"Politik mit der Strickjacke"
Helmut Kohl - streitbarer "alter Kampfelefant"

HB BERLIN. Seinen 70. Geburtstag musste Helmut Kohl im Jahr 2000 ziemlich einsam feiern. Die von ihm ausgelöste Parteispendenaffäre hatte die CDU in eine tiefe Krise gestürzt, und die Herde hatte den «alten Kampfelefanten», wie er sich selbst bezeichnete, verlassen. Am 3. April wird der Altbundeskanzler 75 Jahre alt. Und die Herde ist zu ihrem Leittier zurückgekehrt, stolz und dankbar, den langjährigen Kanzler und Staatsmann von Weltruf wieder einen der ihren nennen zu dürfen.

Die Spendenaffäre ist nicht vergessen, aber vergeben. Die für die Christdemokraten dunklen Jahre mit dem Machtverlust 1998 und der existenzbedrohenden Spendenaffäre sind Bestandteil deutscher Nachkriegsgeschichte geworden. Die CDU hat sich verändert und besinnt sich heute auf den erfolgreichen Abschnitt ihrer eigenen und der deutschen Historie.

Nicht nur für die Unionsparteien stehen die Kohl-Jahre als Regierungschef unter der Metapher «Kanzler der Einheit». Wie kaum einer seiner Vorgänger war er handelnder Zeitzeuge historischer Umwälzungen. Der Fall der Berliner Mauer und die Wiedervereinigung Deutschlands wird für immer mit seinem Namen verbunden sein. Europa hätte möglicherweise ein anderes Gesicht, wenn nicht Kohl und der damalige französische Präsident Francois Mitterrand das Fundament für die Erweiterung der Europäischen Union gelegt hätten. Dafür wurden dem CDU-Politiker 30 Ehrendoktorhüte und der Titel Ehrenbürger Europas verliehen.

Kohl prägte die deutsche und europäische Politik 16 Jahre als Bundeskanzler und 25 Jahre lang als Parteivorsitzender. Der Ex-Kanzler ist für die Älteren in der CDU schon jetzt eine Legende und für die Jungen Kult. Kohl - verhasst, geliebt, verehrt, verstoßen - ist endgültig in den Schoß «seiner» CDU zurückgekehrt.

CDU-Chefin Angela Merkel, die als Generalsekretärin Ende 1999 in einem Beitrag für die FAZ die Abnabelung der Partei von Kohl als Führungsperson einleitete, besiegelt die Versöhnung in der Geburtstags-Ausgabe der Monatszeitschrift «Die Politische Meinung». Auf rund 640 Zeilen würdigt sie Kohls Verdienste um die deutsche Vereinigung und das europäische Einigungswerk. Und sie lobt ihn als bedeutenden Parteiführer. Auf die Spendenaffäre verwendet Merkel gerade mal neun Zeilen. Es sei eine bittere Zeit gewesen. «Aber wir haben sie überwunden und unsere Lehren daraus gezogen. Die historische Leistung des Politikers Helmut Kohl kann sie ohnehin nicht angreifen.»

Zu den Gratulanten in der Festschrift gehört auch der ehemalige sowjetische Präsident Michail Gorbatschow, den Kohl einmal in einem seiner weniger glücklichen Vergleiche in einem Atemzug mit NS-Propagandaminister Josef Goebbels genannt hatte. Gorbatschow geht darauf mit keinem Wort ein, schildert vielmehr, wie tief beeindruckt er vom Kanzler bei der ersten Begegnung Ende 1988 in Moskau war: «Die Aufrichtigkeit und Offenheit des Kanzlers imponierten mir ... Persönlich spürte ich, dass von Vertrauen und Zusammenarbeit geprägte Beziehungen mit diesem Mann möglich sind.»

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