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28.07.2008 
CDU erstmals größte Partei Deutschlands

„Pofallas Triumphgeheul ein Armutszeugnis“

von Andreas Rinke

Die SPD hat den prestigeträchtigen Titel „Mitgliederstärkste Partei“ verloren – und reagiert entsprechend empfindlich auf Hohn und Spott.

Entwicklung der Mitgliederzahlen bei der SPD und der CDU von 1990 bis 2008. Grafik: apLupe

Entwicklung der Mitgliederzahlen bei der SPD und der CDU von 1990 bis 2008. Grafik: ap

BERLIN. Die Union sollte das Vorbeiziehen an der SPD bei den Mitgliederzahlen nicht überbewerten. Das sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, dem Handelsblatt. "Wenn beide etwa gleich große Volksparteien kontinuierlich Mitglieder verlieren, dann ist die Frage, wer gerade die Nase vorne hat, eigentlich zweitrangig", sagte Oppermann.

"Deshalb ist das Triumphgeheul von Ronald Pofalla ein Armutszeugnis. In Wirklichkeit ist dies ein Wettbewerb Not gegen Elend." Er reagierte damit auf die Aussage von CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla, die Union sei nun mitgliedstärkste Partei wegen der „eklatanten Schwäche der SPD“. Der "vordergründige, rein parteipolitisch ausgerichtete Wettbewerb" kümmere die Bürger weniger, mahnte Oppermann.

Um politische Diskussionen wieder interessanter zu machen, sprach sich Oppermann zwar gegen eine Kopie der "Methode Obama" aus. "Aber es ist sicher richtig, die Menschen wieder direkter anzusprechen." Nötig sei ein Wettbewerb der Ideen. Zugleich betonte der SPD-Politiker, dass die Bedeutung charismatischer Politiker auch in Deutschland steige. "Leider haben wir sie im Augenblick nur in der Variante von Demagogen wie Oskar Lafontaine und Gregor Gysi oder populistisch gefärbten Politikern wie Erwin Huber oder Jürgen Rüttgers."

Zugleich sprach sich Oppermann für Volksinitiativen aus, mit denen Themen auf die Agenda des Bundestages gesetzt werden könnten. Bei Volksentscheiden gerade auf Bundesebene sei er aber skeptischer. Diese könnten von Populisten als Instrument genutzt werden, um wichtige politische Prozesse oder Verfahren zu blockieren.

Die CDU hat mit 530 755 Mitgliedern erstmals in der bundesdeutschen Geschichte der SPD den Titel der mitgliederstärksten Partei abgenommen. Ende Juni hatte die 1945 gegründete CDU 761 Mitglieder mehr.

Beide Volksparteien haben seit Jahren Mitglieder verloren. Bei der SPD vollzieht sich die Abwärtsentwicklung jedoch weitaus schneller. Im vergangenen Jahr verlor die SPD rund 20 000 Mitglieder. Bei der CDU gab es einen Schwund von rund 15 000 Mitgliedern.

Zum Vergleich die Angaben der anderen im Bundestag vertretenen Parteien: Die FDP zählte Mitte Juni 64 831, die Linkspartei aktuell nahezu 75 000 Mitglieder, die Grünen kommen auf rund 45 000 Parteiangehörige.

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