Politische und persönliche Gründe

CDU-Politiker Bosbach tritt nicht mehr an

Wolfgang Bosbach hat genug: Der langjährige CDU-Bundestagsabgeordnete ist bei der Wahl im kommenden Jahr nicht mehr dabei. Für diese Entscheidung gäbe ein ganzes Bündel von Gründen - politisch und persönlich, sagte er.
Update: 23.08.2016 - 05:06 Uhr
Der CDU-Bundestagsabgeordnete hat viele Gründe, warum er nicht mehr antritt. Quelle: dpa
Wolfgang Bosbach

Der CDU-Bundestagsabgeordnete hat viele Gründe, warum er nicht mehr antritt.

(Foto: dpa)

BerlinDer langjährige CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach zieht sich im Herbst 2017 aus der Politik zurück. „Heute Abend habe ich meinen CDU-Kreisverband darüber informiert, dass ich 2017 für eine erneute Kandidatur für den Deutschen Bundestag nicht zur Verfügung stehe“, sagte der 64-Jährige am Montagabend der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Mit Ablauf dieser Wahlperiode werde ich meine politische Arbeit endgültig beenden.“ Zuvor hatten die „Bild“-Zeitung, die „Berliner Zeitung“ und der „Kölner Stadtanzeiger“ darüber berichtet.

Für diese Entscheidung gebe es nicht nur einen Grund, sondern ein ganzes Bündel von Gründen - „sowohl politische als auch sehr persönliche“, sagte Bosbach der dpa. „In einigen wichtigen politischen Fragen kann ich die Haltung meiner Partei nicht mehr mit der Überzeugung vertreten, wie ich sie gerne vertreten würde - und wie ich sie auch vertreten müsste, falls ich noch einmal für die CDU für den Bundestag kandieren würde.“

Verschleierungstaktik
Eine traditionelle Burka in Afghanistan
1 von 10

Streit um Burka, Niqab und Co.: Unionsminister wollen ein Verbot der Vollverschleierung in Teilen des öffentlichen Lebens durchsetzen, etwa beim Autofahren, bei Behördengängen oder in der Universität. Die Debatte wird häufig unter dem Stichwort „Burka-Verbot“ geführt, dabei ist die Burka in Deutschland kaum verbreitet.

Frauen in Burka in Afghanistan
2 von 10

Eine Burka ist eine Vollverschleierung: Sie verhüllt den ganzen Körper und das Gesicht, auch die Augen. Ein engmaschiges Gitter dient als Sichtschutz und verhindert den direkten Blickkontakt, zudem schränkt es das Sichtfeld der Trägerin stark ein.

Gesichtsschleier in Ägypten
3 von 10

Weiter verbreitet in Deutschland als die Burka ist der zusätzlich zu Kopftuch und Ganzkörperverhüllung getragene „Niqab“, der das gesamte Gesicht bedeckt, jedoch die Augen freilässt. Einige Trägerinnen des „Niqab“ verbergen die Augen jedoch zusätzlich hinter einem halbtransparenten schwarzen Schleier.

Eine Britin mit Niqab
4 von 10

Ein schmaler Schlitz lässt beim Niqab die Augen frei, wodurch er sich von der Burka unterscheidet. Verbreitet ist der Niqab auf der arabischen Halbinsel, aber auch im Irak, Syrien und Ägypten.

Eine Französin im Niqab
5 von 10

Meist wird der Gesichtsschleier zusammen mit einem Tschador oder einem anderen Gewand getragen: Ein Tschador ist ein Tuch, das wie ein Umhang getragen wird und die Haare und den Körper bis zu den Füßen bedeckt.

Muslima mit Kopftüchern beim Fastenbrechen
6 von 10

Am häufigsten sieht man in Deutschland muslimische Frauen mit Hidschab: Einem Kopftuch, das unter dem Kinn geknotet wird und Haare, Ohren, Hals und Schultern bedeckt. Das Gesicht bleibt beim Hidschab frei.

Muslima in Indonesien mit Chimar und Hidschab
7 von 10

Zusätzlich zu Burka, Niqab und Hidschab werden verschiedene Varianten der Verschleierung getragen: Etwa der Chimar, eine Art Cape, das bis zur Taille reicht (links und rechts im Bild).

In der CDU wurde die Entscheidung mit Bedauern aufgenommen. Der nordrhein-westfälische CDU-Vorsitzende und stellvertretende Bundesvorsitzende Armin Laschet sagte dem „Kölner Stadtanzeiger“ (Online-Ausgabe): „Dem Bundestag wird er fehlen. Als Freund wird er bleiben.“ Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Stephan Mayer, würdigte Bosbach als verlässlichen, integren, fleißigen und kompetenten Politiker. „Er hat wie kaum ein anderer Parlamentarier in den letzten beiden Jahrzehnten die Innenpolitik der CDU/CSU geprägt und verkörpert“, sagte Mayer dem Blatt.

Bosbach, der aus Bergisch Gladbach in Nordrhein-Westfalen kommt, genießt bis hinein in die Linksfraktion breite Sympathien. Er hatte seine Entscheidung am Montagabend mitgeteilt und sowohl politisch als auch persönlich begründet. Der Vater von drei erwachsenen Töchtern ist seit Jahren unheilbar an Krebs erkrankt.

Bosbach, Abgeordneter der Rheinisch-Bergischen Kreises, sitzt seit 1994 im Bundestag, bis 2009 war er Vizechef der Unionsfraktion. Zeitweise wurde er sogar als Innenminister gehandelt. Allerdings galt er immer auch als Querdenker und Abweichler. Der populäre Politiker, der häufig in Talkshows zu Gast ist, hatte immer wieder massive Kritik am Kurs seiner eigenen Partei geübt, etwa wegen der Milliardenhilfen für Griechenland oder der Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel.

Bosbach betonte, er bleibe aus Überzeugung bei dem, was die CDU in wichtigen politischen Fragen über einen langen Zeitraum vertreten habe. In seinem Kreisverband hätten alle enttäuscht auf seine Ankündigung reagiert, sich zurückzuziehen. Viele hätten aber bereits mit der Entscheidung gerechnet. Bis zum letzten Tag dieser Wahlperiode werde er seine Pflichten selbstverständlich mit dem gleichen Engagement erfüllen wie bisher auch.

  • dpa
Startseite

Mehr zu: Politische und persönliche Gründe - CDU-Politiker Bosbach tritt nicht mehr an

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%