Plagiatsaffäre: Schavan fordert externes Gutachten

Plagiatsaffäre
Schavan fordert externes Gutachten

Die Düsseldorfer Universität hat eine klare Aussage zum Fall Schavan vermieden, ein „ergebnisoffenes“ Plagiatsverfahren eingeleitet und damit die Ministerin herausgefordert. Am Ende könnten alle als Verlierer dastehen.
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BerlinMit einem eigentümlichen Schachzug reagiert Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) auf die Einleitung eines Verfahrens zum Entzug ihres Doktortitels. Die Vorlage hierfür lieferten die Beschuldiger selbst. Der 15-köpfige Fakultätsrat der Universität Düsseldorf hatte sich zwar fast einstimmig für das Verfahren ausgesprochen, zugleich hatte der Vorsitzende des Gremiums aber erklärt: „Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass das Verfahren ergebnisoffen ist.“

Schavan erklärte dazu in einer Mitteilung, sie hoffe, „dass mit der Eröffnung eines ergebnisoffenen Verfahrens jetzt auch verbunden ist, externe Fachgutachten einzuholen“. Sie sei davon überzeugt, „dass die unbegründeten Plagiatsvorwürfe ausgeräumt werden“. Sie habe sich in den acht Monaten seit Bekanntwerden der Vorwürfe intensiv mit dem Text ihrer Dissertation befasst und mit zahlreichen Fachwissenschaftlern gesprochen. Und sie sehe sich dadurch in ihrer Überzeugung bestärkt, „dass meine Dissertation kein Plagiat ist“. Damit wird der Fall zur Nervenprobe für alle Beteiligten. Schon wird von einer „griechischen Tragödie“ gesprochen, an deren Ende schließlich nur Verlierer stehen.

Schavan wird vorgeworfen, in ihrer Doktorarbeit zum Thema „Person und Gewissen“ aus dem Jahr 1980 falsch zitiert und Quellen nicht genannt zu haben. Das zuständige Gremium der Uni Düsseldorf hatte am Dienstagabend nach monatelangen Vorermittlungen beschlossen, ein formales Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels einzuleiten. Dies bedeutet noch nicht, dass Schavan ihren akademischen Grad verliert. Die Prüfer könnten auch zu dem Schluss kommen, dass für einen Titelentzug keine ausreichenden Gründe vorliegen.

Die CDU hat Schavan auf ihrer Seite. Kanzlerin Angela Merkel ließ ihren Sprecher mitteilen, dass weiterhin "volles Vertrauen in ihre Arbeit", habe. Schavan sei "eine hoch angesehene und erfolgreiche" Ministerin, deren Impulse wichtig seien, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Bis zum Ergebnis des Prüfverfahrens gelte Schavan selbstverständlich als unschuldig. Merkel sehe keine Einschränkung der Arbeit Schavans.

Schavan nahm am Vormittag an der Sitzung der Bundesregierung in Berlin teil und wurde nach Teilnehmerberichten von ihren Kabinettskollegen freundlich begrüßt. Zuspruch gab es auch von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (ebenfalls CDU), die ihrer Kollegin im Rückblick auf fast acht gemeinsame Regierungsjahre bescheinigte, „wirklich hervorragende Arbeit geleistet“ zu haben. Sie schätze Schavan „enorm“ und habe sie als „sehr integre Kollegin mit ganz hoher Fachkompetenz“ erlebt, sagte von der Leyen. Zu der aktuellen Auseinandersetzung in der Wissenschaftswelt könne sie aber nichts sagen.

Unions-Fraktionsvize Michael Kretschmer forderte die Uni Düsseldorf auf, „endlich unabhängigen Expertenrat einzuholen“. Im Hauptverfahren müsse „auch die berechtigte Kritik aus der Wissenschaft am bisherigen Vorgehen beachtet werden“.

Kommentare zu " Plagiatsaffäre: Schavan fordert externes Gutachten"

Alle Kommentare
  • Braucht sie nicht. Annette hat schon 4 Ehrendoktortitel! Die kann sie sich dann vor ihren Namen heften. Dann bleibt sie Ministerin, denn "bätsch", so viele hat keiner!

  • Klar würde sie viel Geld verdienen können! Da müsste Annette nur den Titel ändern, vielleicht so: Meine Person und kein Gewissen. Da würde Sie viele in Politik, Wirtschaft... erreichen. Die Vortragsreihe wäre auf Jahre ausgebucht! Wetten?

  • Die Freiheit von Forschung und Lehre sollte auch in diesem Fall gewahrt bleiben. Die Uni Düsseldorf ist autonom, nur der Wissenschaft verpflichtet und braucht sich nicht in politscher Rücksichtnahme zu üben. Es geht um eine Doktorarbeit, nicht um eine Person. Dass die Doktorantin später eine erfolgreiche Politikerin geworden ist, ist nicht Gegenstand der Betrachtung.

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