Plan für Wechsel reifte monatelang in Schröder
Machtwechsel in der SPD

Das ist kein guter Tag für Thüringen“, sagt Heinz Walther. Vor dem Rentner auf dem Tisch liegt die Einladung seiner Partei, Gerhard Schröder sollte sprechen in der Stadthalle Arnstadt am vergangenen Freitag. Doch in und um Berlin hat sich überraschend etwas geändert. Die Biathlon-WM oben in Oberhof beginnt jetzt ohne ein Grußwort Schröders, und auch die Arnstädter SPD muss mit einem anderen vorlieb nehmen.

Der Kanzler bleibt also, wo er ist, Franz Müntefering kommt von links, ganz normal durch die Tür. Es ist Freitagabend, der erste Auftritt des designierten Parteichefs an der Basis, der Beifall ist höflich. Jeder weiß, jetzt gibt es auch in Thüringen Politik ungepudert. Bunt ist nur noch die Deko auf der Bühne, vier knallrote Ledersessel und die azurblaue Stellwand. Darauf der Satz: „Das Wichtige tun.“ Mit dem dicken Punkt, als ob es keine Alternative mehr gebe. Trefflich hätte hierhin der Gerhard Schröder gepasst.

Bei Franz Müntefering ist alles grau in grau, Hemd, Hose, Sakko. Es bebelt, der ganze Auftritt hat etwas Schulmeisterliches, wie er streng dasteht auf der Bühne, mit den zu kurzen Ärmeln, dem steifen Kreuz und den Falten um den Mund, die zum Kinn führen, als wollten sie nicht enden.

Mit ähnlicher Miene wird er danach von seiner harten Jugend erzählen. Dann allerdings bekommt die zur Schau gestellte sauerländische Knorrigkeit eine Authentizität, als habe Müntefering die enge Welt von Neheim-Hüsten nie verlassen. Müntefering gibt den wurzelechten sozialdemokratischen Aufsteiger, ohne jeden Zug ins Neureiche. Biografie statt Krise, Müntefering erzählt Geschichten, um sich und der Partei klar zu machen, dass es immer wieder vorwärts gehen kann. „Nichts von allem, was erstritten ist, ist sicher“, sagt er am Ende. Selten war so viel Emotion, die Genossen erheben sich.

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