Deutschland
Politiker parteiübergreifend für kontrollierten Islam-Unterricht

Als Reaktion auf die religiösen Spannungen in den Niederlanden haben Politiker von SPD, Union und Grünen staatlich- kontrollierten Islam-Unterricht an deutschen Schulen gefordert.

dpa BERLIN. Als Reaktion auf die religiösen Spannungen in den Niederlanden haben Politiker von SPD, Union und Grünen staatlich- kontrollierten Islam-Unterricht an deutschen Schulen gefordert.

Der schleswig-holsteinische Innenminister Klaus Buß sagte der „Financial Times Deutschland“: „Ein aufgeklärter islamischer Religionsunterricht kann dazu beitragen, dass ein Euro-Islam entsteht, der mittel- bis langfristig auch auf die Heimatländer wirkt.“

Grünen-Chefin Claudia Roth sagte dem Blatt: „Es ist falsch, dass zum Predigen immer noch Leute aus der Türkei nach Deutschland geschickt werden, die von unserer Gesellschaft keine Ahnung haben.“, Sie forderte, an deutschen Universitäten islamische Imame und Religionslehrer auszubilden. Islamischer Religionsunterricht an Schulen solle auf Deutsch stattfinden. „So können wir dafür sorgen, dass unser Wertesystem von Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Menschenrechten zur Grundlage dieses Unterrichts wird.“

Der Unions-Innenexperte Hartmut Koschyk sagte der Zeitung: „Zumindest der islamische Unterricht für Kinder muss unter staatlicher Schulaufsicht stattfinden. Das wird ein riesiger Kostenfaktor für die Länder, aber es führt kein Weg daran vorbei.“

Der erste Lehrstuhl-Inhaber für islamische Religion, Muhammad Kalisch, von der Universität Münster, plädierte dafür, Predigten in den Moscheen auf Deutsch zu halten. In vielen Gemeinden treffen sich Menschen mit unterschiedlichen Muttersprachen. Sie brauchen eine gemeinsame Basis. „Das kann nur Deutsch sein“, sagte Kalisch. Im Moment stehen wir Muslime unter Generalverdacht. Deutsche Predigten können Verdachtsmomente wegnehmen.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime (ZMD), Nadeem Elyas, lehnte dagegen eine Verpflichtung zu deutschsprachigen Predigten ab. Der „Berliner Zeitung“ sagte er, die Dachverbände der Muslime müssten aber noch noch engagierter dafür sorgen, dass nicht mehr so viele „importierte Imane“ in Deutschland predigen. Die Vorbeter sollten häufiger in Deutschland ausgebildet werden. Elyas sagte, es sollte eine Art Selbstverpflichtung geben, Predigten muslimischer Prediger ins Deutsche zu übersetzen.

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