Politiker zu Bayer/Monsanto
„Ein falsches Signal“

Die Übernahmeofferte des Bayer-Konzerns für Monsanto, einen Hersteller von Gensaatgut, stößt bei Bundestagsabgeordneten teilweise auf Skepsis. Doch Änderungen der Anbaupraxis in Deutschland gelten als unwahrscheinlich.

BerlinDie geplante Übernahme des US-Konkurrenten Monsanto durch den deutschen Chemie- und Pharmakonzern Bayer stößt in Berlin auf geteiltes Echo. Abgeordnete der Sozialdemokraten und Grünen fürchten, eine Übernahme des US-Saatgutherstellers könnte der umstrittenen Gentechnologie hierzulande Auftrieb verleihen. Die Union reagiert dagegen zurückhaltend: Mit der Fusion sei „keine Änderung der Anbaupraxis“ in Deutschland zu erwarten, da die Unternehmen sich an geltendes Recht in Europa und Deutschland halten müssten, erklärt der zuständige Berichterstatter der Unionsfraktion im Bundestag, Kees de Vries, gegenüber Bloomberg.

Mit der geplanten Monsanto-Übernahme könnte Bayer weltweit führend auf dem Gebiet der Saatgutproduktion werden. Der Leverkusener Konzern bestätigte am Donnerstag das Übernahmeangebot für den US-Konkurrenten mit einem Marktwert von umgerechnet etwa 37 Milliarden Euro. Die Übernahme soll Bayer als „globales, innovationsgetriebenes Life-Science-Unternehmen mit Spitzenpositionen in seinen Kerngeschäften stärken“, erklärte das Unternehmen. Monsanto erwirtschaftet mit Saatgut und Pflanzenschutzmitteln jährlich einen Erlös von rund 13 Milliarden Euro.

„Mit der Übernahme positioniert sich Bayer international im Bereich der Gentechnologie“, erklärte die zuständige Berichterstatterin der Sozialdemokraten im Bundestag, Elvira Drobinski-Weiß. Die Gentechnologie werde dadurch in Deutschland zu einem Wirtschaftsfaktor. Dies sei „sehr problematisch“, weil es für Gentechnologie in Deutschland keine Unterstützung in der Bevölkerung gebe, merkte Drobinski-Weiß gegenüber Bloomberg an.

„Die jetzt geplante Übernahme des US-Saatgutriesen Monsanto durch Bayer ist ein falsches Signal für Deutschland und den Umweltschutz“, erklärt die ehemalige Landwirtschaftsministerin Renate Künast in einer Stellungnahme. „Diesen Irrweg gilt es zu beenden.“ Das Wirtschaftsministerium wollte sich zur Übernahmeofferte nicht äußern. Für die Prüfung seien die Kartellbehörden zuständig.

Die Bayer-Aktie sackte am Donnerstag zeitweise bis zu 9,9 Prozent ab. Die Rendite der 2074 fälligen Bayer-Anleihe stieg im Intraday-Verlauf bis auf rund 3,88 Prozent. Am Markt gab es Bedenken, eine große Übernahme würde das Kreditrating des Unternehmens belasten und Bayer zwingen, neue Aktien zu begeben.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur
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