Politiker aufgebracht
Ruf nach Staatsanwaltschaft im Debeka-Adressskandal

Der schwunghafte Handel mit Adressdaten beim Versicherer Debeka schreckt die Politik auf. Der Datenschutz bei privaten Krankenversicherern müsse geprüft werden, fordert etwa SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach.
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DüsseldorfDie Adressen-Affäre beim Versicherer Debeka schreckt die Politik und die Branche auf. Die SPD will den vor wenigen Tagen vom Handelsblatt aufgedeckten Skandal zum Anlass nehmen, das Thema Datenschutz in der Privaten Krankenversicherung (PKV) auf die politische Tageordnung zu setzen. „Die beunruhigende Praxis der Debeka in der Vergangenheit wirft ein Schlaglicht auf den wenig sensiblen Umgang mit Versichertendaten in der PKV insgesamt“, sagte der Gesundheitsexperte der SPD, Karl Lauterbach, dem Handelsblatt (Montagausgabe).

Die Grünenfraktion im Bundestag fordert die Debeka auf, alles zu unternehmen, „um diese erheblichen Rechtsverstöße aufzuklären“. Fraktionsmitglied Gerhard Schick sieht auch die Staatsanwaltschaft unter Zugzwang. Es stünden „strafrechtlich relevante Delikte im Raum“. Weiterhin müsse die Finanzaufsicht Bafin untersuchen, ob es sich um branchenübliche Vertriebspraktiken handele.

Fest angestellte Mitarbeiter der Debeka haben jahrelang die Adressen von angehenden Beamten gekauft und sich so einen unerlaubten Wettbewerbsvorteil verschafft. Konzernchef Uwe Laue bestätigte einen Bericht des Handelsblatts vom Freitag und gab zu, dass „in den 1980er und 1990er Jahren Vertriebsmitarbeiter auf eigene Rechnung Adressen potenzieller Kunden erworben haben, die zwischen Mitarbeitern weiter verteilt wurden“.

Verbraucherschützer reagierten schockiert. Die Selbstreinigungsbemühungen und Verhaltensrichtlinien der Versicherungen seien offenbar unzureichend, sagte Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten. „Die Branche schafft es nicht, sich selbst zu disziplinieren.“ Staatliche Stellen wie die Bafin müssen dafür sorgen, dass solche Praktiken unterbunden werden“, sagte Kleinlein. „Nur so werden effektiv die Rechte der Verbraucher geschützt.“

Auf Nachfrage teilt der Konkurrent Axa mit: „Natürlich müssen zunächst die Ergebnisse weiterer Ermittlungen abgewartet werden. Aber im Zeitalter von Verhaltenskodex und Compliance – einmal ganz abgesehen von Rechtsfragen – muss Fehlverhalten klare Konsequenzen nach sich ziehen.“ Eine Sprecherin des Gesamtverbands GDV sagte auf Nachfrage, die Klärung der erhobenen Vorwürfe obliege dem Unternehmen „und – falls erforderlich – der Staatsanwaltschaft und der Versicherungsaufsicht“.

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  • Die Compliance Regeln sind doch gerade mal auf dem Papier getrocknet.
    Wie im Fall Hoeneß sollte man doch erstmal die Taten der Debeka aufklären, bevor man schon wieder lauthals nach noch strengeren Regeln blärt,Herr Kleinlein, Sie sind doch ein Brandstifter im Schafspelz sonders gleichen.
    Die Adressbeschaffung wurde mir schon vor Jahren von Mitarbeitern bestätigt, aber wo keine Beweise da kein Kläger ! Oder ? Vom hörensagen kann man keinen Sumpf entwässern. Die mesiten dieser delikte leigen Jahre zurück und ich schätze seit den neuen Regeln hat diese Beschaffungsprogramm eh ausgesorgt gehabt.
    Der eigentlcihe Skandal ist doch das diese Amigo Geschiche breit gefächert mit Beamten durchgeführt wurde.
    Diese Herrschaften haben Jahrelang die Hand aufgehalten und kein Dienstherr will was davon mitbekommen haben !?
    Und wenn einer dies bemerkt hat ieso wurde dann keiner zum Nestbeschmutzer und aht dies gemeldet oder angezeigt. Hallo ?

  • Qualifizierte Antwort! (ACHTUNG SARKASSMUS) Ein solch sinnfreier Kommentar hätte wenigstens eine gute Rechtschreibung verdient. Da kann ich verstehen, dass Sie lieber anonym bleiben wollen.

  • Und weiter geht es mit dem Bashing von Versicherern und Finanzvertrieben. Die Hinweise auf die Rolle von Beamten in Studienseminaren oder Schulbehörden sollte hier eher beleuchtet werden. Wo Gelder gegeben wurden, müssen diese auch einen Empfänger haben. Und dies wäre dann Vorteilsnahme im Amt und damit strafbar. Anstelle der Leiter von Studienseminaren würde ich mir wirklich überlegen, ob mit jedem neuen Zyklus (2 mal im Jahr) Referendare nur seitens der Debeka "informiert" werden über die versicherungstechnischen Gegebenheiten eines Referendariats!? Dies ist so mindestens in den Studienseminaren Celle und Uelzen üblich. Schnell kann dies den Geruch von "Nehmen ist seeliger denn Geben" bekommen, ohne, dass dies in der Tat so sein muss.

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