Platzeck setzt auf neue Familienpolitik: SPD reanimiert das „Schwedische Modell“

Platzeck setzt auf neue Familienpolitik
SPD reanimiert das „Schwedische Modell“

Dass die Familienpollitik als traditionelle Domäne der Union gilt, will die SPD nicht auf sich sitzen lassen. Auf ihrer Klausurtagung in Mainz hat die Parteiführung nun dazu Leitlinien verabschiedet, die Konservative und Kirchenführer frohlocken lassen. Wer die Ideale der 68-er hochhält, dürfte sich die Augen reiben.

HB MAINZ. Selbst Deutschlands oberster Katholik zeigte sich angetan. Aufmerksam habe er das ganze Papier gelesen, erzählte Kardinal Karl Lehmann beim abendlichen Kamingespräch mit dem SPD-Vorstand in Mainz. An den roten Thesen erfand der konservative Kirchenführer nicht viel auszusetzen.

Für sozialdemokratische Verhältnisse nicht nur in Tonart, sondern auch im Inhalt ungewöhnlich ist, was Parteichef Matthias Platzeck am Montag mit kirchlichem Segen als Botschaft verkündete. „Arbeit, Arbeit, Arbeit“ so lautete bislang meist die oberste Leitlinie von SPD-Programmen. Die neue Kardinalsfrage heißt jetzt: „Kinder, Kinder, Kinder“.

Auf knapp neun Seiten ist in dem von Platzeck nach einer zweitägigen Klausur präsentierten Konzept nicht weniger als 80 Mal von Kindern die Rede. Garniert mit vielen Vorschlägen, wie die SPD die allmählich aussterbende deutsche Bevölkerung wieder zur kräftigen Nachwuchsproduktion animieren will.

Zumindest gewöhnungsbedürftig für viele Genossen ist, was die Verfasser als neues SPD-Familienbild propagieren. Stellenweise liest sich der Text, wie aus einem katholischem Lehrwerk entnommen. „Eine Familie zu gründen, Kinder zu bekommen und später dann auch Enkel - das ist und bleibt für die meisten Menschen die entscheidende Grundlage für Lebenszufriedenheit“, heißt es in dem Text.

Festgeschrieben wird darin auch der absolute Vorrang von Familien mit Kindern vor anderen Lebensformen. Ihre Anliegen hätten eine „höhere gesellschaftliche Legitimität“. Mit solchen Ansichten nähern sich die Sozialdemokraten vorsichtig den umstrittenen Thesen des eher konservativen Vordenkers Udo Di Fabio an. Nach Überzeugung des Bundesverfassungsrichters kann ein gutes Leben eigentlich nur in einer „mit Kindern gesegneten Familie“ geführt werden. Di Fabios neuestes Buch über die „Kultur der Freiheit“ ist auch von Platzecks Beratern aufmerksam gelesen worden.

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