Politikwissenschaftler
Koch oder de Maizière könnten Schäuble ablösen

Bundeskanzlerin Angela Merkel hofft auf eine baldige Rückkehr von Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) aus dem Krankenhaus. Doch der wird erst einmal mehrere Wochen ausfallen. Das könnte Spekulationen über eine Kabinettumbildung neue Nahrung geben, meint der Bonner Politikwissenschaftler Gerd Langguth.
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dne/HB DÜSSELDORF. Dass Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble erneut ins Krankenhaus muss und damit mehrere Wochen ausfällt, könnte sich nach Einschätzung des Bonner Politikwissenschaftlers Gerd Langguth nachteilig auf die Regierungsarbeit auswirken. "Die Leitung eines so wichtigen Ministeriums in einer Zeit noch anhaltender internationaler Finanzmarktkrise vom Krankenbett aus dürfte sich erneut als schwierig erweisen, auch angesichts internationaler Verpflichtungen", sagte der Professor an der Universität Bonn Handelsblatt Online. "Damit dürften sich Spekulationen über eine Kabinettumbildung erhärten. Jedenfalls bedeutet diese Nachricht faktisch eine Schwächung Angela Merkels, da Schäuble in seinem öffentlichen Auftreten weitgehend ausfällt."

Gerade ein Finanzminister sei in der Zeit der gegenwärtigen Finanz-, Griechenland- und Euro-Krise besonders gefordert, erklärte Langguth. Auf diesem Feld müsse die Bundesregierung verlorenes Terrain wieder gut machen. Geeignete Kandidaten, die Schäuble ersetzen könnten, gäbe es, so Langguth. Er nannte etwa den früheren hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch oder Thomas de Maizière, "der als früherer sächsischer Finanzminister an diesem Amt Interesse haben dürfte".

Merkel hofft indes auf eine baldige Rückkehr ihres Ministers. "Bundesfinanzminister Schäuble hat die Bundeskanzlerin über die Notwendigkeit einer Behandlung vorab informiert. Die Kanzlerin hat Herrn Schäuble dabei gute Besserung gewünscht", teilte eine Regierungssprecherin am Dienstag mit. "Sie freut sich auf seine baldige Rückkehr in die Tagespolitik."

Schäubles Sprecher Michael Offer sagte, die Erfahrung aus dem Frühjahr habe gezeigt, dass es möglich sei, die Amtsgeschäfte vom Krankenbett aus zu führen. Anfang Mai hatte der Minister wegen seines Krankenhausaufenthaltes allerdings Beratungen in Brüssel über den EU-Rettungsschirm verpasst, Innenminister Thomas de Maiziere musste für ihn einspringen. Nun dürften wie damals wieder Spekulationen aufkommen, ob der Minister genug Kraft hat, um sein Amt voll auszuüben.

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