Politik vs. Fitschen Volle Breitseite gegen den Deutsche-Bank-Chef

Wenige Sätze von Schäuble zur Bankenregulierung haben gereicht, um Deutsche-Bank-Chef Fitschen aus der Fassung zu bringen. Die Wirkungen seiner Kritik sind fatal: Plötzlich wendet sich die Politik geschlossen gegen ihn.
Update: 05.12.2013 - 17:21 Uhr 41 Kommentare
Mit seinem Populismus-Vorwurf an Finanzminister Schäuble hat sich Deutsche-Bank-Chef Fitschen keinen Gefallen getan. Quelle: dpa

Mit seinem Populismus-Vorwurf an Finanzminister Schäuble hat sich Deutsche-Bank-Chef Fitschen keinen Gefallen getan.

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BerlinZwischen der Bankenbranche und der Politik bahnt sich ein Großkonflikt an. Auslöser ist ein Interview mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) im Handelsblatt. Darin macht er unmissverständlich deutlich, dass die harten Zeiten für Geldhäuser noch lange nicht vorbei sind. Das Interview finden Sie hier im Wortlaut.

Zwar verhängte die EU-Kommission am Mittwoch Rekordstrafen gegen amerikanische und europäische Großbanken, die wichtige Referenzzinssätze manipuliert haben sollen. Doch damit seien die Sünden der Finanzbranche keineswegs vergessen, sagte der amtierende Finanzminister: „Ich weiß, dass die Banken meinen, es reiche nun.“ Man habe auch einiges geschafft, um für mehr Stabilität zu sorgen, etwa durch die strengeren Eigenkapitalvorschriften. „Aber die Kreativität der Banken, die Regulierung zu umgehen, ist weiterhin groß.“

In diesem Zusammenhang erinnerte er Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen vor einigen Tagen daran, dass es nicht die Staaten gewesen seien, die die Krise ausgelöst hätten. „Das war die Finanzbranche. Deshalb kann es kein Ende der Regulierung geben.“ Was Schäuble sagt, hat einen realen Hintergrund. In der Finanzkrise – ausgelöst durch hochspekulative Verbriefungsgeschäfte – mussten zahlreiche Banken vom Staat gerettet werden. Die Hilfen strapazierten die Staatshaushalte und trugen mit zur Euro-Schuldenkrise bei.

Fitschen, zugleich Präsident des Bundesverbandes Deutscher Banken, sah sich am Mittwochabend durch das Schäuble-Interview aus der Reserve gelockt und redete sich bei einer Veranstaltung seines Verbandes in Berlin in Rage. Es sei „unverantwortlich und populistisch“, wenn man die Fortschritte im Bankenbereich nicht sehe. Sinnvolle Regulierung erhöhe die Sicherheit der Finanzmärkte. Banken müssten aber auch weiter ihre Aufgaben für die Wirtschaft erfüllen können.

Für die Bankenbranche mag Fitschen den Finger an der richtigen Stelle in die Wunde gelegt haben. Der andere Effekt ist jedoch, dass er damit die gesamte Politik gegen sich aufgebracht hat. Eine breite Allianz aus Union, SPD, Linken und Grüne wendet sich nun gegen ihn – mit teilweise harschen Attacken. Schäuble selbst ergriff sogar noch einmal das Wort. In ungewöhnlich scharfer Form wies er Fitschen zurecht. Wenn sich Fitschen seine Aussagen anschaue, werde er sehen, dass er in der Sache nicht Recht habe. „Und im Ton hat er sich ganz sicher vergriffen“, sagte Schäuble nach einer Sitzung des Stabilitätsrates von Bund und Ländern.

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41 Kommentare zu "Politik vs. Fitschen: Volle Breitseite gegen den Deutsche-Bank-Chef"

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  • Eine völlig richtige Sicht der Ursachen: Was hier aus USA rüber schwappte und nachgeäfft wurde, befördert durch die Zustimmung zur Euro-Einführung als Gemeinschaftswährung, das war eine katastrophale Finanz- Politik, die die Banken nur ausgenutzt haben - doch im Konsens mit der Politik, wie u. a. das "Liebesverhältnis" zwischen Merkel und Ackermann gezeigt hat. Nun, da alles langsam auf einen Kulminationspunkt zuläuft und den Bach runter zu gehen droht, heisst es weiträumig aus der Politik: Haltet den Dieb – Wir doch nicht!!!
    Mit freundlichen Grüßen von der AfD
    Klaus Peter Kraa

  • Was erwartet die Führung der Deutschen Bank von der Politik vor dem Hintergrund monatlich neuer Skandale in der Vergangenheit? Etwa Nachsicht, Milde, oder noch Lob für einen nicht überprüfbaren aber geplanten Mentalitätswandel nach den Renditeexzessen der Ära Ackermann? Zur Erinnerung:
    Die sich heute als fälschlich angegriffen gefühlten Manager der Deutschen Bank waren in der Ackermann-Ära allesamt in der Verantwortung. In der Opferrolle machen diese Herren wirklich keine gute Figur.
    Real betrachtet, gibt es keinen nennenswerten Skandal im Finanz- und Währungswesen, in die die Deutsche Bank nicht verwickelt war.
    Ich frage mich daher, welch verzerrte Wahrnehmung der Realität diese Herren haben? Es ist ein trauriges Bild, das dieses ehemals stolze Institut gerade abgibt.

  • Sie sind wohl Bänker: Mehr als schwammige Allgemeinplätze und unfundierte Andeutungen scheinen ihnen nicht einzufallen, stattdessen immer die gleichen Plattitüden. Ich sagen ihnen was: Bald ist Schluß mit lustig und Schicht im Schacht für das Bankstergesindel und deren profitierenden Sympatisanten. Machen Sie sich mit ihrer Geisteshaltung zu dieser asozialen anstrengungslosen Parasitenmuschpoke mal lieber früher als zu spät vom Acker.

  • Solange nicht ein Bankenzocker mit seinem Privatvermögen haftet und hinter Gittern sitzt, geht das Spiel weiter. Banken, die ihre Boni weiter selbst bestimmen können, erliegen weiterhin der Zockerei. Mit der Bedienung der Wirtschaft und der Kundeneinlagen hat man doch keinen Spaß. Also wird weiter gezockt ohne Ende. Trotz aller politischer Beteuerungen geht der damalige Spuk weiter. Die deutsche Regierung lässt das ohne Einschränkungen zu. Das nächste Desaster wird folgen.

  • Anhand der der Politik zugewandten Kommentierungen auf diesen Artikel kann man erkennen, dass die Bevölkerung bis heute nicht erkannt hat, was sich im Umfeld der Regulierung gerade abspielt. Die Banken haben erkannt, dass Fehler gemacht wurden und Einzelne werden es auch weiterhin tun - wie in allen Branchen.- Die Regulierung hat gerade ein Maß angenommen, deren Inkonistenzen und Umfang nicht zu akzeptieren sind - es ist auch schlichtweg nicht mehr leistbar. Und weder Politik noch deren Handlanger EBA, EZB, BaFin und Bundesbank sind in der Lage, dies mit Augenmaß zu betreiben. Und dagegen muss man sich wehren dürfen.- Und vielleicht auch noch ein Wort zur Politik: wer verzockt denn mit der Rentenpolitik und der Überschuldung der Staaten gerade die Zukunft der Bevölkerung? (übrigens wird das zur nächsten Finanzkrise führen) Wer also im Glashaus sitzt der sollte nicht mit Steinen werfen - und das gilt gerade für den Großteil der Politik.

  • In diesem Zusammenhang erinnerte er Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen vor einigen Tagen daran, dass es nicht die Staaten gewesen seien, die die Krise ausgelöst hätten.<

    Schäuble vergisst, dass er zu denen gehörte, die den Euro einführten mit seinen vereinheitlichten Zinsen in Europa. Dies führte zumindest in Europa zur Immobilienblase in Spanien, überhöhter Verschuldung in Girechenland. Ohne Euro wäre die Immobilienblase in Spanien so nicht passiert, die Zinsen in Spanien wären dafür zu hoch gewesen. Der Herr Schäuble sollte sich als Politiker zumindest ein bisschen an die eigene Nase fassen.

  • Wenn Jürgen "unterschreib mal schnell" Fitchen so empöhrt reagiert, scheinen die Regulierungsvorschläge ja auf dem richtigen Weg zu sein. Glückwunsch an die Politik!

    Seine Ansicht, der Gesellschaft als Deputy-Chef der größten deutschen Bank ein "jetzt ist aber genug!" zurufen zu können, zeugt jedoch von einer Arroganz, die eher an das Verhalten jener priveligierten Kaste aus Deutschlands Vergangenheit erinnert, die als Feudalherren umschrieben werden. Unerträglich!

  • Populistischer Vorschlag fuer Schaeuble: Wenn Banker betruegen, die Strafen mit den Boni der Banker bezahlen lassen und nicht von den unschuldigen Aktionaeren.

  • @WernerPeters,
    aber Ihr Quatsch ist auch nicht viel besser
    Die Deutsche Bank hat bei der AIG Kreditausfallversicherungen abgeschlossen und dafür sehr hohe Prämien bezahlt und dann ist der Versicherungsfall eingetreten und die AIG mußte bezahlen, da aber die AIG vom amerikanischen Staat gerettet wurde musste der amerikanische Staat bezahlen.
    der amerikanische Staat wird sich schon was dabei gedacht haben AIG nicht pleite gehen zu lassen.
    AIG war vergleichbar mit der Allianz in Deutschland können Sie sich vorstellen die Allianz pleite gehen zu lassen?

  • Andere Branchen wurden in den USA früherer Zeiten auf Grund der gewaltigen Monopolbildung und der organisierten kriminellen Energie zerschlagen. Das hätte man mit den Großbanken auch machen müssen. Jetzt ist die Lobby wieder so stark und sie haben wieder soviel Geld, um Ihre Räder und Rädchen zu schmieren, das kaum einer die normalen Wirtschaftlichen Prozeße wieder herstellen kann. Allein der Vergleich der real Wirtschaft zum Derivate (Wetthandel) liegt bei 1 zu ~20. Und wer glaubt die Krise ist vorbei, warum sind die Zinsen denn so tief? Weil die Staaten und die Großen Firmen sonst Ihre Schulden nicht mehr bedienen können. Schuldzinssätze von 2-5% sind noch von Jahr zu Jahr zu begleichen, die unter normallen Umständen zu erwarteten Zinssätze von 8-15% (je nach Risiko und Verschuldungsrate) nur kurzfristig. Ächtet endlich die Wettscheine (Derivate) oder klärt wenigstens die Sparer auf, was in Ihren ETF's und Discount & Garantie Derivaten enthalten ist. Damit sie wenigstens Ihr Risiko abschätzen können.

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