
Eine richtig gute Erklärung hat niemand. Sieben Monate nach dem Start des Bundesfreiwilligendienstes (BFD) ist die Nachfrage nach dem Programm riesig. Entgegen aller Erwartungen der Trägerverbände und des Bundesfamilienministeriums. Ob nun aber wegen doppelter Abiturjahrgänge, riesiger PR-Kampagnen, Arbeit der Einsatzstellen vor Ort oder doch einfach nur Lust am Engagement: „Das Ziel ist viel früher erreicht, als wir gedacht haben“, sagt Jens Kreuter.
Als Chef des Bundesamts für zivilgesellschaftliche Aufgaben (Bafza) ist er für den BFD zuständig - und muss dieser Tage die Folgen des großen Erfolgs abfedern. Denn nach Wochen und Monaten voller Werbemaßnahmen und Forderungen an die Träger sind die Rollen inzwischen vertauscht.
Der Bundesfreiwilligendienst (BFD) ist der Nachfolger des Zivildienstes. Der größte Unterschied zum Pendant der einstigen Wehrpflicht: Das BFD-Angebot richtet sich an alle - Frauen und Männer, Junge und Alte, Deutsche und Ausländer.
Seit Juli 2011 können Bufdis eine Zeit lang in Krankenhäusern oder Behindertenheimen, aber auch im Bildungs-, Sport- oder Kulturbereich mitarbeiten und sich so für eine menschenfreundliche Zivilgesellschaft einsetzen.
Der Dienst dauert in der Regel ein Jahr, man kann ihn aber auch auf zwei Jahre verlängern oder auf ein halbes Jahr verkürzen.
Für ihre Arbeit erhalten die „Bufdis“ ein Taschengeld von bis zu 330 Euro, manche Träger stellen zusätzlich aber auch Unterkunft und Verpflegung zur Verfügung. Insgesamt ähnelt der Dienst dem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ), das allerdings nicht vom Bund, sondern von den Ländern gefördert wird. Das FSJ richtet sich zudem nur an Menschen unter 27 Jahren.
Musste sich das Bundesamt bis zum Herbst vergangenen Jahres noch aktiv darum bemühen, dass Quoten erfüllt werden, um die Zahl der „Bufdis“ zu erhöhen, wollen Diakonie, AWO und Co. nun von sich aus mehr Plätze.
Denn die 35.000 im Bundeshaushalt 2012 eingeplanten Stellen sind nahezu weg. Von einer Art Einstellungsstopp ist jetzt die Rede, das Rote Kreuz hat Wartelisten eingerichtet. „Der Eindruck, wir würden jetzt alle wegschicken müssen, der ist völlig daneben“, sagt Kreuter.
„Es ist kein Stillstand erreicht. Die Zahl der zusätzlichen Plätze ist begrenzt, aber nicht die Zahl der Wiederbesetzungen für die bestehenden Plätze.“ In der Regel dauert der BFD zwölf Monate.
Trotzdem sehen die größten Träger Bedarf an 30 Prozent zusätzlichen Stellen - und wollen mehr Macht. „Wir haben jahrzehntelange Erfahrungen mit Freiwilligendiensten. Die Träger von Organisationen sollten ein höheres Gewicht haben“, fordert der Geschäftsführer der Evangelischen Freiwilligendienste, Martin Schulze. „Das Trägerprinzip gewährleistet, dass die Freiwilligen auch einen Ansprechpartner neben der Einsatzstelle haben.“ Verwaltung und Bürokratie erinnerten zudem noch zu stark an den Zivildienst und müssten vereinfacht werden.
DER Unterschied zum bisherigen Ziwildienst ist seine Freiwilligkeit.
Der Ziwildienst war ein Pflichtdienst.
Und das hat sich NICHT bei den Betreibern herumgesprochen.
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