Politbarometer
Kaum jemand hält eine große Koalition noch für wünschenswert

Große Hoffnungen hatten viele Deutsche in die große Koalition gesetzt – doch die sind mittlerweile weitestgehend verflogen. Das zeigen Zahlen aus der „Politbarometer“-Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF.

BERLIN. Nur noch 17 Prozent der Befragten nennen auf die Frage, welche politische Konstellation sie sich – unabhängig von den tatsächlichen Mehrheitsverhältnissen – wünschen, die große Koalition. Im Oktober 2005, kurz nach der Bundestagswahl, hatte noch knapp jeder Zweite eine schwarz-rote Koalition als Wunschbündnis angegeben. Union/FDP favorisieren heute 20 Prozent, Rot-Grün 17 Prozent. Sechs Prozent sind für Schwarz-Grün, die Dreier-Koalitionen landen sämtlich unter drei Prozent.

Unter den im Bundestag rechnerisch möglichen Regierungsbündnissen liegt die große Koalition allerdings immer noch vorne: Ein Drittel der Befragten trauen ihr am ehesten zu, die Probleme Deutschlands zu lösen. Im Oktober 2005 waren es noch etwas mehr als die Hälfte. 21 Prozent setzen auf die Jamaika-Variante aus Union, FDP und Grünen, 17 Prozent auf die Ampel, 12 Prozent auf Rot-Rot-Grün.

Unter den Regierungsparteien leidet derzeit vor allem das Ansehen der Union. Nach der Projektion der Forschungsgruppe Wahlen würden derzeit nur noch 33 Prozent CDU/CSU wählen, ganze drei Prozentpunkte weniger als zu Monatsanfang. Das ist der schlechteste Wert für die Union seit der Wiedervereinigung 1990. Die SPD liegt freilich noch weiter hinten (31 Prozent), hat seit Monatsbeginn aber immerhin einen Punkt gutgemacht. Auf einem Allzeithoch befindet sich dagegen die FDP (13 Prozent). Die Grünen liegen mit neun Prozent stabil, die Linkspartei verliert mit sieben Prozent einen Punkt. „Die Wähler kehren zu den klassischen politischen Lagern zurück“, deutet Matthias Jung, Vorstand der Forschungsgruppe, die Ergebnisse. Zwischen Union und FDP auf der einen und SPD, Grünen und Linkspartei auf der anderen Seite bestünden „kommunizierende Röhren: Geht der eine runter, geht der andere hoch.“

Eine harte Nuss dürfte für die Strategen im Konrad-Adenauer-Haus auch die Erkenntnis sein, dass sich die Politbarometer-Werte allmählich denen der anderen Wahlforschungsinstitute annähern. Noch Anfang September hatte die Forschungsgruppe Wahlen den Unions-Wert bei 36 Prozent ermittelt – nicht begeisternd, aber immer noch über dem desaströsen Wahlergebnis vom September (35,2 Prozent) und vor allem mit weitem Abstand zur SPD (30 Prozent). Andere Wahlforscher, das Forsa-Institut etwa, hatten die Union schon Anfang August auf 33-Prozent-Niveau gesehen. Mitte August hatte Forsa die Union mit der Nachricht geschockt, sie liege mit der SPD nahezu gleichauf. Letzte Woche hatte Forsa nachgelegt und verkündet, die Union liege mit 29 Prozent jetzt sogar hinter der SPD.

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