Plan
Rösler will Griechenland aufpäppeln

Der Minister will der Wirtschaft des Landes wieder auf die Beine helfen. Die deutschen Unternehmen erklären sich dazu bereit.
  • 9

BerlinBundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hat eine Art Marshallplan für Griechenland erarbeitet. "Ohne Überwindung der Wettbewerbsschwäche der griechischen Wirtschaft kann die Krise nicht nachhaltig bewältigt werden", heißt es in dem 16 Punkte umfassenden Konzept mit dem Titel "Investitions- und Wachstumsoffensive für Griechenland", das dem Handelsblatt (Freitagausgabe) vorliegt. Ziel ist es, Investitionsanreize für Unternehmen zu setzen, um dauerhaft das griechische Wirtschaftswachstum zu erhöhen, heißt es in dem Papier.

Als Start für seine nationale Wachstumsoffensive will Rösler zeitnah eine Investitionskonferenz mit den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft einberufen. Der griechischen Regierung bietet Rösler "beratende Unterstützung" bei der Privatisierung ihres staatlichen Vermögens an.

Die deutsche Industrie hatte Griechenland am Donnerstag ebenfalls Unterstützung angeboten. Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Markus Kerber, sagte, die diskutierten Finanzhilfen für das Land seien nur ein wichtiges Element zur Überwindung der Probleme. „Wir brauchen dringend auch ein Investitionsprogramm, einen Business-Plan, einen Plan für die Umgestaltung der griechischen Volkswirtschaft.“ Das Land müsse seine Schulden nicht nur tragen können, sondern mit Hilfe eines anderen Wirtschaftsmodells auch Erträge erzielen, um seine Schulden langfristig abzubauen.

Rösler sagte, die deutsche Wirtschaftsförderungsgesellschaft "Germany Trade and Invest" solle Griechenland helfen, Investoren zu gewinnen. Als zukunftsfähige Wachstumsbereiche gelten die Bereiche Erneuerbare Energien, Kraftwerksbau, Netzausbau und Energieeffizienz. Wirtschaftliches Potenzial sieht das Wirtschaftsministerium auch im Tourismus, in der Telekombranche und dem Transportwesen.

Auf europäischer Ebene sieht das Förderprogramm ebenfalls ein Bündel an Maßnahmen vor. Danach soll die EU-Kommission nach Absprache mit der Bundesregierung zu einer "gemeinschaftsweiten Investorenkonferenz" einladen. Als Prüfauftrag wird die "Einrichtung von Modellregionen mit einem Sonderregime" ins Spiel gebracht: Diese Modellregionen sollten ein eigenes Arbeitsrecht, Steuerrecht und Planungsrecht erhalten und einen einheitlichen Ansprechpartner für Investoren bekommen, heißt es in dem Papier.

Hilfe für Griechenland soll es auch bei den milliardenschweren EU-Strukturfonds geben. Rösler will die gemeinschaftliche Finanzierung aus den EU-Strukturfonds zeitlich befristet auf über 85 Prozent erhöhen. "Die griechischen Strukturfondsprogramme sollten zudem kurzfristig umprogrammiert und vorrangig auf die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit ausgerichtet werden", heißt es in dem Papier.

Der Autor ist Ressortleiter Wirtschaft und Politik.
Thomas Sigmund
Handelsblatt / Ressortleiter Politik und Leiter des Hauptstadtbüros

Kommentare zu " Plan: Rösler will Griechenland aufpäppeln"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Schlapper Versuch von Rösler, sich und seine FDP aus dem Umfragetief rauszubringen.

    Er schafft es auf jeden Fall noch unglaubwürdiger zu werden.

    Klasse, weiter so Herr Rösler, darin sind sie wirklich gut...weiter so!!!

  • Ich weiss also nicht, ob ich mich aufregen soll, dass ich der deutsche Wirtschaftsminister sich um Griechenland kümmert, wo doch hier genügend Baustellen offen wären, oder ob ich nicht doch froh sein soll, dass er nicht in Deutschland rumpfuscht?

    http://www.facebook.com/Deutsche.Mark.statt.Euro

  • Im Zeitraum 1976 – 2008 haben die Hauptempfängerländer der EU folgende Leistungen empfangen (in Milliarden Euro):
    Spanien 157,5
    Griechenland 133,5
    Portugal 72
    Irland 67,5
    ...............Gesamt 430,5

    30 Jahre Umverteilung hat keine "blühenden Landschaften" geschaffen. Konfidenz, dass sich dies künftig ändert ist ist nahe null --> Stecker ziehen!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%