Polens Staatspräsident in Berlin
Tumulte bei Kaczynski-Rede in Berlin

Heftige Proteste beim Berlin-Besuch von Polens Staatspräsident Lech Kaczynski: Demonstranten aus der Schwulen- und Lesben-Szene sorgten an der Berliner Humboldt-Universität für einen Eklat. Sie störten eine Rede des Staatschefs mit lauten Zwischenrufen.

HB BERLIN. Über 50 Vertreter von Schwulen- und Lesben- Organisationen drangen in die Aula der Humboldt-Universität ein, um einen Auftritt des nationalkonservativen Staatschefs zu verhindern. In Sprechchören und auf Transparenten wurde Kaczynski vorgeworfen, als Warschauer Oberbürgermeister Homosexuelle ausgegrenzt und ihre Kundgebungen verboten zu haben. „Dieser Mann ist ein Anti-Demokrat, es ist empörend, dass er hier reden darf“, rief einer der Protestierer vom Rednerpult aus.

Kaczynski, der nach anfänglich massiven Störungen weitgehend ohne lautstarke Proteste reden konnte, bekräftigte vor den Zuhörern seine kritische Einstellung zu Homosexuellen. Er akzeptiere zwar, dass es solche sexuellen Orientierungen gebe. Für ihn sei es aber unvorstellbar, dass Homo- und Heterosexuelle „gleichberechtigt“ seien. Die Zivilisation könne schließlich nur existieren, wenn aus einem Zusammenleben auch Kinder hervorkämen. Kaczynski betonte, mit dem Verbot von Schwulen-Demonstrationen habe er sich nur an die polnische Rechtsprechung gehalten. Auf Anweisung des Rektors der Humboldt-Universität hatte die Polizei darauf verzichtet, die Demonstranten aus der Aula zu entfernen.

Nach Angaben der Gruppe „Toleranz auf Polnisch“, die zu den Protesten aufgerufen hatte, war die Polizei im vergangenen Jahr mit brutaler Gewalt gegen die Teilnehmer einer nicht genehmigten Kundgebung von Homosexuellen in Warschau vorgegangen. Viele Schwule und Lesben fühlen sich von der neuen Führung in Warschau zunehmend diskriminiert und lassen sich deshalb verstärkt in Berlin nieder.

In seiner Rede vor der Universität sprach sich der Staatschef für das Festhalten an den Nationalstaaten in Europa aus. Die Zeit sei noch nicht gekommen, einen gemeinsamen „Quasi-Staat“ aus den EU- Mitgliedern zu formieren. Er plädierte weiter dafür, am Grundsatz der Einstimmigkeit bei Abstimmungen in der EU festzuhalten. Weiter warb Kaczynski für einen EU-Beitritt der Ukraine „so schnell wie möglich“. Auch Georgien sowie Weißrussland müssten diese Perspektive bekommen.

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