Plagiatsaffäre: FDP sieht Wissenschaftsstandort in Gefahr

Plagiatsaffäre
FDP sieht Wissenschaftsstandort in Gefahr

Selbst sein eigener Doktorvater geht wegen der Schummel-Vorwürfe auf Distanz zu Guttenberg, die FDP sieht den Wissenschaftsstandort Deutschland in Gefahr. Nur wenige stehen noch zum Minister - dafür aber fast väterlich.
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Berlin/DüsseldorfFDP-Vize Andreas Pinkwart wirft der Bundesregierung in der Plagiatsaffäre Tatenlosigkeit vor. "Die Debatte hat eine Wendung bekommen, die dem Wissenschaftsstandort Deutschland zu schaden beginnt", sagte der zukünftige Rektor der Handelshochschule Leipzig (HHL) dem Handelsblatt (Dienstagausgabe).
"Die Bundesregierung muss umgehend handeln und die Debatte nicht tatenlos laufen lassen", sagte Pinkwart. "Wir können unseren hohen Ansprüchen an Wissenschaft und Forschung nicht gerecht werden, wenn sich die Regierung nicht zur Einhaltung strenger wissenschaftlicher Regeln bekennt", sagte Pinkwart. In dieser Woche würden die Zwischenergebnisse der Exzellenzinitiative bekanntgegeben. "Da schadet eine Bagatellisierung wissenschaftlicher Verstöße dem Wissenschaftsstandort Deutschland enorm."

Inzwischen wendet sich auch sein Doktorvater wegen den Mogelvorwürfen von seinem ehemaligen Studenten Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ab. Der Bayreuther Jura-Professor Peter Häberle sagte, mit sehr großem Bedauern habe er zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Umstände der von ihm betreuten Promotion geeignet seien, "den Ruf der Universität Bayreuth in der öffentlichen Diskussion in Misskredit zu bringen", teilte Häberle am Montag in einer schriftlichen Erklärung mit, die der Zeitung "Die Welt" vorliegt.

"Die in der Promotionsschrift von Herrn zu Guttenberg entdeckten, mir unvorstellbaren Mängel sind schwerwiegend und nicht akzeptabel", schreibt der Professor. "Sie widersprechen dem, was ich als gute wissenschaftliche Praxis seit Jahrzehnten vorzuleben und auch gegenüber meinen Doktoranden zu vermitteln bemüht war."

Die Aberkennung des Doktortitels sei die notwendige Folge gewesen. Am Tag nach Bekanntwerden der Vorwürfe hatte der 76-Jährige der "Bild"-Zeitung noch gesagt: "Die Arbeit ist kein Plagiat." Nun spricht er von einer "ersten spontanen und letztlich zu vorschnellen Reaktion", deren Ausmaß er ohne Detailkenntnis zunächst nicht habe absehen können.

Die SPD verschärft derweil ihre Angriffe auf Guttenberg. "Niemand mit gesundem Menschenverstand glaubt, dass zu Guttenberg aus Versehen über hundert Seiten abgeschrieben hat", sagte Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann Handelsblatt Online. "Dieser massive Wissenschaftsbetrug war planvoll und vorsätzlich." Oppermann fügte mit Blick auf die Äußerungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die Guttenberg heute abermals verteidigt hat, hinzu: "Die Kanzlerin belügt sich selbst, wenn sie glaubt, dass der Hochstapler zu Guttenberg Verteidigungsminister bleiben kann."

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SPD wirft Merkel Ignoranz vor

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  • Herr zu Guttenberg ist ein Opfer und die Herrn Professoren, welche den Titel genehmigt haben sollten alle seinem Beispiel folgen und zurücktreten. Sie haben Ihren Titel auch verwirkt. Die Finanzämter sollten die Daten der Herren prüfen und die Uni ebenso !! Die Steuergelder wurden verschwendet !!!

  • Herr zu Guttenberg ist ein Opfer und die Herrn Professoren, welche den Titel genehmigt haben sollten alle seinem Beispiel folgen und zurücktreten. Sie haben Ihren Titel auch verwirkt. Die Finanzämter sollten die Daten der Herren prüfen und die Uni ebenso !! Die Steuergelder wurden verschwendet !!!

  • Der Herr Doktorvater hatte doch die Kontrolle über die Richtigkeit der Arbeit. Soweit bekannt war Hr. Jura-Prof. Häberle bei der Überreichung des Titels dabei !! Hier muß auch nachgehakt werden. Der Herr Prof. wird aus Steuergeldern bezahlt !! für was !! Damit solche Doktortitel verliehen werden ??

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