Pofallas Wechsel zur Bahn: „Der Ronald – das war eine Epoche“ 

Pofallas Wechsel zur Bahn
„Der Ronald – das war eine Epoche“ 

Geht Ex-Kanzleramtsminister Ronald Pofalla zur Deutschen Bahn, wird er sein Bundestagmandat womöglich niederlegen. Zum Ärger seiner Anhänger in der Heimatgemeinde Weeze. Sie wollen eine Erklärung. Ein Ortsbesuch.
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WeezeEr spricht mit tiefer, sonorer Stimme. Man fühlt sich wohl, wenn Karl Willems erzählt. Der 83-Jährige ist groß, stattlich, strahlt Ruhe und Bestimmtheit aus. „1979 wurde Ronald Pofalla mein Nachfolger als Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat“, erinnert sich Willems. Er selbst stieg zum Bürgermeister von Weeze auf, Pofalla war damals 19 Jahre alt und nicht mal Mitglied im Gemeinderat. „Er war der richtige Mann. Also haben wir ihn in den Gemeinderat gewählt und zum Fraktionsvorsitzenden gemacht.“

Heute, 35 Jahre später, ist Pofalla Ex-Kanzleramtsminister, seit gefühlten Jahrzehnten CDU-Bundestagsabgeordneter aus Weeze und auf dem Sprung in die Wirtschaft. Vorstand der Deutschen Bahn soll Pofalla angeblich werden, zuständig für politische Beziehungen. Also Lobbyist. Halb Deutschland regt sich seit einer Woche über diesen Wechsel auf. Auch bei Pofallas treuer Parteibasis in Weeze kommen die Nachrichten aus Berlin gar nicht gut an.

„Die Frage ist doch, ob der Ronald schon vor der Wahl gewusst hat, dass er zur Bahn geht“, sagt Uwe Persicke, Vorstandsmitglied der örtlichen CDU. Persicke, 55, sitzt an diesem Morgen zusammen mit einem Dutzend Parteifreunden im so genannten Bürgerbüro, der örtlichen Parteizentrale. Jeden Mittwoch treffen sie sich hier, um bei Kaffee und Wasser über alle möglichen politischen Themen zu reden. In dem kleinen Bürgertreff steht ein karger Tisch und einige Stühle. An der Wand hängt ein Foto von einer Besuchergruppe aus Weeze, die Pofalla im März in Berlin getroffen hatte.

Heute ist es besonders voll, denn es gibt nur ein Thema: Pofalla. Sollte der frühere Kanzleramtsminister zur Bahn wechseln, wird er sein Bundestagsmandat wohl zurückgeben – davon sind die CDU-Anhänger in Weeze überzeugt. Und das stört sie, schließlich wurde er hier direkt gewählt. Falls Pofalla schon vor der vergangenen Wahl im September diesen Plan gehabt habe, „hätte er zumindest die Spitze des Kreisverbandes einbinden müssen“, sagt Vorstandsmitglied Persicke.

Kommentare zu " Pofallas Wechsel zur Bahn: „Der Ronald – das war eine Epoche“ "

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  • Ein paar Infos zu Pofalla,die nicht jeder kennt ,aber kennen sollte :
    http://www.rationalgalerie.de/schmock/ronald-pofalla.html

  • Volle Zustimmung.
    Es wird bei uns immer schlimmer.
    Wie sagte unsr großer Staatsrechtler von Arnim?
    die Geschcihte Pofalle ist bezahlte Korruption

  • Ich denke eine solche Meldung gehört nicht ins HB.
    Wie jemand Sexuell tickt ist seine Privat Angelegenheit. Warum meldet er sich zu Wort, nach neun Jahren mit einer tollen Frau? Was bewog ihn, sich jetzt zu melden er stehe auf Männer? Ist es der Wunsch wider in der Öffentlichkeit für kurze Zeit zu stehen?
    Oder wurde ihm für diese Äußerung Geld geboten?
    Ein Schelm, der Böses denkt.
    Pofalla, der Abgeordnete Prügel androhte, der die NSA – Affäre für beendet erklärte, soll nun auf einen überbezahlten Vorstandsposten bei der Bahn, zum Frühstücksdirektor gehoben werden, was sind wir nur für eine Bananenrepublik?
    Wo solche Leute das sagen haben, die schon früh, von Unternehmern bezuschusst wurden!
    Pofalla soll in die Anwaltskanzlei, wo er schon lange Sozius ist.

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