Plagiatsaffäre
„Guttenberg handelte unabsichtlich“

Während die Staatsanwaltschaft Hof Guttenberg zugesteht, bei seiner Doktorarbeit nicht vorsätzlich getäuscht zu haben, wollen Plagiatsjäger schon die nächste Fälschung des Ex-Ministers entdeckt haben.
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BerlinBei ihren Ermittlungen gegen den früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ist die Staatsanwaltschaft Hof laut „Spiegel“ nicht von absichtlicher Urheberrechtsverletzung ausgegangen. In der Begründung heiße es, Guttenbergs Erklärung, er habe schlicht den Überblick verloren, sei „nachvollziehbar und jedenfalls nicht zu widerlegen“, meldet das Nachrichtenmagazin in seiner jüngsten Ausgabe. Zudem fielen sehr viele Plagiatsstellen nicht unter den Schutz des Urheberrechts, weil die nötige „schöpferische Eigentümlichkeit“ fehle, so die Staatsanwaltschaft.

Die Universität Bayreuth hatte dem Ex-Minister dagegen absichtliche Täuschung vorgeworfen. Dagegen hatte sich Guttenberg entschieden verwahrt. Das Verfahren gegen den CSU-Politiker war im November gegen eine Zahlung von 20.000 Euro eingestellt worden.

Zu seiner teilweise abgeschriebenen Doktorarbeit, derentwegen Guttenberg zurückgetreten war, nimmt der ehemalige Verteidigungsminister in seinem Buch „Vorerst gescheitert“ Stellung. Das Interview-Buch geht bisher häufiger über den Ladentisch als von den Händlern erwartet. Drei Tage nach dem Verkaufsstart seien die 80.000 Exemplare der Erstauflage bereits vergriffen, sagte ein Sprecher des Verlags Herder . Es würden nun 35.000 Exemplare nachgedruckt. Halte die Nachfrage an, gebe es in der kommenden Woche einen dritten Nachdruck.

Nach Ansicht von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) ist ein Comeback des einstmaligen Hoffnungsträgers nach seinem Interviewbuch mit dem „Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo schwieriger geworden. „Ich fürchte, dass Karl-Theodor mit seinem Interviewbuch Wunden geschlagen hat, die so schnell nicht verheilen werden“, sagte der Minister dem „Spiegel“. Friedrich ist auch Bezirksvorsitzender der CSU in Guttenbergs Heimat Oberfranken ist. In dem Buch hatte Guttenberg unter anderem der CSU den Rang als Volkspartei abgesprochen.

Indessen sieht sich der ehemalige Verteidigungsminister nach Informationen der „Welt am Sonntag“ mit neuen Plagiatsvorwürfen konfrontiert. Wie die Zeitung am Samstag vorab berichtete, werfen Plagiatsjäger der Internet-Plattform GuttenPlag Wiki dem Politiker vor, beim Verfassen eines Aufsatzes aus dem Jahr 2004 ähnlich verfahren zu haben wie bei der Arbeit an seiner Doktorarbeit 2006.

Dem Bericht zufolge analysierten die Rechercheure einen 23 Seiten langen außenpolitischen Aufsatz Guttenbergs mit dem Titel „Die Beziehungen zwischen der Türkei und der EU - eine 'Privilegierte Partnerschaft'“. Dabei wiesen sie demnach auf bisher 13 Seiten Textpassagen nach, die aus unterschiedlichen Quellen stammen - darunter Zeitungsartikel, Ausarbeitungen der Europäischen Union und ein Dokument des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages. Rund ein Drittel des Essays, der in der Zeitschrift „aktuelle analysen“ der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung veröffentlicht wurde, seien laut GuttenPlag abgeschrieben.

„Unsere Analyse des Beitrags zeigt, dass sich hier in kleiner Form das Bauprinzip der Doktorarbeit widerspiegelt“, erklärten die Internet-Aktivisten von GuttenPlag der „Welt am Sonntag“. In der Doktorarbeit von 2006 spiele der Aufsatz von 2004 allerdings fast keine Rolle.
Der Ex-Minister hat die neuen Plagiatsvorwürfe zurückgewiesen. Er räumte zwar ein, dass für den Text fremde Quellen genutzt worden seien - es habe sich aber nicht um eine wissenschaftliche Leistung, sondern um ein außenpolitisches Papier gehandelt, sagte Guttenberg der „Welt am Sonntag“. „Und selbstverständlich wurden hierbei bestehende, fremde Quellen genutzt, da ja lediglich die politische Meinung unterfüttert werden sollte.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Eine Interpretationsmöglichkeit wäre ja, das KT nie richtig begriffen hat wie und warum man zitiert. D. h. es handelt sich nicht um schlechte Intention sondern schlicht um Unvermögen! Dann wäre das Urteil ein Euphemismus !

  • Der Artikel ist inhaltlich falsch: Die Staatsanwaltschaft hat und brauchte die Frage der Absicht gar nicht untersuchen, bedingter Vorsatz reicht bei Urheberrechtsverletzungen aus. Die vorsätzliche Verletzung des Urherberrechtsgesetzes ist in 23 strafrechtsrelevanten Fällen festgestellt worden. Die Universität Bayreuth hat im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft Hof das wissenschaftliche Fehlverhalten beurteilt. Sie hat dabei ebenfalls Vorsatz festgestellt, aber Absicht nicht explizit unterstellt, sondern die Art des Vorsatzes offen gelassen, d.h. mindestens bedingten Vorsatz angenommen. Es wäre vertrauensbildend, wenn Journalisten Agenturmeldungen nicht einfach ungeprüft übernehmen bzw. falsch darstellen würden.

  • Der Mann taugt bestenfalls noch fürs Kasperletheater. In der deutschen Politik ist er eine klare Fehlbesetzung. Vielleicht bekommt ein Angebot in einer deutschen Castingshow in der Jury mitzuarbeiten. Dort kann er Teenies runterputzen. Es wird seinem Ego gut tun.

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