Plasberg-Kritik
Flut-Talk in der Talkshowflut

Die Idee, Frank Plasbergs Talkshow "hart aber fair" nicht einem Fußball-Thema, sondern sehr kurzfristig der aktuellen Flut zu widmen, entpuppte sich als ausgesprochen schlecht.
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Häufig wird dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen in Deutschland vorgeworfen, einfach zu viele Talkshows zu senden: der "Talkshowflut"-Vorwurf. Die ARD wird nach langen Diskussionen ab Ende 2014 die Zahl ihrer wöchentlichen Abend-Talkshows von fünf auf vier reduzieren.

Ein Vorwurf, dem sich die Redaktionen einzelner Talkshows (die auch untereinander um Gäste, Ideen und Zuschauer konkurrieren) oft gegenübersehen, ist der, ein brisantes Thema verpasst zu haben. Deswegen werden manchmal angekündigte, vorbereitete Themen kurzfristig gegen aktuelle ausgetauscht. Am Montagabend war es wieder so weit. Eigentlich stand das Thema "Vorbild Heynckes - wer will wirklich bis Siebzig arbeiten?" auf dem Sendeplan des ARD-Talkmasters Frank Plasberg. Das wäre der dritte Fußball-inspirierte Talk-Titel in seiner "hart aber fair"-Sendung in nur sieben Wochen gewesen (nach "Festgeldkonto schlägt Echte Liebe - was lehrt uns der Bayernsieg?" und "Ausgerechnet Hoeneß - wem kann man jetzt noch trauen?"). Wegen der in vielen deutschen Regionen wütenden Überschwemmungen wurde am Nachmittag stattdessen eine Flut-Talkshow anberaumt. Das war keine gute Idee.

Den kurzfristig eingeladenen Gästen ließ sich kein Vorwurf machen. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) tat, was er in jeder der zahlreichen Talkshows tut, in die er eingeladen wird: Er präsentierte sich als verantwortungsbewusster und konsensorientierter Kümmerer. Er versprach sowohl den Betroffenen kurzfristige Hilfe als auch langfristige Maßnahmen zum Hochwasserschutz.

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast hatte offenkundig verinnerlicht, was schon in so manchen Talkshows besprochen worden war (und auch gestern am länglichen Ende der Sendung wieder ausführlich besprochen wurde): Während Naturkatastrophen wüten, sollten Oppositions-Politiker nicht die Regierung attackieren, weil das auf potenzielle Wähler einen schlechten Eindruck macht. Insofern verschonte sie Altmaier mit zu viel Kritik. Sie forderte kurzfristige Hilfe für die Betroffenen und langfristige Maßnahmen zum Hochwasserschutz.

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  • Das war wieder mal mustergültiges Bildungsfernsehen vom Feinsten. Wenn Verdummung und seichte Unterhaltung das Ziel des staatlich kontrollierten ÖR ist, dann haben sie es erreicht.

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