Politischer Aschermittwoch: Frotzeln mit Feingefühl

Politischer Aschermittwoch
Frotzeln mit Feingefühl

Der politische Aschermittwoch ist normalerweise die Stunde der Grobrhetoriker. Diesmal ist zumindest bei den etablierten Parteien Fingerspitzengefühl gefragt, um die angespannte Stimmung nicht noch mehr anzuheizen.

MünchenDer politische Aschermittwoch steht in diesem Jahr ganz im Zeichen der Flüchtlingskrise und der bevorstehenden Landtagswahlen in drei Bundesländern. Zu den Kundgebungen in Niederbayern und der restlichen Republik werden Tausende Besucher erwartet. Die größte Zusammenkunft dürfte aller Voraussicht nach wieder die CSU-Veranstaltung in Passau werden mit mehr als 3000 Besuchern. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer will den Kurs der CSU bekräftigen und die schnelle Begrenzung der Flüchtlingszahlen fordern.

„Zu glauben, man kann sich so durchmogeln, ohne dass sich die Flüchtlingszahlen drastisch verringern, das wird nicht gelingen“, sagte Seehofer vergangene Woche. Er müsse seinen Kurs nicht ändern. Um Seehofer nicht die Schau zu stehlen, hält sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) – ungeachtet des Konflikts mit der CSU in der Flüchtlingspolitik – an die Übereinkunft der beiden Unionsparteien und spricht erst am späten Nachmittag in Mecklenburg-Vorpommern.

Da inzwischen alle Parteien das CSU-Erfolgsmodell kopieren, gibt es bundesweit mehrere Dutzend Aschermittwochsveranstaltungen – allein die SPD-Spitze schwärmt zu zwölf Terminen aus. In Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt werden am 13. März die Landtage neu gewählt, so dass die Kundgebungen vielerorts zu Wahlveranstaltungen umfunktioniert werden.

Sowohl SPD als auch Grüne schicken ihre Bundesprominenz nicht nach Niederbayern, sondern nach Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. SPD-Parteichef Sigmar Gabriel will eine doppelte Aschermittwochsrede halten: mittags in Mainz bei einer Wahlkundgebung mit der von einer Wahlniederlage bedrohten Ministerpräsidentin Malu Dreyer, abends dann in Nordrhein-Westfalen. Die Grünen-Bundesvorsitzende Simone Peter tritt am Abend in Mainz auf.

Unter großem medialen Interesse wird AfD-Chefin Frauke Petry im Beisein von voraussichtlich 70 bis 80 Pressevertretern im niederbayerischen Osterhofen auf die Bühne treten. Nachdem die AfD-Vorsitzende in einem Interview einen Schusswaffengebrauch gegen Flüchtlinge ins Gespräch gebracht hatte, dürfte Petrys Rede in Medien und sozialen Netzwerken mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt werden. Die Partei sieht sich bereits jetzt als Gewinnerin der drei Landtagswahlen. Nach jüngsten Umfragen wird die AfD in alle drei Landesparlamente einziehen.

Für die Linke spricht in Passau unter anderem Parteichef Bernd Riexinger. Die Freien Wähler sind mit Parteichef Hubert Aiwanger in Deggendorf, die FDP tritt in Dingolfing mit dem Europapolitiker Alexander Graf Lambsdorff an.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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