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02.08.2008 
Nach Gratis-Privatflug

Politiker fordern Rücktritt von Verdi-Chef

Politiker von Union und FDP haben nach den angeblichen Privat-Gratisflügen des Verdi-Vorsitzenden Frank Bsirske dessen Rücktritt gefordert. Der Chef der Dienstleistungsgewerkschaft solle «in der Südsee bleiben», sagte FDP-Generalsekretär Dirk Niebel der «Bild«-Zeitung (Samstagsausgabe).

Noch hat er gut lachen: Der Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, Frank Bsirske (Archivfoto). FOTO: dpaLupe

Noch hat er gut lachen: Der Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, Frank Bsirske (Archivfoto). FOTO: dpa

HB BERLIN.Ein ver.di-Sprecher bestätigte den Freiflug und sprach von einer „üblichen Regelung“. Bsirske ist Mitglied des Lufthansa-Aufsichtsrats. Als solches steht ihm ein Kontingent an Freiflügen zu. Ver.di-Sprecher Harald Reutter sagte am Samstag im WDR-Hörfunk, Bsirske sei auf Kosten der Lufthansa in der 1. Klasse in den Urlaub geflogen. Der Flug sei von Frankfurt nach Los Angeles gegangen. Den Anschlussflug zu seinem Urlaubsort habe Bsirske aus eigener Tasche bezahlt. Der Flug sei im Rahmen der für Aufsichtsräte der Lufthansa üblichen Regelungen erfolgt. Bsirske, stellvertretender Vorsitzender des Kontrollgremiums der Lufthansa, mache von der Freiflug- Möglichkeit äußerst zurückhaltend Gebrauch. Den durch den Freiflug entstandenen finanziellen Vorteil werde er selbstverständlich ordnungsgemäß versteuern.

FDP-Generalsekretär Dirk Niebel sagte der „Bild“-Zeitung: „Herr Bsirske soll in der Südsee bleiben. Wenn er jetzt nicht zurücktritt, sollten ihm die Gewerkschafter den Stuhl vor die Tür setzen.“ CSU- Generalsekretärin Christine Haderthauer sagte der „Welt am Sonntag“: „Das ist bei Gewerkschaftsfunktionären leider nichts Neues: Diejenigen, die den moralischen Zeigefinger am höchsten heben, halten am ungeniertesten die Hand auf. Damit verraten Leute wie Bsirske die Anliegen der Mitglieder, die sie gewählt haben.“

Der Vorsitzende der Mittelstandsunion der CSU, Hans Michelbach, sagte der „Bild“-Zeitung: „Bsirske agiert nach dem Motto: links reden, rechts leben. Eigentlich müsste er jetzt zurücktreten. Er hat seine Leute während des Arbeitskampfes im Stich gelassen.“ Michelbach spielte damit auf den Streik bei der Lufthansa an, der am Freitag mit einer Tarifeinigung beigelegt wurde. Der Vorsitzende des Parlamentskreises Mittelstand der CDU/CSU-Fraktion, Michael Fuchs CDU), sagte der Zeitung: „Das Verhalten ist unglaublich. Ich fordere Herrn Bsirske auf, sein Aufsichtsrats-Mandat bei Lufthansa niederzulegen.“

Die ehemalige stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Ursula Engelen-Kefer, nahm Bsirske dagegen in Schutz. „Ich habe Frank Bsirske als jemanden kennengelernt, der sich sehr für die Interessen seiner Mitglieder eingesetzt hat. Er hat dabei immer seine persönlichen Interessen zurückgestellt“, sagte Engelen-Kefer der „Welt am Sonntag“. Ver.di-Sprecher Reutter wies die Kritik an Bsirske und die Rücktrittsforderungen zurück. Solche Appelle kämen von den „üblichen Verdächtigen“ und seien absurd.

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