Politik-Aussteiger
„Gemeinsam in der Sauna waren wir noch nicht“

Sie stehen weder in Konkurrenz noch pflegen sie eine ausgeprägte Männerfreundschaft: Der ehemalige Außenminister Joschka Fischer arbeitet für RWE, Ex-Kanzler Gerhard Schröder für Gasprom – und beide mögen ihren Job.

BERLIN. Eigentlich ist es so wie früher. Joschka Fischer redet über internationale Beziehungen und geopolitische Konflikte und die Journalisten füllen eifrig ihre Notizblöcke. Doch die Zeiten ändern sich. "Joschka", der frühere Außenminister der rot-grünen Bundesregierung, spricht jetzt nicht mehr im Weltsaal des Auswärtigen Amtes, sondern in der Berliner Repräsentanz des Energiekonzerns RWE.

Fischers Mission heißt "Nabucco", das große Pipeline-Projekt von RWE. Durch die 3300 Kilometer lange Stahlröhre sollen ab 2014 jährlich bis zu 31 Milliarden Kubikmeter Gas von der kaspischen Region und dem Mittleren Osten bis nach Österreich gepumpt werden. Von dort fließt, wenn alles klappt, das Gas dann auch nach Deutschland.

Rund acht Milliarden Euro will RWE-Chef Jürgen Großmann in die gigantische Pipeline investieren. Doch es lauern zahlreiche Hindernisse: Aserbaidschan, Turkmenistan und Irak verfügen zwar über riesige Gasvorkommen, sind aber politisch instabil. Gebietsstreitigkeiten, Stammesfehden, Korruption, Rechtsunsicherheit und dergleichen mehr gehören dort zum Alltag. Aber auch die Türkei und selbst EU-Mitglieder wie Bulgarien, Rumänien und Ungarn gelten als schwierige Staaten. An jeder Ecke liegen politische Fallstricke, in denen sich ein kompliziertes Großprojekt wie Nabucco leicht verheddern kann. Fischer soll deshalb in den Hauptsädten der beteiligten Länder die richtigen Türen öffnen und "dafür sorgen, dass sich das Klima nicht verschlechtert", so der frühere Grünen-Politiker. "Im Prinzip ist das eine klassische diplomatische Aufgabe".

Dass RWE auch Kernenergie produziert, stört Fischer dabei nicht. "Ich bin immer noch Grüner und meine Position zur Atomkraft ist bekannt", wehrt der Ex-Außenminsiter entsprechende Fragen ab. "Es geht mir bei meiner Tätigkeit für RWE jetzt nur um Nabucco. Das ist ein geopolitisches Projekt, von dem ich zutiefst überzeugt bin, weil Europa dadurch seine Abhängigkeit von russischem Gas verringert". Bei dem Pipelinebau gebe es manchen Berichten zum Trotz keine wirklichen technischen oder finanziellen Schwierigkeiten.

Im Kern gehe es um eine politische Entscheidung: "Europa darf kein Versorgungsmonopol zulassen", unterstreicht Fischer ganz im früheren Brustton der Überzeugung. Diese Auffassung habe er übrigens schon aktiver Politiker vertreten. Auch Lobbyarbeit findet der Grüne in keinster Weise anstössig. "Wenn ich früher als Außenminister unterwegs war, habe ich mich doch auch für berechtigte Interessen der steuerzahlenden deutschen Unternehmen eingesetzt".

Seite 1:

„Gemeinsam in der Sauna waren wir noch nicht“

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%