Plagiatsvorwürfe: Merkel lässt Guttenberg antreten

Plagiatsvorwürfe
Merkel lässt Guttenberg antreten

Der Plagiator kneift: Bei einer geplanten Rede am Abend ist der Verteidigungsminister plötzlich unabkömmlich - nun muss sich Guttenberg wegen der Mogel-Vorwürfe in tiefer Nacht bei der Kanzlerin erklären.
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Berlin/BarlebenDer wegen Plagiatsvorwürfen unter Druck geratene Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist am Donnerstagabend mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zusammengekommen. Merkel wolle bei dem Treffen im Berliner Kanzleramt von dem CSU-Politiker „ein paar Erklärungen“, berichtete das ZDF-„heute journal“.

Guttenberg igelt sich ein: Etwa 600 CDU-Anhänger haben am Donnerstagabend in Sachsen-Anhalt vergebens auf den Bundesverteidigungsminister gewartet. Ursprünglich wollte Guttenberg nach seinem Kurzbesuch in Afghanistan zu einem Wahlkampftermin nach Barleben bei Magdeburg kommen.

Der stellvertretende CDU-Fraktionschef Holger Stahlknecht sagte zu den Wartenden, das Ministerbüro habe um 18.25 Uhr angerufen und mitgeteilt, dass „Guttenberg in Berlin unabkömmlich ist“. Guttenberg sei erst gegen 17.00 von seinem Kurztripp nach Afghanistan wieder in Berlin gelandet.

Sowohl Stahlknecht als auch der CDU-Spitzenkandidat, Wirtschaftsminister Reiner Haseloff, sagten, sie hätten den ganzen Tag mit dem Ministerbüro im Kontakt gestanden. Die Absage sei offenbar eine Ad-hoc-Entscheidung gewesen. Die Veranstaltung sei lange vorbereitet worden und sollte einer der Höhepunkt im CDU-Wahlkampf in Sachsen-Anhalt sein, sagte Haseloff mit Bedauern.

Im Verteidigungsministerium herrscht Funkstille: Am Donnerstagabend war dort niemand erreichbar - zur kurzfristigen Absage des Wahlkampftermins gibt es keine weiteren Auskünfte.

Guttenberg sieht sich derzeit dem Vorwurf ausgesetzt, mehrere Passagen seiner Doktorarbeit abgeschrieben zu haben. In Barleben wollte er vor Mitgliedern des CDU-Kreisverbandes Börde über die Neugestaltung der Bundeswehr sprechen.

Hat sein Abtauchen mit den Plagiatsvorwürfen gegen ihn zu tun? Die Mogel-Vorwürfe gegen den Verteidigungsminister werden immer massiver: Erst zählte der Jura-Professor Andreas Fischer-Lescano mehrere Passagen auf, in denen der Politiker offenbar fast wortgleich andere Autoren wiedergibt, ohne das zu kennzeichnen. Dann entdeckten Medien weitere verdächtige Abschnitte. Plagiatsjäger tragen zudem in Blogs und dem Wiki GuttenPlag Fundstellen zusammen.

Die Zahl der Autoren, von denen der CSU-Politiker abgeschrieben haben soll, ist inzwischen auf 15 gestiegen - darunter sogar einer seiner Vorgänger. In der Dissertation finde sich eine Textpassage aus einem Aufsatz des Staatsrechtlers und ehemaligen Verteidigungsministers Rupert Scholz (CDU), schrieb „Spiegel Online“ am Donnerstag. Dabei geht es um einen Beitrag von 2001 mit dem Titel „Fünfzig Jahre Bundesverfassungsgericht“. Er war in der Publikation „Aus Politik und Zeitgeschichte“ erschienen, einer Beilage der Wochenzeitung „Das Parlament“, die von der Bundeszentrale für politische Bildung herausgegeben wird. Eine Fußnote von Scholz übernahm er dabei wortgleich, ein Hinweis auf Scholz fehlte aber.

Die Uni Bayreuth hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) aufgefordert, binnen zwei Wochen zu den Plagiatsvorwürfen bei seiner Doktorarbeit Stellung zu nehmen. "Wir nehmen die Vorwürfe sehr ernst", sagte Uni-Präsident Rüdiger Bormann am Donnerstag in Bayreuth. Es gebe keine Hinweise darauf, dass das Promotionsverfahren nicht ordnungsgemäß verlaufen sei. "Wir haben sehr strenge Qualitätsmaßstäbe", betonte Bormann. "Wir sind gut beraten, diese einzuhalten."

Der Präsident geht davon aus, dass zu Guttenberg eine ehrenwörtliche Erklärung abgegeben hat, die Arbeit selbstständig verfasst und alle Quellen offengelegt zu haben. Der Minister soll an mehrerer Stellen seiner 475 Seiten starken Doktorarbeit "Verfassung und Verfassungsvertrag" an der juristischen Fakultät fremde Textpassagen ohne Quellenangabe verwendet haben.

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  • Guttenberg ist so was von am Ende, das können sich einige hier noch garnicht vorstellen.

    Wenn er seinen Doktortitel demnächst abgenommen bekommt,
    und das wird er ohne wenn und aber, wird er sich nirgends mehr blicken lassen können.


    Warum er den Titel aberkannt bekommt?
    Alles andere wäre das Ende für Bayreuth und Co,
    Jeder Doktorant würde seine Gegeltheit als Präzdenzfall heranziehen.

    Alternativ:
    Alle machen aus Liebe zu ihrem zukünftigen Landesvater eine Ausnahme.

  • http://www.zeitgeist-online.de/exklusivonline/dossiers-und-analysen/230-das-guttenberg-dossier-teil-1.html

    …soviel dazu!

  • Man kann's ja nicht oft genug bereit stellen:

    http://www.zeitgeist-online.de/exklusivonline/dossiers-und-analysen/230-das-guttenberg-dossier-teil-1.html

    http://www.zeitgeist-online.de/exklusivonline/dossiers-und-analysen/632-das-guttenberg-dossier-teil-2.html

    auch wenn's schwer fällt, so ist es doch sehr lehrreich.

    Gruß ironalex

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