Plagiate
Schavan wehrt sich gegen Schummel-Vorwürfe

Bundesbildungsministerin in Bedrängnis: Die Uni Düsseldorf kommt zu dem Schluss, dass etliche Stellen der Doktorarbeit von Annette Schavan das „charakteristische Bild einer plagiierenden Vorgehensweise“ tragen.
  • 17

Berlin/DüsseldorfBundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) ist durch die Plagiatsvorwürfe wegen ihrer Doktorarbeit in schweres Fahrwasser geraten. Die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion Renate Künast zog am Montag Schavans Glaubwürdigkeit in Zweifel. Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Ernst Dieter Rossmann, forderte den Rücktritt der Bildungsministerin, falls ihr wegen der Vorwürfe der Doktortitel aberkannt wird. Schavan will den Vorwurf, sie habe bei Erstellung der Doktorarbeit getäuscht, durch eine umfassende Stellungnahme für die Universität Düsseldorf ausräumen.

Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" kommt ein Gutachter der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität zu dem Schluss, dass etliche Stellen von Schavans Dissertation das "charakteristische Bild einer plagiierenden Vorgehensweise" trügen. Insgesamt soll es auf 60 der 351 Seiten langen Doktorarbeit beanstandete Textstellen geben. Zuvor hatte bereits ein Blogger erklärt, er habe in der mehr als 30 Jahre alten Arbeit zahlreiche Stellen mit falsch gekennzeichneten Zitaten gefunden.

Künast sagte, es sei beschämend, dass Schavan die Sache aussitzen wolle. Noch habe Schavan ihr Amt formal inne. "Aber die Glaubwürdigkeit, die sie für eine gute Amtsführung braucht, hat sie schon verloren", sagte Künast der Düsseldorfer "Rheinischen Post". "Eine für Wissenschaft zuständige Ministerin muss doch die Regeln des ehrlichen wissenschaftlichen Arbeitens hochhalten."

Schavan versicherte der Zeitung: "Ich habe zu keinem Zeitpunkt bei der Arbeit an meiner Dissertation versucht zu täuschen. Sobald mir der Promotionsausschuss Gelegenheit dazu gibt, werde ich zu den Vorwürfen Stellung nehmen."

Zudem kritisierte die Ministerin die Universität. "Es ist ein bemerkenswerter Vorgang, dass ein vertrauliches Gutachten eines Hochschullehrers der Presse vorliegt, bevor die Betroffene von der Existenz des Gutachtens weiß", sagte sie der Zeitung weiter. Schavan hatte von dem Gutachten für die Promotionskommission erst aus den Medien erfahren. Erst auf Nachfrage der Ministerin hatte der Rektor der Universität Düsseldorf das 75-seitige Gutachten Schavan am vergangenen Wochenende zugeschickt. Schavan kündigte an, sich weiter an die Spielregeln zu halten "und mit der Universität nicht über die Öffentlichkeit zu kommunizieren".

Der SPD-Abgeordnete Rossmann sah die faktische Entscheidung über einen Verbleib Schavans im Amt bei der Universität. "Am Ende kommt es darauf an, ob die Universität ihr den Doktortitel belässt oder nicht", sagte Rossmann der "Berliner Zeitung. Falls nicht, habe Schavan selbst hohe Maßstäbe gelegt, als es um den früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gegangen sei.

Rossmann verwies darauf, dass es nun nicht mehr nur ein anonymer Plagiatejäger sei, der Vorwürfe gegen Schavan erhebe, sondern die Hochschule selbst. Sollten dies zur Aberkennung des Doktortitels führen, solle Schavan "ihre Verdienste als Ministerin für Bildung und Forschung nicht durch Hartnäckigkeit an dieser Stelle in Vergessenheit geraten lassen, sondern in Ehren ihren Abschied nehmen", forderte er.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Plagiate: Schavan wehrt sich gegen Schummel-Vorwürfe"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • welch' illusterer Haufen, unserer Regierungsclique.
    Jedes Volk die Regeirung, die es verdient ... ich erschrecke, welch' übles, verlogenes Volk wir denn dann sein müssten.
    Seit fett Helmut isses eben nix mehr hier.

  • Es wird schwierig für A. Schavan: Was will sie in ihrer Stellungnahme sagen? Wenn sie sagt, sie habe nicht gewußt, wie man richtig zitiert und nach gutem Glauben gehandelt, dann diskreditiert sie ihre Fächer, denn in denen ist die schriftliche Argumentation der Kern des Arbeitens. Schon Aristoteles argumentierte gegen Positionen anderer, auch Hume. Das Argument und die Darlegung, die schrittweise Hinführung des Lesers durch den Gedankengang und die Entwicklung der Gesamtthese mit der Herausarbeitung des "Neuen" an ihrer Ausführung durch die einzelnen Kapiteln, ist das entscheidende und das unterscheidet eine gute Diss. von einer schlechten. Das ist harte intellektuelle Arbeit, weil man sich in der Sekundärliteratur richtig gut auskennen muß. Die Arbeit ist kein Selbstzweck und an sie persönlich gebunden, sondern die Korrektheit der Methodik usw. steht nachfolgenden Forschenden zur Verfügung. Schlampt da einer, steht die gesamte Lehre auf dem Spiel und die Aussagen sind wertlos! Es geht um Fairness und Tradition in der Wissenschaftlichen Diskussion, die faktischer Überprüfung und dem Beweis standhalten muß. Nachvollziehbarkeit und Verständlichkeit egal an wen man sich richtet, sollte das Diss-schreiben leiten. Die Subjektivität der eigenen Meinung muß zurückstehen, wenn mehrere Gutachter zum gleichen Urteil kommen. Bescheidenheit, Redlichkeit und Korrektness des Schreibers bei der Führung durch die Argumentation sind genauso wichtig, weil man wissenschaftliche Fachvertreter anderer Auffassung im Fair-Play gegenübertreten muß. Es ist eben nicht alles subjektiv und eh - egal! Und das sollte auch so bleiben!

  • Die Grünen sollten mit ihrer Kritik erst einmal etwas zurückhaltender sein.
    Bei ihnen gibt es ja keine Promovierten, sondern Ungelernte und jede Menge Studienabbrecher.
    Also jede Menge verkrachte Existenzen
    Also da würde ich doch lieber den Mund halten

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%