1 Bewertung *****
13.10.2008 
Abstimmung über Rettungspaket

Politiker knüpfen Bankenhilfe an Bedingungen

von Donata Riedel, Andreas Printz und Sven Afhüppe

Die Regierungsparteien Union und SPD, aber auch die Oppositionsparteien FDP und Grüne werden das Rettungspaket der Bundesregierung kommende Woche im Bundestag aller Voraussicht nach passieren lassen. Allerdings knüpfen sie ihre Zustimmung an rigide Auflagen, mehr Aufklärungsarbeit gegenüber den Bürgern und Handlungsbedarf bei Managergehältern.

Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller betonte die Stärke seiner Partei in Sachen Wirtschaftskompetenz. Foto: apLupe

Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller betonte die Stärke seiner Partei in Sachen Wirtschaftskompetenz. Foto: ap

BERLIN. Der Vorsitzende des Haushaltsauschusses, Otto Fricke (FDP), mahnte gegenüber dem Handelsblatt an, dass es für jede direkte Staatsbeteiligung an einer Bank von vorneherein ein klares Ausstiegsszenario geben müsse. Die rechtlich „sauberste Lösung“ sei es, sowohl für die geplanten Eigenkapitalhilfen als auch für Staatsgarantien für Interbankenkredite einen Nachtragshaushalt aufzustellen. Ordnungspolitische Debatten gebe es in der FDP über das Rettungspaket nicht, sagte Fricke. „Es geht schließlich nicht um die Rettung einzelner Banken, sondern um die Rettung des gesamten Finanzsystems.“ Daher müsse das Paket auch schnell umgesetzt werden.

Die notwendigen Gesetzentwürfe werden die Regierungsfraktionen voraussichtlich spätestens Dienstag in den Bundestag einbringen, am Mittwoch wird der Haushaltsausschuss beraten. Freitag oder spätestens Samstag soll die Verabschiedung in Bundestag und Bundesrat erfolgen. Dazu müsste der Bundesrat außerplanmäßig tagen.

Vor allem Unions-Politiker hegten am Wochenende bei einem Einstieg des Staates bei Finanzinstitutionen grundsätzliche Bedenken. „Wir als Union tun uns sehr schwer damit, wenn sich der Staat an Banken beteiligen soll“, sagte Unionsfraktionsvize Michael Meister (CDU) dem Handelsblatt. „Seit Jahren haben wir uns für einen Rückzug des Staates aus dem Finanzsektor starkgemacht.“ Im „alleräußersten Notfall“ – und der sei nun ja mit dem Börsencrash am vergangenen Freitag endgültig erreicht – wolle man sich dem vorübergehenden Staatseinstieg bei Banken nicht verschließen, sagte Meister. „Für jede staatliche Hilfe werden wir von den Banken substanzielle Gegenleistungen fordern.“

Grünen-Haushaltsexpertin Christine Scheel zeigte sich bereit, am Rettungspaket mitzuwirken: „Wir möchten, dass das solide ist, und wir werden uns das sehr genau anschauen“, sagte sie. Sie sieht erheblichen Erklärungsbedarf der Regierung vor allem gegenüber den Bürgern. Jahrelang hätten sie Kürzungen erduldet, hätten gehört, wie schwer die Kindergelderhöhung falle oder dass kein Geld für Bildung da sei. Und nun gehe es von heute auf morgen um dreistellige Milliardenbeträge. „Die Leute müssen es auch verstehen“, sagte Scheel. „Da muss die Kanzlerin noch einmal ran.“

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Die Milliardärin Penny Pritzker aus Chicago soll nach US-Medienberichten Wirtschaftsministerin in der Regierung des designierten Präsidenten Barack Obama werden. Mit dieser Personalie nimmt die Regierungsmannschaft zwei Wochen nach der US-Wahl allmählich Gestalt an.Bildergalerie 

  • Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlos...

    Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlossen wurde

    Auf dem Weltfinanzgipfel in Washington wollten die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) einen Fahrplan für eine neue Weltfinanzordnung vereinbaren, die eine Finanzkrise, die die ganze Welt in die Rezession treibt, in Zukunft verhindern soll. Was beschlossen...Bildergalerie 

  • Was führende Köpfe vom Finanzgipfel e...

    Was führende Köpfe vom Finanzgipfel erwarten

    Nichts Geringeres als eine neue Weltfinanzordnung wollen die 20 Staats- und Regierungschefs der größten Wirtschaftsmächte am Wochenende in Washington aus der Taufe heben. Was Politiker, Konzernchefs, Ökonomen und andere führende Köpfe aus der Finanzwelt vom Weltfinanzg...Bildergalerie 

vor

 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Kein Ausweg aus der Finanzkrise in Sicht  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Hermann-Josef Knipper

Der letzte Tag der „Euro Finance Week“ in Frankfurt hat das ganze Drama der Macht- und Ratlosigkeit der Finanzbranche deutlich gemacht. Nach der harschen Kritik von Bundespräsident Horst Köhler, der nicht weniger als ein neues Weltfinanzsystem gefordert und viele Schuldige benannt hatte, mühten sich Banker, Ökonomen und Notenbanker um Auswege aus der Krise. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Deutscher Bauernstaat  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Helmut Hauschild

Die Bundesregierung tut sich mit ihrer Agrarpolitik als Industriestaat keinen Gefallen. Kommentar