Platzeck-Nachfolge
Kurt Beck – der Alternativlose

Nun also Kurt Beck: Nach dem überraschendem Rücktritt von Parteichef Matthias Platzeck soll er bei der SPD das Ruder übernehmen. Die Sozialdemokraten loben Beck als "Vollblutpolitiker mit Bodenhaftung". Dabei fehlt es den Genossen derzeit vor allem an Alternativen. Andere Hoffnungsträger sind weit und breit nicht in Sicht.

HB BERLIN. Es habe keine andere "verantwortbare Entscheidung" gegeben, sagte Matthias Platzeck zu seinem Rücktritt als SPD-Parteivorsitzender. Er habe "einen Strich" ziehen müssen, weil er seine Kräfte überschätzt habe. Es hätte keinen Sinn ergeben, "weiter gegen die Wand zu laufen".

Der brandenburgische Ministerpräsident hat nach eigenen Angaben seit Januar zwei Hörstürze und einen Kreislauf- und Nervenzusammenbruch erlitten. Das Amt als Potsdamer Regierungschef will Platzeck aber fortführen. Als Nachfolger im SPD-Vorsitz benannte das Präsidium einstimmig den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck. Er will sich Ende Mai auf einem Sonderparteitag zur Wahl stellen.

Beck ist der letzte Landesfürst der SPD in einem westdeutschen Flächenland und hat seine Position gerade durch einen grandiosen Wahlsieg gestärkt: Nun soll er also auch die Bundespartei steuern. Dabei galt der 57-jährige lange als einer der wenigen Politiker, denen keine Ambitionen in Berlin nachgesagt wurden.

Die SPD sucht ihre Identität

Als er vergangenen Herbst schon einmal als neuer Parteichef im Gespräch war, vermissten etliche bei dem eher bodenständigen Landesvater den nötigen Schliff für das Amt. Doch mit dem überraschenden Rückzug Platzecks hat sich die Lage geändert. Er ist gewissermaßen der Einzige, der noch übrig ist.

Nach der Bundestagswahl im Herbst 2005 hatten sich in der SPD die Ereignisse überschlagen: Gerade hatte man sich darauf eingestellt, in Franz Müntefering den alleinigen starken Mann an der Spitze der SPD zu sehen. Aus dem Schatten Bundeskanzler Schröders war er endgültig herausgetreten. Doch nach dem Streit um die Besetzung des Generalsekretärspostens zerfiel seine Macht wieder zu Staub. Müntefering konnte nicht weiter Vorsitzender bleiben und Matthias Platzeck musste übernehmen. Nun soll erneut ein anderer ran.

Der ständige Wechsel an der Parteispitze macht deutlich: Die SPD sucht ihre Identität. Der Streit um die politische Richtung, Machtproben und Flügelkämpfe werfen die Partei immer wieder aus der Spur. Ob Beck der Belastung gewachsen ist, wird sich herausstellen. Nach dem Rücktritt von Platzeck muss zudem die Frage nach dem nächsten Kanzlerkandidaten der SPD neu beantwortet werden.

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