Plagiatsvorwürfe
Guttenberg droht Strafverfahren

Für den abgetauchten Verteidigungsminister wird es eng: Seine Universität setzt ihm eine Galgenfrist, seine CSU-Parteifreunde verlassen ihn - und nun könnte auch ein Strafverfahren gegen ihn eröffnet werden.
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BerlinIn der Affäre um seine abgeschriebene Doktorarbeit bekommt der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) zunehmend Druck: Nach diversen Strafanträgen gegen Guttenberg von Außenstehenden will nun auch das erste Plagiats-Opfer den Politiker anzeigen. Wie die "Berliner Zeitung" berichtet, arbeiten derzeit Juristen den Strafantrag aus. Guttenberg habe in großem Umfang Texte der Person, die nicht genannt werden will, plagiiert.

Damit ändert sich die juristische Bewertung des Falls komplett: Bislang liegen der Staatsanwaltschaft Hof über 100 Anzeigen wegen seiner Doktor-Schummelei vor - darunter war aber bislang keiner der Autoren, von denen Guttenberg abgekupfert hat. Für eine Strafverfolgung wegen Verletzung des Urheberrechts wäre deswegen bisher ein öffentliches Interesse an dem Fall nötig gewesen - und das ist umstritten. Da nun der erste betroffene Autor Guttenberg anzeigen will, rückt ein Strafverfahren in greifbare Nähe.

Bundestagspräsident Norbert Lammert wird in der Plagiatsaffäre um Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg keinen Strafantrag stellen, obwohl der CSU-Politiker aus wissenschaftlichen Gutachten des Parlaments abgeschrieben hatte. „Der Bundestagspräsident hat den Ältestenrat in seiner letzten Sitzung davon unterrichtet, dass dafür keine Notwendigkeit besteht“, zitiert der „Tagesspiegel“ Lammerts Sprecher Guido Heinen.

Eine Begründung habe der Sprecher nicht gegeben. Gutenberg war im Zuge der Affäre zurückgetreten. Die Universität Bayreuth hatte ihm zudem den Doktortitel aberkannt. Lammert hatte sich deutlicher als andere Unionspolitiker von Guttenberg distanziert. Ihm wurde der Satz zugeschrieben, die Plagiat-Affäre sei der „Sargnagel“ für das Vertrauen in die Demokratie.

Als ob das nicht genug wäre bekommt der gefallene Verteidigungsminister nun auch noch Druck von seiner Partei. "Ich glaube, dass es der Sache gut tut, hier Transparenz zu zeigen und auch an der Aufklärung mitzuwirken", sagte die CSU-Landesgruppenvorsitzende Gerda Hasselfeldt am Dienstag in Berlin.

Der frühere CSU-Vorsitzende Erwin Huber sagte "Spiegel Online": "Karl-Theodor sollte konstruktiv und ohne juristische Finessen an der restlosen Aufklärung aller Vorwürfe mitwirken. Das ist er auch seinen Freunden und Anhängern schuldig."

Über seine Anwälte will Guttenberg verhindern, dass der Untersuchungsbericht der Universität Bayreuth zur Plagiatsaffäre veröffentlicht wird. Die Hochschule hat nach eigenen Angaben ein entsprechendes Schreiben erhalten. Am Montag hatte bereits Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel den CSU-Politiker Guttenberg zur Aufklärung aufgefordert.

Die Universität Bayreuth Guttenberg eine Frist für eine nochmalige Stellungnahme zu seiner teils abgeschriebenen Doktorarbeit gesetzt. Bis zum 26. April habe Guttenberg Zeit, sich zu erklären, teilte die Universität am Dienstag mit.

Kommentare zu " Plagiatsvorwürfe: Guttenberg droht Strafverfahren"

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  • Ich muss Ihnen, pazi63, nur Recht geben.Dass Herr zu Guttenberg zuerst seine Doktorarbeit mit einer solch grandiosen Note absolviert hat (obwohl er sein juristisches Examen nur mit befriedigend abschloss), empfinde ich heute noch als sehr, sehr verwunderlich. Schorschi Schnabbelschnut würde sagen:
    Die Fakte misse mä schitze/awä net,wenn se nix nitze.
    (Die Fakten müssen wir schützen/aber nicht,wenn sie nichts nützen)

  • Ein Vergleich mit den Staatherren in den 40ern war mir seit Beginn der Affäre drängte sich mir auch von Anfang an auf.

    Willst Du den wahren Charakter eines Menschen kennenlernen, dann gebe ihm Macht.

    KTG war mit seinem Posten als Verteidigungsminister mit seiner Karriereplanung "im Plan", aber noch nicht fähig, die Gesetze alleine nach seinem Befürworten umzuschreiben.

    Komme mir niemand mit verharmlosenden Argumenten! Der Mann ist gefährlich und dort wo er ist, da soll er schön bleiben, sofern er die Schmach in diesem Leben auch über sich ergehen lassen kann.

    KTG hat nichts außer einen Bekanntheitsgrad erreicht, uns dabei belogen und betrogen. Jeder Bürger und Politiker sollte allerspätestens jetzt die Augen aufreißen und ihn ENDLICH ganz fallen lassen.

    Sodann können wir zu unseren anderen Problemen kommen. Davon gibt es genug. Aber eins haben wir sauber gelöst :-)

  • Das wurde ja auch Zeit, dass die plagiierten Autoren angesichts Guttenbergs Verschleierungstaktik tätig werden.
    Oder befürchten die plagiierten Autoren Ihrerseits eine Kontrolle Ihrer Arbeiten? .

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