente und Schwachstellen auch außerhalb des eigentlichen Unterrichts im Rahmen von Ganztagsangeboten fördern und angehen können.

Klassengröße und technische Ausstattung seien für sich genommen keine Ursachen für bessere Lernbedingungen. „Auch die Anzahl der Computer, der Tablets sagt sehr wenig über das Arbeitsklima aus“, sagte Schleicher. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte zum Start der Koalitionsverhandlungen vor allem das Ziel einer Digitalisierung der Schulen hervorgehoben.

Sebastian Gallander, Geschäftsführer der Vodafone-Stiftung, die die Studie mitinitiiert hatte, rief Union und SPD auf, ihre Ankündigung umzusetzen, die Bildungschancen im Schulterschluss von Bund und Ländern zu verbessern.

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2 Kommentare zu "Pisa-Studie: Benachteiligte Schüler in Deutschland holen auf"

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  • Es gibt keine Chancengleichheit, die der Staat bewerkstelligen koennte. Das Elternhaus (und
    das ist nicht notwendigerweise Geld) hat einen sehr starken Einfluss. Aber in Deutschland
    muss heute niemand aus Geldmangel auf ein Studium verzichten. Und auch frueher konnte
    man alles erreichen, wenn man den Willen und Talent hatte. Beispiel Gerhard Schroeder.

  • Aus mir ist doch auch was geworden, immerhin schreibe ich jetzt Kommentare.

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