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Politik verliert Geduld mit Blessing: „Den Schuss nicht gehört“

exklusivDie Commerzbank-Aktionäre, darunter der Bund mit 25 Prozent, leiden unter den schlechten Zahlen des Instituts. Der Unmut in der Politik über Vorstandschef Blessing im Vorfeld der heutigen Bilanzpressekonferenz wächst.

Martin Blessing. Quelle: Reuters
Martin Blessing. Quelle: Reuters

BerlinGerade drei Monate ist es her, dass Commerzbank-Chef Martin Blessing den großangelegten Umbau der Bank bis zum Jahr 2016 angekündigt hat. Nun wachsen die Zweifel, ob ihm das auch gelingt. Nicht nur der Aufsichtsratschef des Instituts, Klaus-Peter Müller, ließ den Vorstand wissen, dass seine Geduld nicht endlos strapazierbar ist. „Eines ist klar: Wenn der Vorstand seine Ziele ohne sehr triftigen Grund verfehlt und die erwartete Leistung nicht bringt, muss der Aufsichtsrat handeln“, hatte Müller der „WirtschaftsWoche“ gesagt. Und auch der Ratingriese Standard & Poor's (S&P) zeigte sich wenig überzeugt von den Plänen Blessings. Der Umbau der zweitgrößten deutschen Bank werde „komplexer und zeitraubender sein als gedacht“, urteilten die Kreditanalysten und drohten kurzerhand mit einer Herabstufung.

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Tatsächlich wird Blessing auf der Bilanzpressekonferenz am heutigen Freitag keine schnellen Erfolge in Aussicht stellen können. „Wir haben 2012 die Voraussetzungen geschaffen, um die Bank neu auszurichten. Erste Maßnahmen greifen, aber klar ist: Der Weg ist lang“, sagte Vorstandschef Martin Blessing im Vorfeld der Konferenz in Frankfurt. Er hat sich bis 2016 dafür Zeit genommen. In diesem Jahr würden die Erträge erst einmal von den niedrigen Zinsen und dem weiteren Abbau des Immobilien- und Schiffskreditgeschäfts belastet, hieß es in einer Präsentation für Analysten.

Die neue Filialstruktur wird frühestens Ende des Jahres stehen, und bis die Mitarbeiter mit einer verbesserten IT arbeiten können, wird es noch länger dauern. Auch sonst wird die Arbeit des Commerzbank-Lenkers von Negativmeldungen überschattet. Aufgrund hoher Sonderbelastungen wie Abschreibungen auf Steueransprüche hat die Bank im vierten Quartal einen Verlust von 720 Millionen Euro verzeichnet. Im Gesamtjahr wird mit 6 Millionen Euro gerade noch ein Gewinn erzielt.

Das sind die größten Banken Deutschlands

  • Platz 12

    2011 ist das letzte Jahr, für das die WestLB ihre Jahresbilanz bekannt gab. Die Bank, die zum Großteil dem Land Nordrhein-Westfalen, der NRW.Bank und den Sparkassenverbänden des Rheinlands und Westfalen-Lippe gehörte, ist mittlerweile zerschlagen. Die Zertifikategeschäfte übernahm die Helaba.

    Bilanzsumme (2011): 167,90 Milliarden Euro

  • Platz 11

    Die Postbank gehört mittlerweile zur Deutschen Bank und betreut mit rund 19.000 Angestellten fast 14 Millionen Kunden.

    Bilanzsumme (2011): 192,00 Milliarden Euro

  • Platz 10

    Die Eurohypo AG ist eine Tochter der Commerzbank  - und ein Milliardengrab. Zehn Jahre nach der Gründung wird die Hypothekenbank nun zerschlagen. Die Eurohypo AG ist nach der WestLB die zweite deutsche Bank, die die Krise nicht überlebt hat. Jedoch ist ihre Bilanzsumme noch um einiges größer als die der Landesbank.

    Bilanzsumme (2011): 203,00 Milliarden Euro

  • Platz 9

    Auch die NordLB schaffte es nur mit Staatsmitteln, die Bankenkrise zu überstehen. Die EU-Bankenaufsicht verordnete der Bank der Länder Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ihr Eigenkapitalpolster gehörig aufzustocken.

    Bilanzsumme (2011): 227,60 Milliarden Euro

  • Platz 8

    Die BayernLB machte in den vergangenen Wochen mit einem Streit mit der EU-Kommission Schlagzeilen. Die in der Krise taumelnde Bank muss dem Land Bayern fünf Milliarden Euro an Krisenhilfen zurückzahlen.

    Bilanzsumme (2011): 309,10 Milliarden Euro

  • Platz 7

    Auch die Hypo Real Estate überlebte die Krise nur knapp: Die Immobilienbank wurde verstaatlicht und lagerte ihre Altlasten in eine Bad Bank aus. Bis 2015 muss die Hypo Real Estate jedoch wieder privatisiert werden, entschied die EU.

    Bilanzsumme (2011): 236,60 Milliarden Euro

  • Platz 6

    Die LBBW ist mit einer Bilanzsumme von über 370 Milliarden Euro die größte deutsche Landesbank. Das Geldinstitut gehört fast vollständig dem Land Baden-Württemberg, dem Sparkassenverband des Landes und der Stadt Stuttgart.

    Bilanzsumme (2011): 373,10 Milliarden Euro

  • Platz 5

    Die deutsche Unicredit Bank AG, besser bekannt unter ihrem Markennamen Hypovereinsbank, ist ein Tochterunternehmen der größten italienischen Bank, Unicredit. Die italienische Großbank hat gerade eine Umstrukturierung angekündigt: Die Tochtergesellschaften und damit auch die Hypovereinsbank sollen mehr Autonomie bekommen.

    Bilanzsumme (2011): 395,70 Milliarden Euro

  • Platz 4

    Zur DZ Bank AG gehören neben der Volksbanken Raiffeisenbanken auch die Bausparkasse Schwäbisch Hall oder die R+V Versicherung. Die DZ Bank AG ist das Zentralinstitut für insgesamt 900 Genossenschaftsbanken mit rund 30 Millionen Kunden.

    Bilanzsumme (2011): 405,90 Milliarden Euro

  • Platz 3

    Die Kreditanstalt für Wideraufbau (KfW) ist die deutsche Förderungsbank unter Aufsicht des Finanzministeriums. Sie gibt Kredite an Existenzgründer und Firmen im Rahmen von Förderprogrammen der Bundesregierung und ist für die Finanzierung von Infrastrukturvorhaben zuständig.

    Bilanzsumme(2011): 494,80 Milliarden Euro

  • Platz 2

    Die Commerzbank belegt mit einer Bilanzsumme von über 600 Milliarden Euro Platz zwei unter den größten deutschen Banken. Die Bank ist in 52 Ländern vertreten und betreut nach eigenen Angaben rund 15 Millionen Privat- und eine Millionen Firmenkunden in der ganzen Welt.

    Bilanzsumme(2011): 661,80 Milliarden Euro

  • Platz 1

    Die international erfolgreiche Deutsche Bank nimmt unangefochten den ersten Platz der größten deutschen Banken ein. Ihre Bilanzsumme ist rund 3,5 mal so groß wie die der Commerzbank. Die Bank beschäftigt über 100.000 Mitarbeiter – knapp 50.000 davon in Deutschland.

    Bilanzsumme (2011): 2164,10 Milliarden Euro

Die Aktionäre, darunter der Staat mit einer Beteiligung von 25 Prozent, leiden unter den schlechten Zahlen. Eine Besserung ist nicht in Sicht. In einer Adhoc-Meldung wurde bereits gemeldet, dass Blessing heute für 2012 eine schwarze Null verkünden wird. Um wieder in die Gewinnzone zu kommen, will die Bank bis zu 6.000 Stellen streichen. Das sorgt für großen Unmut in der Politik. Vor allem, weil der massive Jobabbau in einem krassen Widerspruch steht zu dem Umstand, dass Blessing die Deckelung der Vorstandsgehälter auf 500.000 Euro wieder abgeschafft hat.

Commerzbank Vage Visionen statt klare Konzepte

Mit ihren Visionen verliert die Commerzbank die Realität aus dem Blick.

„Es kann nicht sein, dass der Vorstand der Commerzbank ein Jahr, nachdem er die Deckelung der eigenen Bezüge aufgehoben hat, nun massiv an der Personalschraube dreht“, sagte der Vorsitzende der hessischen SPD, Thorsten Schäfer-Gümbel, Handelsblatt Online. „Es muss genau geprüft werden, ob diese Stellenstreichungen tatsächlich notwendig sind, oder ob es sozialverträgliche Alternativen gibt“, fügte Schäfer-Gümbel, der den SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück im Wahlkampf in Finanzfragen berät, hinzu.

Commerzbank

Gewinn/Verlust der Commerzbank

vom 3. Quartal 2010 bis zum 3. Quartal 2013, in Millionen Euro


Noch deutlicher wird der Vorsitzende der SPD in Schleswig-Holstein, Ralf Stegner. „Wer als Banker immer noch die Deckelung von Vorstandsgehältern ablehnt und gleichzeitig Arbeitsplätze abbaut, hat offenbar den Schuss nicht gehört“, sagte der Koordinator der Linken im SPD-Bundesvorstand Handelsblatt Online. Wenn dies bei einer Bank geschehe, die teilweise in öffentlichem Eigentum und gestützt worden sei, mache das die Sache noch schlimmer. „In Sachen Bankenkontrolle muss offenbar noch viel härter durchgegriffen werden“, so Stegner.

  • 16.02.2013, 11:21 Uhrinvestmentlegende

    Eigentlich exakt von 47,50 aufgestellt am 09.03.2000 um 11.15 Uhr,Handel: Xetra.
    Na dann braucht sie sich ja nur noch zu vervielfachen,damit sie ihr ATH von 2000 wiedersieht,bei geringerer Aktienanzahl, das muss ich dazu sagen,aber es waren ja keine Splits,sondern KE´s,maximal wären da noch die BZR´s und Dividenden seit 2000 einzurechnen.

  • 16.02.2013, 09:22 Uhrr-tiroch@t-online.de

    Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • 15.02.2013, 19:55 UhrExcobanker

    Herr Blessing wird glorreich in die Geschichte eingehen:
    Als Inkompetentester, Erfolglosester, Ideenlosester, Ahnungslosester, Arrogantester, Dümmster und Uneinsichtigster "Vorstandsvorsitzender" eines deutschen Traditionsunternehmens aller Zeiten!!!

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