Experte sieht Kassen aus Karlsruhe gestützt

PKV gegen GKV
Experte sieht Kassen aus Karlsruhe gestützt

Der Ruf von Verbandschef Laue nach niedrigeren Hürden für den Wechsel in die private Krankenversicherung kommt nicht überall gut an. Nicht nur GKV-Vertreter lehnen dies ab, auch Politiker und Experten sind skeptisch.
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BerlinDie privaten Versicherer würden gerne die Einkommensgrenzen in der Krankenversicherung senken, um mehr gut verdienende Angestellte in die PKV zu locken. Das hat der neue Chef des Verbandes der privaten Krankenversicherung (PKV), Uwe Laue, in einem Interview mit dem Handelsblatt gefordert.

Dagegen leisten nicht nur Politiker und Krankenkassen großen Widerstand, schließlich würde das gesetzliche System besonders gut zahlende Kunden verlieren. Auch die Verfassungsrichter könnten ein Wörtchen mitreden. Darauf weist der führende deutsche Gesundheitsökonom Jürgen Wasem im Gespräch mit Handelsblatt Online hin.

Zur Versicherungspflichtgrenze habe das Bundesverfassungsgericht bereits 2004 ausgeführt: „Gemessen an den versicherten Risiken dürfte der Kreis der Schutzbedürftigen mit der Versicherungspflichtgrenze eher zu eng als zu weit gezogen sein.“ Damals lag die Versicherungspflichtgrenze bei gut 46.000 Euro Jahreseinkommen, heute liegt sie bei 52.200 Euro. Nur wer als Angestellter mehr im Jahr verdient, darf in die PKV.

Zum Wahlrecht zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung für besserverdienende Arbeitnehmer führten die Richter damals weiter aus: Die GKV benötige „zur Erfüllung ihrer Aufgaben auch diese besonders leistungsfähigen Versicherten“, die nämlich „wesentlich zu einem sozialen Ausgleich beitragen“.

Damit ist aus der Sicht des Gesundheitsökonomen Wasem alles Wesentliche gesagt: „Wenn sich der Gesetzgeber entscheidet, die soziale Absicherung im Krankheitsfall über die Etablierung einer GKV, die mit einkommensabhängigen Beiträgen finanziert wird, zu organisieren, dann muss er auch dafür sorgen, dass in dieser GKV hinreichend viele Versicherte mit höheren Einkommen versichert sind“, erklärte Wasem gegenüber Handelsblatt Online.

Eine Absenkung der Versicherungspflichtgrenze würde dazu führen, dass viele gesunde, kinderlose Versicherte, die in der GKV Nettozahler sind, in die PKV abwandern würden. „Das untergräbt das Finanzierungsprinzip der gesetzlichen Krankenversicherung“, warnt Wasem. Die Folge in der GKV seien steigende Beiträge oder Leistungskürzungen.

Kommentare zu "Experte sieht Kassen aus Karlsruhe gestützt"

Alle Kommentare
  • Was die PKV will?
    Das weiß der Herr Gesundheitsminister sehr genau: weg von der solidarfinanzierten Gesundheitsvorsorge hin zur für die PKV kapitalerweiternden vollkommenen Ausplünderung von Versicherten, damit der stakeholder-value bei Schwerstkranken sich für die PKV rechnet.

    Die guten (Versicherungsrisiken) in Kröpfchen und die "schlechten", nämlich Kranken ab, in die Sozialsysteme oder in das, was der Herr Bahr davon übrig gelassen haben wird.

  • Uwe Laue sagte:
    "KV nur für "besonders Schutzbedürftige"

    Wie wäre dann der Vorschlag, wenn z.bsp. PKV Rentner mit 1500 € Rente und 800 € PKV Beitrag unter die Schutzbedürftigkeitsregel fallen würden.
    Wenn man immer von Einzelfällen spricht wäre es doch gerecht, wenn der PKV Beitrag einen bestimmten % Satz des Monatseinkommens nicht überschreiten darf.
    Auf der einen Seite redet man von Pflichtgrenzen um überhaupt in die PKV zu gelangen, auf der anderen Seite will man bei Personen über 55 nichts von Grenzen hören, und bindet diese Personen an die PKV.
    Wie ist denn das ganze hinsichtlich Gleichbehandlung, Menschenrechte, Verfassung eigentlich vertretbar.

    Kann man eine Zugehörigkeit zu einer Krankenversicherung sei es GKV oder PKV eigentlich von Einkommen abhängig machen.
    Muss man nicht jeden aufnehmen müssen, der eine Versicherung bezahlen kann.
    Muss man nicht jede Versicherung mit Einhalt einer Kündigungsfrist beenden können.
    Kann man einen Menschen dazu drängen in einer Versicherung zu bleiben PKV obwohl man mit einer Mindestversorgung zu bezahlbaren Preisen zufrieden wäre, diese Leistung aber nicht angeboten wird.
    Ist es haltbar dass Altersrückstellungen verfallen bei Versicherungswechsel.
    Muss die PKV nicht Tarife anbieten bei denen ein Arzt das gleiche Honorar wie bei der GKV erhält, und Ärzte behandeln müssen, ohne Ablehnung.
    Ist das ganze System nicht einfach undurchschaubar und auf Willkür aufgebaut.
    Anstatt Notlagentarife in der PKV zu schaffen, Beitragsrückstände zu erlassen, sollte GKV und PKV einen Mindesversorgungstarif anbieten für Personen die sich nicht mehr leisten können oder wollen. Genau so müssten beide Zusatzleistungen anbieten dürfen.

    So langsam überzieht die PKV ihre Forderungen und Ansprüche.
    Es wäre an der Zeit wenn Bundesverfassungsgericht, Politik, Verbände wie VDK etc. die Rechte von wechselwilligen PKV Versicherten stärken und unterstützen würden.

  • nach 20 Jahren Erfahrung in der PKV kann ich nur JEDEM abraten, die gesetzlichen Krankenkassen zu verlassen.
    in den PKv sind ausnahmlose unfähige kriminelle Abzocker am Werk. Über die im Artikel beschriebenen Abwehrmassnahmen hinaus, leisten sich die PKV Unternehmen auch ggü. ihren Versicherten gesetzeswidrige Schikanen bei der Erstattung von Arztrechnungen und bei Tarifwechseln. Das einzige was für die PKV zählt, ist Ergebnismaximierung zu Lasten der Versicherten. Nur wer sich ab Eintritt in die PKV einen kompetenten Anwalt leisten kann, der in der Lage ist, sich mit den Betrügern der Pkvs herumzuschlagen, sollte überhaupt über diesen Schritt nachdenken. Besonders hervorzuheben unter den rabenschwarzen Schafen ist die Bayerische Beamtenkrankenkasse. Was die glauben, sich alles leisten zu können, ist sensationell.

  • "Wie wäre dann der Vorschlag, wenn z.bsp. PKV Rentner mit 1500 € Rente und 800 € PKV Beitrag unter die Schutzbedürftigkeitsregel fallen würden."
    Dafür hatte er sehr niedrige Beiträge in jungen Jahren. Die Steigerungen kennt doch jeder!
    ich bin gegen jegliche Rückkehrmöglichkeit aus PKV in GKV. Oder eben bei Nachzahlung der der GKV entgangenen Beiträge!

  • Oder aber eine Art "Ablöse", die die PKV'n den GKV'n bei Riskioabwälzung gegenüber zu leisten hätten.

  • Gott sei Dank glaubt man den neoliberalen Lockrufen zur Privatisierung nicht mehr so leicht,und läßt sich weder in wertlose private Altersvorsorge,noch in die verhängnisvolle Kostenfalle und Destabiliesierung der gesetzlichen Krankenkassen locken.

  • Die Reaktionen der Gesetzlichen Kassen zeigen doch nur zu deutlich, dass Sie gar keinen weiteren Wettbewerb wollen!

    Am liebsten schön ruhig ohne PKV ein EINHEITLICHER, staatlich kontrollierter Krankenkassenmarkt. Staatsmedizin je nach Kassenlage. Wissenschaftlicher Fortschritt, Indivdualmedizin und Spezialisierung wird einfach wegrationalisiert.

    Die Politik bestimmt je nach Kassenlage was für die Bürger gut ist und was nicht.

    Die Aus- und Weiterbildung der Ärzte wird stärker über Bundesmittel finanziert und ist dann abhängig von konjunkturellen Entwicklungen bei Abbau von Eigenverantwortung.

    Die Orientierung an Einkommen und Steuern macht abhängig von der Konjunktur. Hinzu kommt die gesetzlich verankerte Schuldenbremse. All das gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands.

    Eine Bürgerversicherung löst keines der Probleme im Gesundheitswesen. Siehe England und Niederlande.

  • Für die jungen Gutverdiener ist der Wechseln die PKV sicherlich reizvoll - vorausgesetzt man hat bis zur Erreichung der Renten- Altersgrenze auch immer einen gut bezahlten Job sowie ein auskömmliches Altersruhegeld.
    Der Pferdefuss ist nämlich, daß dann der Arbeitgeberanteil wegfällt und dann sieht, ein längeres Leben vorausgesetzt, der angebliche Vorteil der PKV schon sehr viel anderes aus. Der PKV-Beitrag hat bei mir den größten Ausgabenanteil meiner Durchschnittsrente- aber nur durch die Firmenrente komme ich über die Runden.
    Fatal wird es, wenn man nach dem 55. Lebensjahr aus dem Beruf "ausgeschieden" wird, und die Rückkehr in die GKV aufgrund des Alters verwehrt wird- so wie bei mir geschehen

    Da propagierten "Mehrleistungen" so auch nicht mehr vorhanden sind- auch die PKV streicht fröhlich in ihrem Leistungskatalog und hat wenig Präventionsangebote- kann ich nur jedem dringend abraten sich bei einer PKV zu versichern. Ich habe von meiner PKV nur einmal im Jahr etwas gehört, nämlich dann,wenn die Beitragserhöhung geschickt wurde. Nach mehr als 40 Beitragsjahren bei der PKV würde ich nach den gemachten Erfahrungen die GKV niemals wieder verlassen.
    Und im übrigen, auch GKV-Versicherte leben noch......

  • "BerlinDie privaten Versicherer würden gerne die Einkommensgrenzen in der Krankenversicherung senken, um mehr gut verdienende Angestellte in die PKV zu locken. Das hat der neue Chef des Verbandes der privaten Krankenversicherung (PKV), Uwe Laue, in einem Interview mit dem Handelsblatt gefordert." - so wie sie diese Aussage treffen ist Sie nicht korrekt, sondern stellt die Interpretation einer Aussage dar.

    Meine Einstellung zum PKV/GKV Thema ist mittlerweile bekannt. Wir brauchen beide Arten der Krankenversicherung, damit zum einen jeder ein gewisses Maß an Wahlfreiheit hat und um einen gewissen Wettbewerb zu erzeugen.
    Die Frage ist ob hier die gesetzlichen Regularien in einigen Fällen zu eng bzw. Zu weit gefasst sind.
    Probleme die die Teilhaber an der Gesundheitsdebatte leider nicht konstruktiv angehen, sondern einfach immer nennen um dem anderen Lager zu Schaden sind z.B. Mitnahme von Alterungsrückstellungen, Steuerliche Quersubventionierung der GKV, Ausuferung von Billigtarifen, Einheitsbeitrag für GKV (Wettbewerb?), keine gesetzlichen Mindeststandards in der PKV, Steuerzahlung auf die Kapitalgewinne für die Alterungsrückstellungen, Ausufernde Preise für Medikamente, Unnötige Operationen zu Lasten aller usw.

    Ich wünsche mir, dass sich endlich mal an einen Runden Tisch gesetzt wird und die Entscheidungsträger sich dazu durchringen miteinander zu sprechen um LÖSUNGEN zu finden!
    Aufhören das Thema Gesundheit als populistisches Medium (Wahlkampf lässt Grüßen) zu missbrauchen. Gerade die Medien (auch das Handelsblatt) lassen sich nur zu leicht auf diese inobjektive und nicht lösungsorientierte Maschinerie ein.

  • Einheitliches System für alle!

    Wer mehr will, soll draufzahlen. Sei es, für private Zusatzabsicherung oder Selbstzahlung von Zusatzleistungen.

    Die PKV in der heutigen Form beschleunigt den Niedergang des Gesundheitssystems meines Erachtens unnötig.

    Im Alter werden viele Versicherungsnehmer ohnehin private Krankenversicherungsleistungen in Anspruch nehmen, welche in etwa dem Niveau der gesetzlichen Krankenkassen entsprechen.

    Und wenn dem Bund und den Ländern etc. am besonderen Wohle seiner Bediensteten gelegen ist, übernimmt die jeweilige Institution eben die Zusatzabsicherung.

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