Pisa-Test
Deutsche Schüler machen Fortschritte

Der erste Pisa-Vergleich stellte deutschen Schülern ein vernichtendes Zeugnis aus. Im vierten internationalen Schülertest macht Deutschland jetzt leichte Fortschritte. Das gilt besonders für naturwissenschaftliche Fächer wie Mathematik, Physik und Chemie.
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BERLIN. Offiziell werden die mit Spannung erwarteten Pisa-Ergebnisse erst am morgigen Dienstag vorgestellt. Doch schon jetzt ist klar: Deutschland hat sich nur leicht verbessern können, und auch nur in den Naturwissenschaften. Das bestätigten Bildungspolitiker dem Handelsblatt. Damit liegen die deutschen 15-Jährigen zehn Jahre nach dem ersten Test, der damals den Pisa-Schock auslöste, noch immer deutlich hinter den Pisa-Spitzenländern wie Finnland oder asiatischen Staaten.

Der Koordinator der OECD-Studie, Andreas Schleicher, hatte der deutschen Bildungspolitik im Vorfeld dennoch "Riesenfortschritte" bescheinigt. Früher habe er in seinem Heimatland Empörung ausgelöst, wenn er Bildungsangebote schon im Kindergarten vorschlug, sagte er der "Zeit". Heute ist die Notwendigkeit frühkindlicher Bildung auch hierzulande Allgemeingut.

Massive Verärgerung hatte Schleicher vor allem bei der Union mit dem Plädoyer für längeres gemeinsames Lernen und der Auflösung des dreigliedrigen Schulsystems ausgelöst. Er hatte dies stets damit begründet, dass gerade in Deutschland die soziale Selektivität des Systems so hoch ist wie in keinem anderen Industrieland. Nun zeigte er sich erfreut, dass sich langsam, aber sicher das Zweisäulenmodell durchsetze. Viele Länder haben in den vergangenen Jahren Haupt- und Realschulen zusammengelegt. Ein Grund ist auch, dass sonst viele Standorte wegen fehlender Schüler geschlossen werden müssten.

Das mittelmäßige Abschneiden deutscher Schüler beim ersten OECD-Test im Jahr 2000 hatte zu vielerlei Reformen geführt, der Bund gab vier Milliarden für ein Ganztagsschulprogramm aus. Der Streit ums Geld für die Bildung hat sich jedoch eher noch verschärft: Einen Kompromiss mit den Ministerpräsidenten fand auch Bundeskanzlerin Merkel auf mehreren "Bildungsgipfeln" nicht. Die Länder fordern einen größeren Teil von der Umsatzsteuer, was Angela Merkel ablehnt.

Bei der dritten Pisa-Studie 2006 hatten die deutschen 15-Jährigen erstmals in den Naturwissenschaften überdurchschnittlich abgeschnitten. In Mathe und Lesen dagegen gab es nur minimale Fortschritte, hier lag Deutschland erneut im Mittelfeld.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin

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