Planspiele für das Schattenkabinett Merkel
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Edmund Stoiber findet wieder einmal kein Ende. Vor ihm auf dem riesigen Kabinettstisch im Bundeskanzleramt türmen sich die Akten und grünen Klarsichtfolien – und der Superminister im schwarz-gelben Bundeskabinett wiederholt stakkatoartig die wichtigsten Themen zum Jahresende 2006: Kündigungsschutz, Aufbau Ost und immer noch das leidige Thema Hartz IV.

HB BERLIN. Die Kanzlerin, Angela Merkel, sitzt daneben, blättert in ihren Papieren und wartet. Jeder am Tisch weiß, jetzt darf man den Bayern, den verhinderten Kanzler, nicht unterbrechen. Gegenüber von Edmund Stoiber sitzt Rainer Brüderle und scharrt unter dem Tisch mit den Füßen. Er würde ganz gerne was dazu sagen, darf aber nicht. Denn er ist nicht Wirtschafts-, sondern Landwirtschaftsminister geworden und damit jetzt für die Kühe und Schweine im Land zuständig. Außenminister Guido Westerwelle lehnt sich entspannt zurück in seinem schwarzen Ledersessel. In drei Stunden geht die Regierungsmaschine nach New York. Uno-Generalsekretär Kofi Annan hat zum Gespräch gebeten, so kann Westerwelle dem Regierungsalltag in Berlin entfliehen. Innenminister Wolfgang Gerhardt schielt neidisch zu ihm hinüber, vor sich den neuesten Vorschlag zur Zuwanderung.

Angela Merkels Schattenkabinett im Bild

Sollte Schwarz-Gelb die nächste Bundestagswahl im Jahr 2006 gewinnen, könnte eine solche Runde schnell Realität werden. Zwei Jahre vor dem Urnengang beschäftigen sich die Noch-Oppositionspolitiker bereits rege mit möglichen Ministerposten. Der bayerische Ministerpräsident torpedierte zuletzt schon mal vorsorglich das Duo Merkel und Westerwelle mit einem wachsweichen Dementi des ungefähr so lautenden Satzes: „Die können denen“, damit meinte er Schröder und Fischer, „das Wasser nicht reichen.“

Zwar beteuern alle Parteien, offiziell habe man sich „noch in keiner einzigen Sitzung mit Personalfragen“ beschäftigt, wie es etwa im Adenauer-Haus, der CDU-Parteizentrale, oder im Dehler-Haus, wo die Liberalen der Regierungsübernahme harren, heißt. Doch das bedeutet nicht, dass nicht doch schon darüber nachgedacht würde, und zwar ganz konkret. Nur herausdringen darf nichts. Denn: „Wer sich zuerst bewegt, ist tot“, resümiert ein alter Fahrensmann der CSU.

Allzu viele Begehrlichkeiten müssen in Schach gehalten, andere geschickt befördert werden. So hat etwa die CDU-Spitze ein dichtes Geflecht von Wunschvorstellungen zu befriedigen. Frauen sollen 2006 verstärkt bedacht werden, der Osten muss sich gebührend aufgewertet im Kabinett wiederfinden, herausragende Talente sollen ausgewählt und auch der stärkste Landesverband, NRW, gebührend bedacht werden. Letzteres geht allerdings erst nach der Landtagswahl im kommenden Frühling.

Eine Personalie indes zweifelt nur noch eine Hand voll von CSUlern an: Bundeskanzlerin wird die Mutter der Kompanie, CDU- Chefin Angela Merkel. Auch Michael Glos (CSU), mit dem Merkel in der Öffentlichkeit längst Huldigungen austauscht, steht als Verteidigungsminister ganz oben auf der inoffiziellen Kabinetts-Aufstellung.

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