Politikerranking: Atom-Aussage stürzt Brüderle ins Umfragetief

Politikerranking
Atom-Aussage stürzt Brüderle ins Umfragetief

Für seine inoffizielle Kritik an der neuen Atompolitik der Regierung muss Minister Brüderle auch in den Umfragen bitter büßen. Kanzlerin Merkel verliert ebenfalls, neuer Liebling der Bürger ist Frank-Walter Steinmeier.
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BerlinErstmals seit langem schenken die Deutschen einer Umfrage zufolge wieder einem SPD-Politiker ihr größtes Vertrauen. In dem am Mittwoch veröffentlichten Politikerranking des Magazins "Stern" kommt SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier mit 56 Zählern auf den ersten Platz. Er gewinnt im Vergleich zum vorigen Ranking vom Dezember zwar nur einen Punkt hinzu, profitiert aber von den Einbußen der Konkurrenz.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) büßt vier Vertrauenspunkte ein und kommt mit 55 Zählern nur noch auf Platz zwei, vor Verteidigungsminister Thomas de Maiziere auf dem dritten Rang (52). Die Umfrage spiegelt allerdings nicht die Stimmung nach den Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz am vergangenen Sonntag wider. Die gut 1000 repräsentativ ausgesuchten Bundesbürger wurden am 24. und 25. März befragt - just zu dem Zeitpunkt, da Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) in der öffentlichen Kritik stand, weil er einem BDI-Protokoll zufolge die Energiewende der Bundesregierung als "nicht rational" abwertete.

Im Ranking bekommt Brüderle, der nach der Wahlschlappe in Rheinland-Pfalz als Landesvorsitzender der Liberalen zurücktrat, dafür die Rechnung serviert: Nach seinen umstrittenen Atom-Äußerungen stürzt er um sechs Punkte auf 32 Zähler ab. Mit 31 Punkten bildet sein Parteichef und Außenminister Guido Westerwelle, der innerhalb der FDP immer mehr ins Abseits gerät, weiter das Schlusslicht.

In der Forsa-Umfrage vergeben die Befragten ausgewählten Politikern Punkte auf einer Skala von 0 (kein Vertrauen) bis 100 (sehr hohes Vertrauen).

Größter Gewinner ist neben Steinmeier Thomas de Maizière (CDU), der vor vier Wochen vom Innen- ins Verteidigungsministerium wechselte: Er gewinnt vier Punkte hinzu und belegt mit 52 Punkten nun den dritten Platz der vertrauenswürdigsten Politiker. Am Ende der Skala rangiert neben Brüderle und Westerwelle noch der Linken-Fraktionschef Gregor Gysi.

Nur geringe Bewegung gab es im Mittelfeld. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) verbesserte sich um 1 Punkt auf 48 Zähler. Er liegt damit gleichauf mit Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), die um 2 Punkte auf 48 Zähler fiel. SPD-Chef Sigmar Gabriel sammelte 44 Punkte (-1), CSU-Chef Horst Seehofer hält sich bei 42 Punkten. Trotz der grünen Erfolge in den vergangenen Wochen ist das Vertrauen der Deutschen in die beiden Grünen-Fraktionschefs Renate Künast und Jürgen Tritten geringer geworden: Künast erreicht nur noch 41 Punkte (-4), Trittin 39 Punkte (-1).

Das Magazin ließ auch die Meinung zum einstigen CSU-Star Karl-Theodor zu Guttenberg erfragen, der am 1. März als Verteidigungsminister zurückgetreten war. Er verlor nach der Plagiatsaffäre 15 Punkte, genießt in der Bevölkerung mit 49 Zählern aber noch immer mehr Vertrauen als sein Parteichef Seehofer (42 Punkte).

Gero Brandenburg
Gero Brandenburg
Handelsblatt Online / Redakteur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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