Politikvermittlung
Deutsche Politiker, amerikanischer Traum

Podcast, Video-Sprechstunde, Parlamentskanal: Bundeskanzlerin, SPD-Chef und Bundestag probieren Wege aus, um klassische Medien zu umgehen – und damit auch die leidigen Journalisten. Die Politiker argumentieren, so näher am Volk zu sein. Doch es gibt eine Menge Vorbehalte.

BERLIN. Es ist der eigentliche amerikanische Traum vieler deutscher Politiker. Einmal in der Woche kann sich der US-Präsident in „State of the Union“-Reden direkt ans Volk wenden. Kein Journalist fragt dazwischen, nichts wird geschnitten, der Präsident übermittelt genau die Botschaft, die er übermitteln will. In Deutschland gibt es solche Ansprachen von Bundespräsident und Kanzler nur an Weihnachten und Neujahr und zu ganz besonderen Anlässen – wie dem 11. September 2001. Nun aber suchen auch deutsche Spitzenpolitiker mit aller Macht nach Wegen, sich direkt an den Wähler zu wenden.

Den Vorreiter hatte die Bundeskanzlerin mit ihrem Video-Podcast gemacht. Einmal wöchentlich wird er Samstag ins Internet gestellt. Nach Angaben des Bundespresseamts (BPA) liegen die Nutzerzahlen mittlerweile bei durchschnittlich 200 000, rund zehn Prozent davon laden sich das Video herunter. Die Nachrichtenagenturen verbreiten aus der Ansprache sogar regelmäßig eine Botschaft der Kanzlerin, sozusagen Angela Merkels „Wort zur Woche“. Und im kommenden Jahr wird das Bundespresseamt wohl den Video-Podcast auch mit einem Rückkanal auszustatten – also Bürgern die Möglichkeit einräumen, auf die Meinung der Kanzlerin mit ihrer eigenen zu antworten und Fragen zu stellen. Bereits heute gibt es ein interaktives Element „Direkt zur Kanzlerin“, das aber systematisiert werden soll.

» Angela Merkels Video-Podcast



» Kurt Becks Video-Sprechstunde

Auch SPD-Chef Kurt Beck, mit der Berichterstattung über ihn dauerunzufrieden, ist ab sofort mit einer Video-Bürgersprechstunde im Internet vertreten. Und nicht nur die Exekutive und die Parteien sind aktiv: Auch der Deutsche Bundestag denkt ernsthaft darüber nach, ob die parlamentarischen Debatten nicht über einen eigenen Parlamentskanal verbreitet werden sollen. Denn viele Abgeordnete sind unzufrieden damit, dass die Debatten der Volksvertreter wenig mediale Aufmerksamkeit bekommen.

Dass mit den neuen Wegen bewusst Journalisten umgangen werden sollen, weisen alle Beteiligten zurück. Man wolle vielmehr die Chancen neuer Medien nutzen. „Hintergrund des Podcasts ist etwa, dass es bestimmte junge Zielgruppen gibt, die sich gezielt über das Internet informieren“, sagt etwa der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg.

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