Plagiatsvorwürfe
Die Uni Bayreuth zittert mit Guttenberg

Deutschland redet über Schummel-Minister Guttenberg - doch was bedeuten die Vorwürfe für Bayreuth und seine Universität, an der er promovierte? Eine Reise zum Ursprung der großen Mogelei.
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BayreuthDie Wagnerstadt Bayreuth – normalerweise ist das "Tristan und Isolde" im August auf dem grünen Hügel samt schwitzender Politprominenz in mehr oder minder schmückenden Abendgarderoben. Doch in diesem Jahr spielt sich in dem beschaulichen oberfränkischen Städtchen ein Drama ab, das den Familienfehden des Wagner-Clans den Rang ablaufen könnte. Denn Oberfranken hat mit zu Guttenberg den Minister der Herzen und Wunschkanzlerkandidaten vieler Deutschen hervorgebracht hat, der jetzt unter Schummelvorwürfen leidet. Hat der Verteidigungsminister in seiner Doktorarbeit ungeniert bei fremden Autoren abgeschrieben? Und hat die Universität einen Hochstapler promoviert? Die Fragen rütteln die beschauliche Festspielstadt aus dem Winterschlaf.

Gebetsmühlenartig wiederholt Universitäts-Präsident Rüdiger Bormann seit dem Ausbruch der Plagiat-Affäre, dass es „keinerlei Hinweise auf Unregelmäßigkeiten in Herrn zu Guttenbergs Promotionsverfahren“ gebe. Alle offenen Fragen sollen klar beantwortet werden. Bormann weiß: Nicht nur der Minister, auch seine Hochschule hat einen Ruf zu verlieren.

An diesem Freitag treffen Journalisten den Präsidenten allerdings nicht in seinem Büro an der Universitätsstraße 30 in Bayreuth. „Dienstreise“, erklärt er Handelsblatt Online am Telefon. Wegen Guttenberg? „Das tut jetzt nichts zur Sache.“ Ist dann vielleicht der Ombudsmann zu sprechen? „Der soll und darf dazu jetzt gar nichts sagen.“ Keine Angst um das Image der Hochschule? „Wir nehmen Qualitätssicherung sehr ernst – auf allen Ebenen.“ Und dann räumt Bormann ein: „So einen Fall hat es in meiner zweijährigen Amtszeit noch nicht gegeben.“

Man ist nervös in Bayreuth. Die Lage ist ernst auf dem Campus der kleinen Universität mit den sternförmig angeordneten, zweckmäßigen Klinkerbauten. Ausgerechnet die Juristen hat es getroffen. Ausgerechnet das Institut der Universität, das junge Menschen aus der gesamten Bundesrepublik in diesen entlegenen Winkel des Landes lockt. „Natürlich bin ich vor allem wegen des guten Rufes gekommen“, erklärt ein Student im Foyer der Rechts- und Wirtschaftwissenschaftlichen Fakultät. „Seit Mittwoch gibt es hier kein anderes Thema mehr.“ Guttenberg, der sei neben dem Präsidenten des Bundesverfassungsgerichtes Andreas Voßkuhle das Aushängeschild in Bayreuth. Peter Häberle, Guttenbergs Doktorvater, gilt als Koryphäe auf seinem Gebiet. Das zieht Prominenz an. Erst im Dezember habe der frühere Bundespräsidentenkandidat Joachim Gauck einen Vortrag gehalten. Auch Gerhard Schröder sei schon da gewesen. Ob die künftig auch noch kommen? „Ich kann Ihnen sagen“, zischt ein weiterer angehender Jurist durchs Foyer, „genau darüber macht sich hier gerade jeder richtig Sorgen.“

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  • Ein Betrüger bleibt Minister, die Ladendiebin (Flaschenpfand genügt) wird gefeuert. In welcher Bananenrepublik leben wir eigentlich?
    Nicht nur der Verteidigungsminister, nun auch Fr. Merkel sollten schleunigst zurücktreten.

  • Uni Bayreuth schießt sich heute in der Pressekonferenz schlimmes Eigentor. Demach ist die Software schuld, die eine Arbeit im Netz auf verwendete Artikel abprüft. Sie sei aber nicht in der Lage gekapselte Werke zu öffenen, die nicht für die breite Öffentlichkeit zugänglich sind. Als Informatiker stehen mir die Haare zuberge wenn man bedenkt, diese Software wird weiter bedenkenlos genutzt, statt wie in der Promotionsordnunmg vorgeschrieben ein korrektes 1. und 2. Gutachten anzufertigen um den Probanten die Möglichkeit zur Korrektur sachlicher und orthographischer Fehler zu geben. Statt also per Augenschein zu prüfen, benutzt man eine unzureichende Software? Dass führt zur Frage, wieviele Fehler weisen jetzt frühere Dissertationen auf, die mit dieser Software ebenso lapidar geprüft wurden? Beginnt jetzt das grosse Zittern? Ach ja - wenn in der Wirtschaft sich eine Software als "Schrott" erweist, wird sie entweder durch eine neue oder manuelle Tätigkeit ersetzt.

  • Uni Bayreuth schießt sich heute in der Pressekonferenz schlimmes Eigentor. Demach ist die Software schuld, die eine Arbeit im Netz auf verwendete Artikel abprüft. Sie sei aber nicht in der Lage gekapselte Werke zu öffenen, die nicht für die breite Öffentlichkeit zugänglich sind. Als Informatiker stehen mir die Haare zuberge wenn man bedenkt, diese Software wird weiter bedenkenlos genutzt, statt wie in der Promotionsordnunmg vorgeschrieben ein korrektes 1. und 2. Gutachten anzufertigen um den Probanten die Möglichkeit zur Korrektur sachlicher und orthographischer Fehler zu geben. Statt also per Augenschein zu prüfen, benutzt man eine unzureichende Software? Dass führt zur Frage, wieviele Fehler weisen jetzt frühere Dissertationen auf, die mit dieser Software ebenso lapidar geprüft wurden? Beginnt jetzt das grosse Zittern? Ach ja - wenn in der Wirtschaft sich eine Software als "Schrott" erweist, wird sie entweder durch eine neue oder manuelle Tätigkeit ersetzt.

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