Plagiatsjäger: Nicht nur Schavan bangt um ihren Titel

Plagiatsjäger
Nicht nur Schavan bangt um ihren Titel

„VroniPlag“ heißt Deutschlands größte Enthüllungsplattform. Politiker, die als Betrüger entlarvt wurden, haben sie bekannt gemacht. Und die Suche nach unehrlichen Doktoren reißt nicht ab, berichtet eine Plagiatsjägerin.
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DüsseldorfNatürlich schaut heute auch Debora Weber-Wulff gespannt ins Rheinland. Wie wird die Uni Düsseldorf im „Fall Schavan“ entscheiden? Droht ihr die Aberkennung des Doktortitels? Wird ein Verfahren eingeleitet und dadurch die Bundesbildungsministerin ein Opfer der Plagiatsjäger? „Halt, halt“, sagt Weber-Wulff energisch. „Wer vorsätzlich betrügt ist kein Opfer, sondern Täter.“ Darüber zu urteilen obliege aber nicht ihr, sondern der Uni Düsseldorf.

Weber-Wulff ist Medieninformatikerin an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin, außerdem gehört sie zum Kernteam von „VroniPlag“, Deutschlands größter Enthüllungsplattform. Die FDP-Politiker Silvana Koch-Mehrin und Jorgo Chatzimarkakis verloren ihre Titel, nachdem „VroniPlag“ deren Doktorarbeiten analysiert hatte. Weitere prominente Fälle wie der Sturz des damaligen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg haben das öffentliche Interesse auf die Plagiatsjagd gelenkt. „Dabei geht es uns nicht um Politik, sondern es geht uns um Wissenschaft“, beteuert Weber-Wulff im Gespräch mit Handelsblatt Online. „Und die darf nicht auf einer Lüge aufbauen.“

Und deshalb beschäftigen sich die Enthüller von „VroniPlag“ auch nicht, aber eben auch mit Prominenten. „Auf unserer Seite haben wir 40 Arbeiten veröffentlicht, bei denen es sich um eine Textparallele handelt“, sagt Weber-Wulff. Dann erscheinen die Werke auch mit Namen des Verfassers und den Befunden der Plagiatsjäger. Die gefundenen Textübernahmen werden Seite für Seite dokumentiert. Mitleid sei an dieser Stelle nicht angebracht, sagt die Wissenschaftlerin: „Es wird nur Unehrlichkeit ins Licht der Öffentlichkeit gezerrt.“

„Weitere 50 Arbeiten befinden sich noch im Analysebereich, das heißt, dass wir die Namen nicht nennen und die Ergebnisse beispielsweise vor Google verstecken“, sagt die Dozentin. „In diesen Fällen besteht ein Verdacht, aber wir sind uns noch nicht sicher. Möglicherweise wurde zwar unsauber gearbeitet, aber das Gesamtbild ist noch nicht empörend.“

Etwa 10 bis 15 Leute umfasst das Kernteam von „VroniPlag“. Sie schauen regelmäßig im Chat der Internetplattform vorbei, diskutieren, tauschen sich aus. Debora Weber-Wulff ist „viel zu häufig dort zu finden“, wie sie sagt, doch die Jagd nach Plagiaten sei ein Hobby geworden. „Andere gehen ins Fußballstadion oder spielen mit ihrer Modelleisenbahn und ich bin bei VroniPlag.“ Dort bringt sie sich bei der Qualitätssicherung ein, sichtet jede Menge Material und prüft die Analysen der Kollegen. „Wenn einer sagt, dass getäuscht wurde, muss er mindestens einen anderen davon überzeugen, dass es sich tatsächlich um eine Textparallele handelt.“

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Nicht nur Schavan bangt um ihren Titel

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„Das ist ein Mordsaufwand, aber machbar“

Kommentare zu " Plagiatsjäger: Nicht nur Schavan bangt um ihren Titel"

Alle Kommentare
  • der Rösler stand doch auch schon unter plagiatsverdacht, wird der auch überprüft?

  • Gegen folgende Politiker wurden Vorwürfe wegen Plagiatsverdachts erhoben:

    Annette Schavan, CDU (Bundesministerin für Bildung und Forschung)
    Bernd Althusmann, CDU (Niedersächsischer Kultusminister)
    Matthias Pröfrock, CDU (Abgeordneter im Landtag Baden-Württemberg)
    zu Guttenberg, CSU (ehemaliger Verteidigungsminister)
    Silvana Koch-Mehrin, FPD (ehemalige FDP-Europapolitikerin)
    Jorgo Chatzimarkakis, FDP (FDP-Europapolitiker)
    Margarita Mathiopoulos, FDP (Vorsitzende des FDP-Bundesfachausschusses und außen- und sicherheitspolitische Beraterin von Guido Westerwelle)

    Und nach Veronica Saß (Tochter von Edmund Stoiber, CSU) wurde das VroniPlag Wiki benannt (http://de.wikipedia.org/wiki/VroniPlag_Wiki). Ihr Bruder Dominic Stoiber (CSU) steht ebenfalls unter Plagiatsverdacht.

  • Wo ist Merkels Doktor"arbeit" verschollen???

  • Ich finde diese sich in Deutschland erneut entwickelnde Kultur der Denunziation einfach beschaemend.

    Ich finde es viel beschämender, dass wir so viele Betrüger im Amt haben!

  • Wurde schon einmal eine Diss von einem SPDler oder einem Grünen geprüft?
    Vielleicht gibts da keine Dissertationen, weil die möglicherweise noch nicht einmal abschreiben können, smile!

  • Natürlich muss die letzte Entscheidung, ob es sich um Vorsatz handelte oder nicht, immer noch ein Mensch treffen.

    Was gibt es da "zu entscheiden"?
    Wenn jemand Texte eines anderen Verfassers übernimmt und abschreibt und dies NICHT KENNTLICH macht (und NUR DARUM geht es), dann betrügt er, denn er tut so, als ob der von ihm abgeschriebene Text von ihm SELBST stammt!
    Also ist das ein glasklarer Betrug.

    Man darf Texte fremder Autoren verwenden, aber man muss sie kenntlich machen. Das lernt jeder Student in den ersten Semestern und darauf wird an Unis auch ganz erhblich Wert gelegt. Also kann man sich "nicht vertun" und dies unabsichtlich machen!
    Solche Leute haben von Anfang an vor einen Betrug zu begehen, um sich selbst einen Vorteil zu verschaffen!

  • @ Mazi: jo, da bin ich voll bei Ihnen! nich mals der Name von "den kerle" wird erwähnt! dat is die BIGOTESTE AKTION SEIDE Stäuber SEI ARCHIVE öffnete!!! UNDE MIT PRIVATE DINGE VON FREMDE MENSCHE POLITIKE mache wollde. NUR HIER MERKEN DIE STUDIES und DOKTORANTEN niche, dasse volle EINGESPANNET WERDEN!!! VON WEME? DAS IST so ärgerlich!!! STUDIES lernt und erfahrt erstmal wie die "holde" selbstverwaltung in den unis in der realität aussieht und "genutzt" wird!!!!

    sollen nur studenten und doktoranden an der uni verantwortung tragen!?! ich habe viele sehr exzellente menschen-profs in der forschung und lehre kennengelernt, die sich immer sehr gut um die ihnen anvertrauten jungen menschen gekümmert haben, aber ich habe auch menschen dort erlebt, denne ich nich mal meine "hausratten" anvertrauen würde!!!!!!!!!!!!!!

  • Bei den Roten findet man halt nicht soviele Promovierte und die Grünen waren schon zu Studi-Zeiten auf Demo, die hatten keine Zeit für eine Diss. Und die Diss' der ganz Roten sind durch Einigungsvertrag geschützt

  • Ziemlich viel Unfug was hier von den Kommentatoren verbreitet wird. Viele haben anscheinend nicht einmal den Artikel gelesen, in dem die kruden Behauptungen bereits widerlegt werden. Stattdessen wird sich wieder moralisch aufgeschaukelt, es wird von Denunzierungen geschrieben, es werden mal wieder die üblichen falschen Behauptungen aufgestellt, es gehe nur um konservative Politiker.

    Argumente für eine ernsthafte Diskussion werden leider nicht gebracht - und sind wohl auch nicht erwünscht.
    Dass die Mehrheit der untersuchten Arbeiten nicht von Politikern geschrieben wurde, ist ja egal. Dass es mindestens 3 Leute, die für die SPD bzw. GRÜNE aktiv sind/waren - auch egal. Lieber faktenfrei das behaupten, was schon seit ewig widerlegt ist.

  • Sicherlich ist es richtig, den Namen dessen zu veröffentlichen, der schummelte. Aber die erste Aufgabe dies festzustellen, ist doch Sache des Professors.

    Daher ist es auch interessant den Namen des Professors zu erfahren und noch interessanter ist es dann, wenn sich derartige Fälle bei einem Professor, einer Universität häufen.

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