Politische Zukunft: Seehofer liebäugelt mit Guttenberg als Nachfolger

Politische Zukunft
Seehofer liebäugelt mit Guttenberg als Nachfolger

Karl-Theodor zu Guttenberg hat noch eine große politische Zukunft vor sich. CSU-Chef Seehofer kann sich den Ex-Minister als Nachfolger vorstellen. Guttenberg selbst sagte, er wolle die CSU nicht im Stich lassen.
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BerlinDer CSU-Vorsitzende und Ministerpräsident von Bayern, Horst Seehofer, hält Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg nach einer Auszeit trotz der Plagiatsaffäre für einen möglichen Nachfolger. „Ich kann mir alles vorstellen“, sagte Seehofer am Donnerstag in Berlin auf die Frage, ob es aus seiner Sicht möglich sei, dass Guttenberg nach einer Zwischenzeit sein Nachfolger in einem der Ämter werden könne. „Ich möchte ein Wurzelgeflecht von Ausnahmepolitikern innerhalb der CSU.“ Dies habe er „nie unter dem Gesichtspunkt getan, wie steht's dann um die eigene Laufbahn“. Seehofer bezeichnete Guttenberg als einen der „genialsten Köpfe, die wir jemals hatten und haben“. Man könne doch nicht im Ernst bestreiten, dass er in seiner Minister-Funktion eine „gute, in manchen Bereichen sogar historische Arbeit abgeliefert“ habe.

Guttenberg will der Politik und seiner Partei verbunden bleiben. Mit Blick auf die Aufgabe seiner politischen Ämter teilte Guttenberg in einer persönlichen Erklärung mit: „Oberfranken werde ich aber nicht im Stich lassen. Ebenso wenig meine politische Heimat, die CSU.“ Sein Rückzug umfasse auch den CSU-Bezirksvorsitz. „Gleichzeitig bleibe ich aber fraglos ein politischer Mensch und will meiner Verantwortung für meine oberfränkische Heimat weiter mit den mir gegebenen Kräften nachkommen“, teilte Guttenberg mit. Er werde deshalb den Bürgern im Wahlkreis auf eigene Kosten bis 2013 ein Bürgerbüro mit einer Vollzeitkraft zur Verfügung stellen. „Das wird in Kulmbach sein“, bekräftigte eine Mitarbeiterin des bisherigen Wahlkreisbüros am Donnerstag. Guttenberg will sich zudem auch persönlich für Oberfranken einsetzen.

Den Rücktritt von seinen Ämtern bezeichnete Guttenberg als überaus schmerzlichen, aber gebotenen Entschluss. „Ich habe in den vergangenen zehn Jahren stets Wert darauf gelegt, meine Aufgaben mit dem denkbar höchsten Einsatz wahrzunehmen. (...) Wer allerdings aus bekannten Gründen mit seinem Engagement haushalten muss, kann diesem Anspruch nicht ausreichend gerecht werden und hat demzufolge auch die Verpflichtung, ein Mandat nicht lediglich als Karrieresteigbügel auf Steuerzahlerkosten zu behalten.“

Guttenberg (CSU) übergab inzwischen das Verteidigungsministerium an seinen Nachfolger Thomas de Maizière (CDU). Der Wechsel an der Ministeriumsspitze wurde am Donnerstagmittag mit militärischen Ehren vollzogen. Bei der feierlichen Zeremonie am Bendlerblock in Berlin schritten Guttenberg und de Maizière die Ehrenformation des Wachbataillons ab. Anschließend legten sie einen Kranz am Ehrenmal der Bundeswehr nieder. Zuvor hatte Guttenberg seine Entlassungsurkunde von Bundespräsident Christian Wulff erhalten. De Maizière erhielt gleichzeitig seine Ernennungsurkunde.

Seehofer zeigte sich zufrieden mit der Kabinettsumbildung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Das Bundesinnenministerium sei der CSU „auf den Leib geschnitten“. Mit Hans-Peter Friedrich sei auch „der richtige Mann“ für die Leitung des Ministeriums gefunden worden.

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  • Maulhelden und Legendenerzähler :-)

  • M.Higgins:
    1. März 2011 um 19:20 Uhr

    Also das fidne ich nun, bei aller Kritik, schon ziemlich frech und ein enorme Entgleisung.
    Wie viele extre Linke tummeln sich denn hier seit Neustem?

  • Der Lügenbaron offenbart sich immer mehr als kongenialer Nachfolger von Kini Ludwig II.; wenn jemand 7 (!) Jahre nicht gewusst haben will, was er tat, zeugt das von geradezu märchenhaftem Realitätsverlust (oder die Heinzelmännchen haben nicht gescheit gearbeitet). Herr Seehofer stellt diejenigen in der CDU an den Pranger, die sich in dieser Affäre halbwegs anständig verhalten haben, und zementiert damit das Image eines bandengemäß aufgebauten pseudo-christlichen Wurzelgeflechts, in dem Anstand, Wahrhaftigkeit und Ehrgefühl nichts mehr gelten. Die Abschiedsrede war durchsetzt von Ablenkungsmanövern, Schuldzuweisungen und Verniedlichungen des eigenen - möglicherweise - strafbewehrten Vergehens. FJS u. Berlusconi lassen herzlich grüßen. Das Beängstigende ist, dass große Teile des Volkes Hochstapelei, Diebstahl und ministrable Unfähigkeit - glaubt man Facebook und der Blöd-Zeitung - goutieren, solange eine Lichtgestalt schneidig auftritt, markige Sprüche absondert und durch geschliffene Rhetorik ihre Vergehen sich selbst öffentlich schönredet. Wäre zG Gesprächspartner von Bush und Blair gewesen, stünden deutsche Truppen heute möglicherweise im Irak (wg. der vielen Massenvernichtungswaffen), interne Kritiker wären entlassen und andere Fehlentscheidungen getroffen worden. Den Medien, die hier einen hinreichend langen Atem hatten, darf man nur danken und hoffen, dass der Fall nicht in den Archiven mit dem Stempel erledigt abgelegt wird.

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