Plan von Schäuble

Gläubiger sollen für Griechenland mitzahlen

Ein neuer Hilfsbeitrag für Griechenland soll mehr als 100 Milliarden Euro kosten. Die Bundesregierung pocht auf die Beteiligung privater Gläubiger. Für die Banken könnte diese Hilfe aber äußerst heikel werden.
Update: 05.06.2011 - 16:33 Uhr 42 Kommentare
Welche Folgen eine Griechenland-Pleite hätte
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Wie hoch waren in der Vergangenheit die Verluste privater Gläubiger bei Staatspleiten? Die Rating-Agentur Moody's hat 13 staatliche Zahlungsausfälle zwischen 1998 und 2008 untersucht. Danach mussten die Gläubiger 30 Tage nach dem Zahlungsverzug einen durchschnittlichen Abschlag von rund 50 Prozent hinnehmen. Der Zahlungsausfall schwankte in den einzelnen Ländern aber stark. Gläubiger der Dominikanischen Republik kamen mit einem Minus von fünf Prozent noch glimpflich davon. Für Zeichner russischer Anleihen lag der Verlust mit 82 Prozent um ein Vielfaches höher. Fotos: AP, dpa

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Wurden ausländische Gläubiger benachteiligt? Grundsätzlich werden ausländische Investoren nicht schlechter behandelt als einheimische Gläubiger. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF). Allerdings gibt es auch hier keine Regeln ohne Ausnahmen: Sowohl die Ukraine als auch Russland räumten den einheimischen Investoren "deutlich bessere Deals" ein.

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Wie schnell erholen sich Länder von einer Staatspleite? "Sowohl die russische als auch die argentinische Wirtschaft konnten die Krise relativ schnell überwinden, profitierten dabei aber von außergewöhnlich günstigen Rahmenbedingungen", heißt es in einer Commerzbank-Studie. In Russland brach die Wirtschaftsleistung im Krisenjahr 1998 um rund 5,5 Prozent ein, ehe sie in den Folgejahren wegen des Rohstoffbooms um durchschnittlich etwa sieben Prozent wuchs. Auch Argentinien erholte sich dank der steigenden Rohstoffnachfrage rasch. "Anleger sollten diese Erfolge daher nicht bedenkenlos auf andere Länder übertragen", warnen die Experten der Commerzbank.

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Sind Hilfen des IWF eine Garantie gegen Staatspleiten? Neben den Euro-Ländern hilft auch der IWF mit Geldern aus: Sowohl in Griechenland als auch in Irland ist der erfahrende Krisenhelfer mit im Boot. Aber auch IWF-Hilfen waren in der Vergangenheit keine Garantie gegen Staatspleiten, wie das Beispiel Russland zeigt. IWF und Weltbank sagten dem vor dem finanziellen Kollaps stehenden Land im Krisenjahr 1998 Hilfen von 22,6 Milliarden Dollar zu. Dennoch bediente der Staat ab August 1998 seine Schulden nicht mehr.

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Was passiert, wenn IWF-Auflagen missachten werden? Bedingung für IWF-Hilfen sind strenge Auflagen, die aber nicht immer eingehalten werden. Der IWF schnürte 2000/2001 mehrere Hilfspakete für Argentinien - er erhöhte die Kreditlinien, organisierte Kreditzusagen der Weltbank und der spanischen Regierung. Die Regierung aber sparte nicht wie vereinbart, sondern fuhr ihre Ausgaben im Kampf gegen die Wirtschaftskrise sogar hoch. Argentinien verfehlte damit die mit dem IWF vereinbarten Haushaltsziele. Der Fonds setzte deshalb im Dezember 2001 die Zahlungen aus. Am 3. Januar 2002 konnte Argentinien seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen.

Berlin

Die Bundesregierung will beim zweiten Rettungspaket für Griechenland neben den Steuerzahlern diesmal auch die Banken zur Kasse bitten. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble beharre auf einen erheblichen Beitrag der privaten Gläubiger, berichtete der "Spiegel". Ein von seinen Beamten entwickeltes Modell sieht einen freiwilligen Umtausch von Staatsanleihen in Papiere mit siebenjähriger Laufzeit vor. Wie viel Geld das hoch verschuldete Land noch braucht, blieb am Wochenende unklar. Muss es noch drei Jahre am Tropf von IWF und Euro-Zone hängen, könnten es über 100 Milliarden Euro werden.

Das "Wall Street Journal" meldete unter Berufung auf ranghohe Offizielle, die Banken würden mit 30 Milliarden Euro zur Kasse gebeten. Darauf hätten sich die 17 Regierungen der Euroländer in einer "vorläufigen Vereinbarung" über ein neues Hilfspaket für das angeschlagene Land an der Ägäis geeinigt. In Brüssel war am Sonntag keine Bestätigung zu erhalten. Ein Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn sagte zu dem Bericht: "Keinesfalls. Das ist unbegründet." Einer solchen Einigung müssten alle EU-Finanzminister zustimmen. In EU-Kreisen war zu hören, es seien mehrere Szenarien im Gespräch - und dieses könne eines davon sein. Einen Konsens gebe es aber noch nicht.

Akropolis über Athen: Das Land benötigt weitere Milliardenhilfen. Quelle: dpa

Akropolis über Athen: Das Land benötigt weitere Milliardenhilfen.

(Foto: dpa)

Ein zweite Rettungspaket wird notwendig, weil sich der bisherige Plan nicht halten lässt, dass Griechenland ab dem Frühjahr 2012 an den Kapitalmarkt zurückkehrt. Bleibt der Weg wegen zu hoher Zinsen länger versperrt, würde bis Ende 2013 ein Haushaltsloch von 65 Milliarden Euro aufreißen. Ein Jahr später wären es schon 132 Milliarden Euro. Dem "Spiegel" zufolge halten Schäubles Beamte und Experten der Troika von EU, EZB und IWF ein zweites Hilfspaket in dreistelliger Größenordnung für möglich.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble: Pläne für ein zweites Rettungspaket. Quelle: dapd

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble: Pläne für ein zweites Rettungspaket.

(Foto: dapd)

Das seit gut einem Jahr laufende Kreditprogramm ist bereits 110 Milliarden Euro schwer. Deutschland ist mit 24,4 Milliarden Euro beteiligt. Weitere Lasten will Schäuble den Steuerzahlern allerdings nicht ohne eine Beteiligung der Banken aufbürden. Dem "Spiegel" zufolge hatte Schäuble deshalb seinen Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen vor einem Treffen von Spitzenbeamten der Euro-Zone am vergangenen Mittwoch in Wien angewiesen, keinem zweiten Programm ohne Beteiligung privater Gläubiger zuzustimmen. Damit habe der Beamte jedoch allein gegen die übrigen Vertreter gestanden. Asmussen habe gewarnt, dass es ohne Banken-Beteiligung keine Zustimmung des Bundestages geben werde und damit kein neues Programm - die Folge wäre ein Pleite.

CSU-Chef Host Seehofer sagte der "Bild am Sonntag", ob der Bundestag neuen Kredithilfen zustimme, hänge von zusätzlichen Sparanstrengungen der Griechen ab. Unionsfraktionschef Volker Kauder sagte, die Anstrengungen des Landes reichten bisher nicht aus. "Wir müssen Griechenland mit harter Hand auf den Weg der Solidarität führen", sagte er der "Bild"-Zeitung (Montagausgabe). Griechenland müsse endlich ein Staat mit mitteleuropäischen Standards werden.

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42 Kommentare zu "Plan von Schäuble: Regierung spannt Banken in Griechenland-Rettung ein "

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  • Von Angeln und Sachsen ist nicht mehr viel zu sehen,eher von Indern,Pakistani,Kenianern usw. Auch die Schotten wollen sich wieder selbstständiger machen.

  • Nein Danke. Griechenland sollte zurück zur Drachme. Dann können sie auch ihre Statistiken wieder nach Belieben fälschen.

  • Europa und Demokratie, zwei wunderschöne griechische Worte. Ohne Griechenland geht gar nichts ! Also, weiterzahlen.

  • Quatsch, die Jungs hab ich im Griff.

  • tja, alle haben dann etwas vom Staatsbankrott - vor allem auch des deutschen, der sich ja dann bald anschließt.
    Gute Idee, wenn man endlich die EU loswerden will und diese vermaledeite Kunstwährung, die einfach alles zerstört.
    Es wird braun gewählt werden - aus Notwehr! Und das ist jedermanns gutes Recht. NOTWEHR!

  • Das Problem ist: Rot-Grün wäre noch schlimmer. Da gibt's dann das EU-Finanzministerium und die Eurobonds. Naja, hätte den Vorteil, dass der Laden schneller auseinanderfliegt. Die Grünen sind doch die Schlimmsten in diesem Schmierentheater. Das sollten mal alle recherchieren und begreifen, die diese EU-Fetischisten - koste es, was es wolle - wählen...

  • Ja, schreib doch was! Würdest Du die DrachmenMark gut heissen? Ist doch auch eine D-Mark.

  • Nö, lieber die Drachme in Deutschland einführen.

  • gebt ihnen 350 mrd. euro dann ist endlich wieder ruhe. wegen der paar kröten soll man nicht heulen, und die griechen sollen mal schön den euro behalten. ich mag nämlich das doofe währungswirrwarr nicht. besser ist es denen innerhalb europas noch ein bisschen entwicklungshilfe zu spendieren. das wird mit anderen ländern ja auch gemacht. später haben dann alle was davon.

  • Ja und rein in den US Dollar !

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