Plagiatsaffäre: Countdown für Doktor Schavan

Plagiatsaffäre
Countdown für Doktor Schavan

Heute könnte die Uni Düsseldorf Bildungsministerin Schavan den Doktortitel entziehen. Gab es bei der Dissertation eine „leitende Täuschungsabsicht“? Während der Fakultätsrat tagt, bringen sich ihre Kritiker in Stellung.
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DüsseldorfEin kleines Heftchen, schlappe 32 Seiten stark, befeuert die Debatte am Tag der Entscheidung. Es könnte das Faustpfand derjenigen sein, die es für angemessen halten, Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) den Doktortitel zu entziehen. Dass die damals 25-jährige Doktorandin Schavan unsauber gearbeitet hat, gilt mittlerweile als unstrittig, heftig diskutiert wird jedoch, ob das zur jener Zeit nicht an der Tagesordnung war. Ob sie nicht ein Opfer der damaligen Verhältnisse an der Hochschule und ihres heutigen Bekanntheitsgrads ist.

Keineswegs, wenn man die Inhalte eines Heftchens ernst nimmt, aus dem die „Süddeutsche Zeitung“ zitiert: „Hinweise zur Anfertigung von Seminararbeiten“ heißt das Werk, geschrieben hat es der Düsseldorfer Pädagogik-Professor Wolfgang Kramp, einer der Herausgeber ist Gerhard Wehle, Schavans Doktorvater. Alles Wichtige zum wissenschaftlichen Handwerkszeug war darin zusammengefasst, heißt es. „Geistiger Diebstahl ist kein Kavaliersdelikt“, mit diesen Worten beginnt der Absatz zur „Zitierpflicht“. 1978 ging das Heftchen bereits in die achte Auflage.

Annette Schavan, die gestern zu einer fünftätigen Reise nach Südafrika aufgebrochen ist, spricht in Bezug auf ihre Dissertation von „Flüchtigkeitsfehlern“, die ihr nicht peinlich seien. Die Vorwürfe des Plagiats oder der Täuschung weist sie zurück: „Ich kann in Anspruch nehmen, nicht plagiiert oder gar getäuscht zu haben“, sagte sie in einem Interview mit der „Zeit“. Zur Diskussion gehöre, „nicht andauernd den Eindruck zu erwecken, dass Plagiate und Fehler auf der gleichen Ebene liegen“.

Ihre Dissertation tippte sie einst mit der Schreibmaschine ab, für jede Fußnote musste sie die Papierwalze drehen. Der Text ist nicht elegant bündig, sondern im sogenannten Flattersatz gedruckt – die Zeilen laufen ungleichmäßig aus. Kleine Fehler korrigierte die Doktorandin, die ihre Promotion 1980 noch im Direktstudium erlangte, handschriftlich. Mal ist es eine fehlende Seitenzahl, mal ein fehlendes „s“ im Wort „konsensfähig“.

Der Vorsitzende des Promotionsausschusses der Uni Düsseldorf, Stefan Rohrbacher, kritisiert jedoch nicht solche Formfehler und Äußerlichkeiten. Er wirft der Verfasserin eine „plagiierende Arbeitsweise“ und eine „leitende Täuschungsabsicht“ vor. Sein Gutachten ist die Entscheidungsgrundlage für die 15 Mitglieder des Fakultätsrats, die heute Nachmittag zusammenkommen. Mit einfacher Mehrheit können sie Schavan den Doktortitel entziehen, das Verfahren einstellen – oder ein weiteres Gutachten verlangen. Eine Frist für die Entscheidung gibt es nicht.

Folgt der Fakultätsrat dem Gutachten könnte Schavan noch gegen die Entscheidung klagen – der politische Schaden wäre jedoch fatal.

Kommentare zu "Countdown für Doktor Schavan"

Alle Kommentare
  • PisaPisa

    wann schmeißt das HB den PisaPisa endlich aus den Foren.
    Dieser Typ ist ein Klugscheißer u. Oberlehrer .
    Er ist der Wasserträger von Schavan u. wahrscheinlich ein politischer Schwätzer .

    Recht geht doch vor Unrecht ! Schavan ist den Doktortitel los .Die Unis sorgen eben für Gerechtigkeit .
    Bravo den Profs der Uni! Wo ist der nächste politische Blindgänger !

  • Sind sie besoffen oder so dämlich?

  • G4G, Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Doktorarbeit ist, dass man Texte nicht nur lesen kann, sondern sie auch versteht. Bevor Sie sich über die Qualität von Doktorarbeiten auslassen, sollten Sie sich erst mal das nötige Rüstzeug zulegen. Wo steht in obigem Artikel, dass Schavan mit 32 Seiten Doktor geworden ist? Zeigen Sie es mir, wo?

  • Sie meinen also ungefähr so, wie sich sich durch die Schreibweise "desavoiert" desavouieren?

  • Mit 32 Seiten ein "Doktor" ?! Ich glaube es nicht !!
    Das ist ja wohl ein schlechter Witz.
    Wer so scheinheilig wie Schavan rüberkommt und ewig die streng gläubige Frau Oberlehrerin spielt, darf sich nicht wundern wenn er (sie) jetzt über die selbe Klinge wie der charmante KT springen muss.
    Die eigene Unsportlichkeit dieses in der Lobby verankerten laufenden Meters, darf kein Hindernis für einen Rausschmiss 3.-er Klasse werden.

  • Sie greifen Schavan an, setzen aber selbst irgendwelche Behauptungen in den Raum, die zeigen, dass Sie wenig Ahnung von den Zusammenhängen haben. Erklären Sie uns doch mal, warum ein Beamter im Falle der Aberkennung seines Doktortitels entbeamtet werden würde. Wie würde dies Ihrer Meinung nach denn ablaufen? Wahrscheinlich wissen Sie gar nichts darüber, aber Sie traktieren uns hier mit Ihrem Halbwissen.

  • wenn Schavan durchkommt, werden alle jetzigen und zukünftigen Studenten, die ehrlich an ihrer Dissertation arbeiten, desavoiert.

  • Naja, Herr Brüdele hat mirt seinem Vorgehen bei der Sernreporterin aus Granit gebissen.

    Aber nicht jede Frau ist von Stern

  • Ich habe 1982 an der TU München in Ingenieurswissenschaften promoviert. Es war ein Qualitätsmerkmal, wenn man sich intensivst mit der entsprechenden Fachliteratur beschäftigt hat und diese zitiert hat. Dazu kam dann das eigenständig Erforschte. An sich kann ich die Beweggründe für die Plagiate deshalb nicht verstehen, es sei denn, es gibt nicht viel Eigenständiges in der Arbeit.
    Was Frau Schavan angeht stellt sich noch die Frage: Wer soll sich jetzt von Grund auf schämen ??

  • Meine Magisterarbeit habe ich auch noch mit einer Schreibmaschine schreiben müssen - da musste man höllisch aufpassen, und es passierten doch noch nach 20maligem Gegenlesen durch Kommilitonen am Ende TIPPfehler, aber DEFINITIV keine "Zitierfehler".
    Diese faule Ausrede, es sei ja alles soooo viel schwieriger als heute gewesen, ist ein Bummerang: gerade heute sind dank Computer wesentlich schneller Fehler möglich, nicht aber damals!

    Für wie dumm hält diese Dame die Bevölkerung eigentlich? Auf zahlreichen Blogs wie http://plagiatschavan.wordpress.com lachen sich die Leute schon über jede neue Ausrede kapputt. Das Amt ist bereits zum Gespött geworden, schon allein wegen der Parteinahme durch offensichtlich finanziell abhängige Organisationen und Forscher - von alten katholischen Weggefährten völlig abgesehen.
    Die Sache ist nur noch peinlich und gewissenlos.

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