Politiker
Bubenrepublik Deutschland

Blutjung ist das neue Führungstrio der FDP. Die Fehler, die Weisheit erzeugen, müssen sie im Amt machen. Doch dafür haben sie womöglich nicht einmal genügend Zeit.
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BerlinAlter schützt vor Torheit nicht, und auch Friedrich II., der später "der Große" genannt wurde, war erst 28 Jahre alt, als er gekrönt wurde - einige Jahre jünger als das neue FDP-Trio Rösler, Lindner und Bahr (Durchschnitt: 33). Alexander III. von Mazedonien, ebenfalls als "der Große" in die Geschichte eingegangen, war gerade mal 30, als er sich ein Riesenimperium zusammengerafft hatte, das von Hellas bis zum Himalaja reichte.

Man muss also nicht erst 73 sein, um wie Konrad Adenauer Kanzler zu werden. Aber das jugendliche Alter der Titanen von einst gibt keinen Maßstab für das Heute her. Als Alexander zum "Großen" wurde, hätte er statistisch schon tot sein müssen. Er war also richtig "alt", lag doch damals die Lebenserwartung in Griechenland bei 28. Als die Gründerväter der USA 35 Jahre als Mindestalter für den Präsidenten in der Verfassung verankerten, blieb auch nicht mehr viel Zeit übrig; die Lebenserwartung betrug knapp 40. Heute ist sie im Westen doppelt so hoch, und sie wächst alljährlich weiter. 

Alter, wie die Älteren wissen, ist kein Segen; deshalb steigen auch die Kassenbeiträge mit jedem Lebensjahr. "Altersweisheit gibt es nicht", maulte Ernest Hemingway. "Wenn man altert, wird man nicht weise, sondern nur vorsichtig." Doch Jean-Jacques Rousseau lehrte: "Die Jugend ist die Zeit, in der man die Weisheit lernt, das Alter die Zeit, in der man sie praktiziert." 

Wer hat recht? Das hängt vom Beruf ab. Hemingway lag richtig mit Blick auf die harten Wissenschaften; wer über 30 ist, wird kaum noch die Fields-Medaille gewinnen, den "Nobelpreis" in der Mathematik. In der Politik wird es komplizierter. Kaum gesalbt, griff sich der Junge Fritz das habsburgische Schlesien - aus "Ruhmessucht", wie er selber zugab. Den Rest seines Lebens verbrachte er im Krieg - um zu halten, was er erobert hatte, oder um abzuwehren, was er in seinem jugendlichen Ungestüm provoziert hatte: die Einkreisung, den "Alptraum der Koalitionen". 

Nun führen wir heute keine Eroberungskriege mehr, und schon gar nicht täte das eine FDP, die nach Westerwelle um ihr schieres Überleben kämpft. Aber wo hätten die jungen Nicht-Wilden die Weisheit (und Schläue) erlernen können, die Adenauer in den Jahrzehnten vor seiner Kanzlerschaft angesammelt hatte: als Anwalt, als Kölner Bürgermeister, im Kampf gegen die Nazis, im Parlamentarischen Rat? 

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