Pkw-Maut beschlossen

Autofahrer, stellt Euch nicht so an!

Das Kabinett hat die Einführung der Pkw-Maut beschlossen. Doch die Diskussionen werden noch lange kein Ende nehmen. Warum Deutschland endlich auf Autobahnen und Bundesstraßen eine echte Maut einführen sollte.
27 Kommentare
Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.

Wieder einmal scheint in Deutschland die Welt unterzugehen. Wieder ist eine Glaubensfrage entbrannt, in der es am Ende um Leben und Tod gehen könnte. Wieder einmal scheint unsere Demokratie in Gefahr, wenn die Politiker diese ungeheuerliche neue Abgabe tatsächlich einführen würden.

Worüber reden wir überhaupt? Ja, es ist dieses leidige Thema, die neue Pkw-Maut. Und worum geht es dabei? Es geht um diese ziemliche lächerliche Zusatzbelastung von 100 Euro pro Jahr, damit endlich auch die ausländischen Autofahrer zur Finanzierung der deutschen Straßen herangezogen werden können.

Wie viel sind 100 Euro, die die Maut voraussichtlich pro Jahr kosten wird? Wegen des massiven Ölpreisverfalls ist der Benzinpreis in den vergangenen zwei Jahren um ungefähr 30 Cent pro Liter gefallen, macht pro Tankfüllung durchschnittlich 20 Euro. Mit fünfmal Tanken ist das Geld für die neue Maut also schon wieder drin. Eine gewaltige Belastung sieht anders aus.

Eine andere Beispielrechnung: Die durchschnittliche Kilometerleistung eines Autos liegt in Deutschland bei etwa 15.000 Kilometern pro Jahr. Das Finanzamt erkennt als Aufwand für den gefahrenen Kilometer als Pauschale 30 Cent an. Die vollen Kosten dürften in Wahrheit eher bei 40 bis 50 Cent liegen, also im Jahr bei mindestens 6000 Euro. Was sind 100 Euro Zusatzaufwand in Relation dazu?

Maut für europäische Gleichheit und Gerechtigkeit
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27 Kommentare zu "Pkw-Maut beschlossen: Autofahrer, stellt Euch nicht so an!"

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  • Eine Kleinigkeit habe ich vermisst. Unser Finanzminister hat ganz heimlich, still und leise vor sich hin geräuspert und dabei erwähnt, dass Maut und KFZ-Steuer voneinander entkoppelt sind. In der Praxis bedeutet dies: Die größte Hürde, nämlich die Einführung der Maut, ist genommen. Lange wird sie auf dem Niveau nicht bleiben, was man am Beispiel der LKW-Maut sieht. Am Ende wird hier für jeden Autofahrer eine zusätzliche Belastung in ungeahnter Höhe entstehen, weil Erhöhungen dann nicht mehr mit der KFZ-Steuer verrechnet werden.

  • Glauben Sie wirklich, dass das Geld auch nur ansatzweise für das verwendet wird wofür es erhoben wird.

  • Ich schließe mich der Maut für alle an. Das Instrument Maut sollte auch für Kompensationszahlungen an die vom Verkehr betroffenen Regionen genutzt werden. Wenn deine Lebensqualität durch eine frequentierte Bundesstrasse sinkt, dann wird das in irgendeiner Form entschädigt. Zusätzliche Gelder für die öffentliche Infrastruktur bzw. Kita´s, Schulen, Sportvereine, Kultur und Denkmalpflege. Diese Kompensation durch Maut sollte es auch bei anderen die Lebensqualität beeinträchtigen Projekten geben, wie Stromtrassen und Windparks.

  • Hallo Herr Menzel,

    was haben Sie denn für diesen Kommentar bekommen?

    Oder fühlen Sie sich tatsächlich wohl dabei immer höhere Steuern und Abgaben zu bezahlen und gleichzeitig dabei zuzusehen wie alles in Trümmer fällt.....

    Unseren Politikern wird immer ein Grund einfallen warum man zusätzliche Einnahmen braucht. Das kann aber bei Otto Normalverbraucher nicht funktionieren weil hier endliche Einnahmen (Gehalt) unendlichen Forderungen (Steuern usw.)gegenüberstehen.

  • Daß die Maut auf jeden Fall kommt, wußte man vor der Wahl, spätestens nach dem blöden unqualifizierten Geschwätz der Politik. Wenn es wirklich bei dieser "lächerlichen Zusatzbelastung von 100 Euro pro Jahr" bleiben würde und, vor Allem, wenn diesen Betrag auch ALLE Transitreisenden bezahlen müßten, dann wäre es ja in Ordnung! Ich befürchte nur, daß die weitgehend von DE finanzierte EU das verhindern wird und letztendlich doch alles am deutschen Autofahrer (bzw. -halter) hängenbleibt!

  • @Herr Dieter Kreischer
    Es ist eine Gemeinheit über aufstockende Rentner herzuziehen. Die durchschnittliche Auszahlung der gesetzlichen Rentenkasse liegt bei 800 EUR. D. h. das viele Rentner nicht einmal an diesen Betrag rankommen. Und Rentner, die so wenig gesetzliche Rente beziehen, haben während ihrer aktiven Arbeitszeit so wenig verdient, dass sie keine finanziellen Möglichkeiten hatten, zusätzlich noch eigene Altervorsorge zu betreiben. Es lässt sich also immer leicht lästern, über Sachen, die einen direkt nicht betreffen (oder über die man nicht so richtig bescheid weiß).

  • Wer hat diese Strassen nochmal bezahlt ? Demnächst könnten wir ja auch Miete für unsere eigenen Häusern bezahlen. Es wird immer dreister hier !

  • Was ein bescheidener Schlusssatz. Natürlich geht Deutschland mit der Maut nicht unter. Ebensowenig mit der Umwandlung des Soli in eine normale Steuer, oder mit der Beibehaltung der kalten Progression. Aber die Argumentation mit europäischer Gerechtigkeit und angeblichem Nutzen ist einfach Hanebüchen und bereits vielfach fachkompetent widerlegt. Was aber bei dem ganzen Thema am meisten erregt ist die Tatsache, dass äußerst viele Bundesbürger diese Maut gut finden, weil ja jetzt auch die anderen zahlen müssen. Reines Neidbürgertum ! Und übersehen dabei, dass auch sie zur Kasse gebeten werden. Und das wird auch so bleiben, wie der Soli. Wer etwas anderes verspricht, sollte sich künftig Baron Münchhausen nennen. Wer etwas anderes glaubt, ist naiv.

  • Der Artikelschreiber erklärt in dem Artikel ganz lässig, dass 100 EUR Peanuts seien und der Staat ja auch schon 30 Cent Fahrkostenpauschale anerkennt. Wir weltfremd ist denn dieser Eindruck?

    Die meisten Arbeitnehmer verdienen nicht mehr als 1.600 bis 1.800 EUR netto monatlich. Davon gehen schon mal 600 EUR bis 1.000 EUR für die Miete weg. Dann sind 100 EUR ein riesiger Batzen Geld. Und diese Leute bezahlen etwa 13 % Lohnsteuer. Das bedeutet, dass sie von der Fahrkostenpauschale gerade einmal 3,9 Cent vom Finanzamt zurückerhalten. Kein Grund also, so easy über Maut und solche Sachen hinwegzugehen.

  • Werter Herr Menzel,

    bitte überweisen sie mir monatlich 100€! Und stellen sie sich bitte nicht so an, bei den ganzen Abgaben die sie an den deutschen Staat zahlen fallen diese 100€ doch gar nicht ins Gewicht!
    *kopfschüttel*
    Der deutsche Autofahrer zahlt - theoretisch - bereits genügend Abgaben um die Instandhaltung der Straßen sicherzustellen. Blöderweise sind die entsprechenden Steuern aber eben nicht zweckgebungen, die Kohle versickert also anderweitig in "wichtigen" Projekten... Warum also nicht noch ein paar Euro durch die Hintertür einer angeblich nur für Ausländer konzipierten Maut "einnehmen"? Der Staat sorgt dafür, dass viele - und zwar haupts. gerade die relativ wenig verdienenden - Menschen ein Auto zwingend benötigen und sichert sich somit eine nahezu unerschöpfliche Geldquelle! Super! Warum nicht gleich von jedem Bürger der BRD eine Infrastrukturabgabe einfordern, analog zur GEZ? Da ist es schließlich auch egal ob man ein Empfangsgerät hat oder ob man die "unabhängigen" Informationen überhaupt haben will...

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