Deutschland

_

Polen-Besuch: Seehofer für starke „Achse“ aus Deutschland und Polen

CSU-Chef Horst Seehofer wirbt bei seinem Polen-Besuch für eine stärkere Zusammenarbeit beider Länder. Deutschland müsse seinen Blick „stärker nach Osten richten“, denn in der Euro-Frage denken beide Länder sehr ähnlich.

Horst Seehofer auf dem Warschauer Flughafen. Begrüßt wird er unter anderem vom deutschen Botschafter Ruediger Freiherr von Fritsch (2. v.l.). Quelle: dapd
Horst Seehofer auf dem Warschauer Flughafen. Begrüßt wird er unter anderem vom deutschen Botschafter Ruediger Freiherr von Fritsch (2. v.l.). Quelle: dapd

WarschauDer CSU-Vorsitzende und gegenwärtige Bundesratspräsident Horst Seehofer wirbt für eine engere Zusammenarbeit Deutschlands mit Polen. Seehofer sagte am Freitag bei seinem Besuch in Warschau, er halte eine „starke Achse“ aus beiden Ländern in der Europapolitik für wichtig. Die deutsch-französische Zusammenarbeit dürfe zwar nicht vernachlässigt werden. Er halte es aber für erstrebenswert, „unseren Blick stärker nach Osten zu richten“.

Anzeige

Der bayerische Ministerpräsident fügte hinzu: „In vielen Fragen denken die Polen ähnlich wie wir Deutschen.“ Dies betreffe zum Beispiel die „Stabilität der Währung“. Auch bei der gesamten europäischen Integration sollten sich beide Länder gemeinsam engagieren.

Seehofer sprach am zweiten und letzten Tag seines Polen-Besuchs mit dem polnischen Außenminister Radoslaw Sikorski. Anschließend berichtete der CSU-Chef, Sikorski bewege „die Form, wie derzeit der Kapitalismus weltweit auftritt“. Der polnische Außenminister meine, „dass man dies zähmen muss“.

Horst Seehofer besuchte auch den Polnischen Senat in Warschau. Senatsmarschall Bogdan Borusewicz empfing ihn. Quelle: dapd
Horst Seehofer besuchte auch den Polnischen Senat in Warschau. Senatsmarschall Bogdan Borusewicz empfing ihn. Quelle: dapd

Auch Seehofer betonte: „Wir müssen die Banken in den Griff bekommen.“ Die Finanztransaktionssteuer sei dabei ein geeigneter Ansatz. In dieser Frage herrsche „totale Übereinstimmung“ mit Sikorski.

Am Donnerstag hatte der CSU-Politiker bereits den polnischen Staatspräsidenten Bronislaw Komorowski getroffen. Außerdem besichtigte er das Museum des Warschauer Aufstandes und legte am Abend einen Kranz am Grabmal des Unbekannten Soldaten nieder.

Anschließend erinnerte Seehofer im Gespräch mit Journalisten an den berühmten Kniefall des früheren Bundeskanzlers Willy Brandt (SPD) bei einer Kranzniederlegung vor dem Denkmal der Warschauer Ghetto-Helden am 7. Dezember 1970. Damals sei ein „Prozess“ im deutsch-polnischen Verhältnis in Gang gesetzt worden, der weiter „gelebt“ werden müsse - und zwar mit „echter Freundschaft“.

Seehofer zeigte sich auch tief beeindruckt von seinem Besuch am Grabmal des Unbekannten Soldaten. In das dortige Gästebuch schrieb er: „Wir verneigen uns vor all denen, die im Kampf für die Freiheit Polens ihr Leben gelassen haben.“

Polen

Seehofer verlor allerdings auch in Polen seinen Sinn für Humor nicht. Er habe dem Staatspräsidenten gesagt, dass die Bayern „selbstverständlich akzeptieren, dass wir nach dem Grundgesetz nach außen von der Bundesregierung vertreten werden“. Der CSU-Chef fügte hinzu: „Aber noch kein bayerischer Ministerpräsident hat sich daran gehalten. Wir vertreten unsere Interessen auch selbst.“

Seehofer berichtete, er habe dies auch Außenminister Guido Westerwelle kürzlich „noch mal gesagt“. Der FDP-Politiker habe erwidert: „Wenn wir Hilfe bräuchten, könnten wir ihn anrufen.“ Seehofer antwortete nach eigenen Angaben: „Danke für das Angebot. Deine Nummer habe ich.“ Bis jetzt sei ein Anruf bei Westerwelle jedoch „nicht nötig“ gewesen.

  • 27.07.2012, 17:31 Uhrbernardo

    Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • 27.07.2012, 16:07 UhrTomate

    Haha, der Blick nach Osten ist wohl eher wirtschaftlicher Natur - gut so schließlich verdienen die Arbeitnehmer östlich der Oder noch weniger als die Brandenburger, Thüringen, Meckpomm und Sachen Top-Gering-Verdiener.
    außerdem jetzt wo sich die EU langsam in ihre Bestandteile auflößt sind auch neue kreditfinanzierte Absatzmärkte wie Polen für Audi, BMW und Mercedes sehr willkommen.
    Italien, Spanien, Portugal und Griechenland dürften zukünftig wohl eher zu den absatzschwächeren EU Partnern von Deutschland zählen :-D

  • 27.07.2012, 15:19 Uhrmargrit117888

    Also mal nicht gleich wieder so pessimistisch
    Seehofer hat ja nicht ganz Unrecht.
    Gerade den Ländern des ehemaligen Ostblocks, die 40 Jahre unter diktatorischer Herrschaft waren durch die Russen, kann das derzeitige diktatorische Gehabe einiger EU-Staaten, leider auch Deutschlands, nicht gefallen.
    Von daher ist es nicht verkehrt, sie mehr einzubinden, auch um ihre eigenen Demokratien zu fetigen, die immer noch teilweise recht fragil sind
    Und es liegt ja auch nahe, dass ein bayer. MP dorthin reist, es ist ja sozusagen Grenzland

  • Die aktuellen Top-Themen
Ab 2015: Lkw-Maut soll sinken

Lkw-Maut soll sinken

Laut einem Zeitungsbericht muss Verkehrsminister Dobrindt die Lastwagen-Maut im kommenden Jahr senken. Dem Bund reißt das ein neues Loch in den Haushalt. Der Grund soll eine EU-Richtlinie sein.

Pro und Contra: Mehr Lohn = Mehr Wachstum?

Mehr Lohn = Mehr Wachstum?

Die Bundesbank hat eine Lohndebatte losgetreten, nun steigt auch die EZB ein. Sie plädieren für höhere Tarifabschlüsse. Schwächt das Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit? Oder führt es zu mehr Wachstum? Ein Pro und Contra.

Argentinien zahlt Schulden zurück: Don't cry for Argentina anymore

Don't cry for Argentina anymore

Kurz vor Ablauf der Frist im Streit mit mehreren Hedgefonds hat Argentinien eine Schuldentranche bei der Gläubigergruppe des Pariser Clubs zurückgezahlt. Die Verhandlungen über die anderen Forderungen gehen weiter.