Plagiatsvorwürfe Uni prüft Chatzimarkakis' Doktorarbeit

Flucht nach vorne: FDP-Politiker Jorgo Chatzimarkakis hat die Uni Bonn gebeten, seine Doktorarbeit zu überprüfen. Sie steht unter Plagiatsverdacht. Unterdessen erhält er Rückendeckung aus den eigenen Reihen.
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FDP-Europaabgeordnete Jorgo Chatzimarkakis. Quelle: dpa

FDP-Europaabgeordnete Jorgo Chatzimarkakis.

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Berlin/Bonn/BrüsselDie Universität Bonn will die unter Plagiatsverdacht geratene Doktorarbeit des Europa-Abgeordneten Jorgo Chatzimarkakis prüfen. Sobald die erforderlichen Unterlagen aus dem Archiv beschafft seien, werde dazu eine Sitzung des Promotionsausschusses einberufen, sagte der Dekan der Philosophischen Fakultät, Günther Schulz, am Montag in Bonn. Die Uni folge damit einer Bitte des FPD-Politikers.

Chatzimarkakis hatte sich am Wochenende an Schulz gewandt und gebeten, seine Doktorarbeit dahingehend zu überprüfen, „ob sie den Ansprüchen der Universität Bonn an gutes wissenschaftliches Arbeiten genügt“. Die jüngsten Debatten über Doktorarbeiten deutscher Politiker hätten ihn zu dem Schritt veranlasst, teilte er dem Dekan weiter mit.

Rückendeckung erhält der FDP-Politiker aus den eigenen Reihen. Sein Fraktionskollege im Europaparlament, Alexander Graf Lambsdorff, forderte „Schluss mit dem Pranger im Netz“.

Chatzimarkakis habe es als „kreativer Kopf und mutiger Querdenker“ mit Sicherheit „nicht nötig gehabt, Textstellen anderer Autoren zu übernehmen, um Ideen zu produzieren“, erklärte Lambsdorff.

Alles nur geklaut?
Guttenberg soll bei Doktorarbeit abgeschrieben haben
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Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) wehrte sich vergeblich gegen Vorwürfe, er habe bei seiner Doktorarbeit bewusst getäuscht. Der akademische Titel wurde ihm aberkannt, Minister ist er auch nicht mehr. Nun will er mit seiner Familie für einige Jahre ins Ausland gehen. Auch andere Prominente sahen sich bereits mit dem Vorwurf des Diebstahls geistigen Eigentums konfrontiert.

BRITAIN'S PRIME MINISTER BLAIR AND US SECRETARY OF STATE POWELL IN DOWNING STREET
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Mit fremden Federn schmückte sich 2003 auch die seinerzeit amtierende britische Regierung um Tony Blair (vorne im Bild). Ein angebliches Geheimpapier des britischen Nachrichtendienstes sollte die Behauptungen der USA untermauern, der Irak besäße Massenvernichtungswaffen. Tatsächlich war das 19-seitige Dokument, aus dem der damalige US-Außenminister Colin Powell (links im Bild) vor dem UN-Sicherheitsrat zitierte, aus drei Artikeln zusammengeschustert, von denen einer von einem US-Studenten stammte. Alle Artikel waren darüber hinaus einige Monate oder sogar Jahre alt.

Tang Jun, New Huadu Industrial Group's CEO and China's highest paid employee...
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Wenn es um die Karriere geht, schrecken auch Wirtschaftsbosse nicht vor Fälschungen zurück: So auch der den Ex-China-Boss von Microsoft, Tang Jun. Der Manager soll sich laut Fang Zhouzi, einem bekannten chinesischen Blogger und selbsternannten Wissenschaftspolizist, unrechtmäßig einen Doktortitel zugelegt haben.

Michel Houellebecq gewinnt Prix GoncourtMichel Houellebecq
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Besonders häufig kommen Plagiatsvorwürfe unter Künstlern und Schriftstellern vor: So wurde der französische Skandal-Autor Michel Houellebecq 2010 vom französischen Online-Magazin "Slate.fr" beschuldigt, aus dem Internet abgeschrieben zu haben. Passagen und Zitate aus seinem neuen Roman "La carte et le territoire" sollen unter anderem von Wikipedia abgekupfert worden sein, ohne dass der Autor die Quellen nannte. Houellebecq bezeichnete die Vorwürfe als "lächerlich".



Jahresrückblick 2010 - Jungautorin Helena HegemannHelene Hegemann
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Auch in Deutschland gab es 2010 Plagiatsvorwürfe. "Axolotl Roadkill", der Debütroman von Jungautorin Helene Hegemann, sorgte 2010 für Furore. Vor allem deshalb, weil der Schriftstellerin nachgewiesen wurde, Ideen für Teile ihres Buches unter anderem von einem Berliner Blogger geklaut zu haben. Es dauerte bis zur vierten Auflage, bis dem Roman ein detailliertes Quellenverzeichnis angehängt wurde.

Prozess um "Sakrileg" - Brown weist Vorwürfe zurück
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Auch Bestseller-Autor Dan Brown wurde Ideenklau vorgeworfen: Nach der Veröffentlichung seines Verschwörungsromans "Sakrileg" ("The Da Vinci Code") verklagten die beiden Historiker Michael Baigent und Richard Leigh den Schriftsteller wegen der Verletzung von Urheberrechten. So waren laut den Geschichtswissenschaftlern zentrale Thesen aus ihrem Sachbuch "Der heilige Gral und seine Erben" in Browns Roman zu finden. Doch die Schadensersatzklage in Millionenhöhe scheiterte. Brown hatte die Nutzung der Quelle nie bestritten.

Die Harry-Potter-Saga - Joanne K. Rowling
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2002 sah sich "Harry Potter"-Autorin J.K. Rowling Plagiatsvorwürfen gegenüber: Die US-Kinderbuchautorin Nancy Stouffler verklagte die Britin, bei ihrer Geschichten-Serie "Larry Potter" abgekupfert zu haben. Das Gericht konnte allerdings nur minimale Ähnlichkeiten zwischen den Bestseller-Romanen Rowlings und den Büchern von Stoufler feststellen und sprach die Harry-Potter-Autorin vom Vorwurf des Plagiarismus und Betrugs frei.

Die Plagiatsfahnder von „VroniPlag“ wollen auf 21,58 Prozent der Seiten von Chatzimarkakis' Doktorarbeit Plagiate gefunden haben. Der Politiker erklärte daraufhin, in seiner Promotion habe er „nach aktueller Prüfung“ verschiedene Zitierweisen verwendet. Dies schaffe Raum für Spekulationen.

Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) war der Doktortitel vor zweieinhalb Monaten entzogen worden. Inzwischen ist auch die Tochter des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU), Veronica Saß, ihren Doktortitel los. Die ebenfalls unter Plagiatsverdacht stehende FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin legte alle Parteiämter nieder und trat als Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments zurück.

Die Arbeit von Chatzimarkakis mit dem Titel „Informationeller Globalismus. Kooperationsmodell globaler Ordnungspolitik am Beispiel des Elektronischen Geschäftsverkehrs“ wurde im Februar 2000 von der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn anerkannt. Gutachter waren Professor Detlev Karten und Professor Uwe Holtz.

  • dpa
  • dapd
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2 Kommentare zu "Plagiatsvorwürfe : Uni prüft Chatzimarkakis' Doktorarbeit"

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  • Ganz einfach: Es findet jetzt eine allg. Vorverurteilung statt, sobald auch nur jemand den Namen eines Politikers und das Wort "Plagiat" im selben Satz nennt. Implizit unterstellen Sie ja auch Herrn Lambsdorff, vielleicht unbeabsichtigt, dass er vielleicht selber betrogen hat oder irgendwo beigeholfen hat, nur weil er fordert "weg mit dem Pranger".

    In Deutschland haben wir den Rechtsgrundsatz "Unschuldig, bis die Schuld bewiesen ist."

    Deshalb möchte ich allen raten: Warten Sie bitte erst die Prüfung der zuständigen Universitäten ab, bevor Sie jemanden Verurteilen.

  • Schluss mit dem Pranger im Netz

    Früher war der Ruf "Haltet den Dieb!". Nach Hr. Lambsdorff sollte der Ruf wohl lauten "Keine Diskriminierung für Diebe!". Für die FDP ist das vielleicht eine Wahlkampfparole. Ein Akademiker hat nicht besonders viel Sympathie für einen Schmallspur-Doktor, welcher nicht korrekt zitieren kann.
    Die Uni soll prüfen, vielleicht ist das Werk ja kein Plagiat. Aber warum hat dann der FDP Parteifreund so laut "weg mit dem Pranger" gerufen?

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