Pisa-Studie
Note: 3+

Erst Pisa-Schock, nun gutes Mittelmaß: Die Note für deutsche Schüler ist befriedigend. Doch dass ihr Wissen in Mathematik & Co. besser geworden ist, wundert Wissenschaftler nur wenig. Sie kritisieren die Studie.
  • 8

DüsseldorfDie gute Nachricht: Deutschlands Schüler können sich beim Pisa-Test im Mittelfeld nicht nur halten, sondern sogar leicht verbessern: Beim Mathematik-Können, das dieses Mal hauptsächlich geprüft wurde, erzielten die Schüler 20 Punkte mehr als der OECD-Durchschnitt, das entspricht einem Vorsprung von etwa einem halben Schuljahr gegenüber Schülern anderer Industriestaaten. Insgesamt gilt für Deutschland: In Mathe, Naturwissenschaften, im Lesen und Textverständnis waren die Schüler ein wenig besser als der weltweite Durchschnitt. Und es gibt eine weitere gute Nachricht: Auch die Zahl der leistungsschwachen Schüler ging in Deutschland leicht zurück. Das Fazit. Deutsche Schüler bekommen die Note befriedigend plus.

Doch obwohl der Schnitt ganz gut aussieht, gibt es eine deutliche Schere beim Wissen – und zwar zwischen den Geschlechtern. Jungen sind in Deutschland mit ihren Mathe-Fähigkeiten gleichaltrigen Mädchen im Schnitt ein knappes halbes Schuljahr voraus. Der Vorsprung der Jungen hat sich im Vergleich zu früheren Pisa-Tests sogar noch vergrößert. Mädchen sind generell der Mathematik gegenüber negativer eingestellt. Ihr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist geringer, ebenso ihre Motivation und Lernausdauer. Doch das ist nicht das einzige Problem, das die Untersuchung aufwirft. Denn nicht nur die Leistungen sind bei Mädchen schlechter, auch deren Einstellung zum Fach ist negativer.

Die Studie zeigt auch: Noch immer können rund 18 Prozent der Schüler nur einfache Matheaufgaben lösen. Zwar lag der Anteil der schwachen Matheschüler 2003 noch bei 22 Prozent. Doch der Anteil ist immer noch hoch. Gleich geblieben ist dagegen der Anteil der Mathe-Asse: 17 Prozent der Schüler in Deutschland sind in der Lage, strategisch zu denken und Modelle für die Lösung komplexer Aufgaben zu finden – im OECD-Durchschnitt sind es nur 13 Prozent.

Pisa ist der weltweit größte Schulleistungstest. Die Abkürzung steht für „Programme for International Student Assessment“. Ausgerichtet wird Pisa von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris. Getestet werden 15- bis 16-jährige Schüler. An der jüngsten Untersuchung im Frühjahr 2012 nahmen etwa 510.000 Heranwachsende aus 65 Nationen teil. Dazu zählen die 34 in der OECD zusammengeschlossenen wichtigsten Industrienationen sowie ihre Partnerländer und weitere aufstrebende Wirtschaftsregionen, vor allem in Asien. So repräsentieren die Teilnehmerstaaten über 80 Prozent der Weltwirtschaft. In Deutschland machten diesmal rund 5000 Schüler aus 228 Schulen mit.

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  • Der Lehrer zeigt der Klasse ein Bild der Kanadischen Flagge und fragt: „Von welchem Baum stammt das Blatt?“ Keines der Kinder weiß es, er hilft: „Der Name des Baumes fängt mit A an. Nun, dämmerts?“ „Ja, klar“ ruft ein Schüler: „Die Aiche.“

    Meine chinesische Bekannte sagt zu Pisa und den Ergebnissen aus Fernost: „Laßt euch von den Asiaten nicht einschüchtern, die lernen alles auswendig und halten das für Wissen. Ich bin froh, daß unser Junge hier zur Schule geht und lernt selbständig zu denken.“

    Leider hat sich dieses auswendig lernen schon bis in unsere Gymnasien verbreitet.
    Was unsere Schulkinder betrifft und zwar alle, wird sich in 3 Jahren zeigen, wenn die Inklusion ihre Früchte trägt. Ich bedaure schon heute die Eltern, die ihre Kinder in so einer Schule unterrichten lassen müssen, weil ihnen Alternativen verwehrt sind.

    In unseren Schulen wird nichts mehr vermittelt, was mit dem näheren Umfeld zu tun hat. Zu viele Kinder kennen z.B. keine Obst- und Gemüsesorten, Pflanzen und Tiere in ihrem Lebensumfeld. Sie lernen nicht zu denken und selbst Lösungen zu erarbeiten. Die Gleichmacherei in den SPD-Schulen wird fortgeführt und zur weiteren Verblödung der Schüler führen, denn pfiffige Schüler stören die Einfalt in der Schule, jedenfalls in zu vielen. Viele Kinder können nicht einmal richtig Deutsch, wenn sie eingeschult werden und die Kultusbürokraten schwadronieren davon, schon in der Grundschule mit Fremdsprachen zu beginnen. Nur, wer kein ordentliches Fundament hat, hat auch nichts worauf er bauen kann.

    Dem Kommentar von VHSchmidt stimme ich zu, die Absolventen der Laberfächer haben derzeit die Deutungshoheit.

  • VHSchmidt liegt hier richtig. 3,4,5 Sprachen zu beherrschen oder dies zu glauben ist bzw. wird ueberbewertet bzw. Ist eigentlich nicht moeglich. Wie ich artikuliere (sowie die inhaltslosen Worthuelsen der meisten Politiker) ist meist wichtiger, wie das was. Dumm nur, das viele diesen Umstand nie kapieren werden.
    Genauso die Studie. DUSSELDORF; schoen. Aber mal an Offenbach oder Hanau, Duisburg, Dortmund -ich mach's konkreter- Berlin-Kreuzberg gedacht. Viele koennen auch (fast zwei Sprachen). DIE Studie wuerde hier an den meisten Schulen die Wirklichkeit aufdecken. Und das will doch keiner, oder? Das klingt doch fast wie Sarazin. Na und. Wenn es doch so zum grossen Teil ist, so sollte es man(n) auch benennen koennen. Aber da fallen... sagte ich doch! Und das mitten in Europa.

  • Bei internationalen Organisationen wie OECD und EU gilt als hochintelligent, wer möglichst viele Fremdsprachen beherrscht.

    Es gibt nur wenige Menschen, die für Naturwissenschaften bzw. Technik und Sprachen gleichzeitig hochbegabt sind. Und die können sich erfüllteres Leben vorstellen, als sich hochbezahlt in der OECD oder EU mit Kollegen abzugeben, deren einzige Begabung es ist, dummes Zeug in mehreren Sprachen ausdrücken zu können.

    Wozu führt das? Ein Clique von Sprachbegabten hält sich für auserwählt, weil sie von OECD oder EU bevorzugt eingestellt werden und anders Begabte das Nachsehen haben.

    Da sie sich für hochintelligent halten und sich selbst darin bestärken, maßen sie sich an, in allen Gebieten,
    wie Technik, Naturwissenschaften, Betriebswirtschaft zu entscheiden. Sprachlich weniger begabte Naturwissenschaftler oder Betriebswirtschaftler haben kaum Einfluß und werden notfalls zugeschwätzt.

    Tja und solche Leute machen dann EU-Verordnungen, Pisa-Tests und sonstigen Politmüll.

    Demnächst werfen sie Deutschland noch vor, wir würden zuviel exportieren, weil wir die Mengen nicht richtig
    berechnen können;-)

    Asiatische Duckertum mit Fleißkärtchen ist eh besser zu regieren als europäisches selbstständiges Denken.

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